Test – Nobunaga’s Ambition: Sphere of Influence – Ascension

Kriegsherren und solche, die es werden wollen aufgepasst: KOEI schickt euch ins Rennen um die Vereinigung Japans.

Bei Nobunaga’s Ambition: Sphere of Influence – Ascension (im Folgenden “Ascension”) handelt es sich um eine Neuauflage des Strategietitels aus dem Vorjahr, welche Erweiterungen in allen drei Kernsäulen mit sich bringt: Infrastruktur, Diplomatie und Militär. Außerdem gibt es nun verschiedene Ränge und Einflussgrade, die man als Offizier erreichen kann. Wir haben uns angeschaut, ob die Liste an neuen Features zum erneuten Kauf animieren kann.

Wie in den anderen Teilen der Traditionsreihe von KOEI, geht es natürlich auch bei Ascension darum, siegreich die japanische Sengoku-Periode (1467 – 1603) zu überstehen und die zerstrittenen Reiche unter seinem Banner zu vereinen. Das Spiel selbst bietet eine Mischung aus Echtzeit- und Rundenstrategie, bei der wir zu Beginn jeden Monats Aufträge festlegen, die danach in pausierbarer Echtzeit ausgeführt werden. Im Vergleich zum Vorgänger Sphere of Influence ist man jedoch nicht zwangsläufig als Daimyō, dem Feudalherrscher einer oder mehrerer Provinzen, unterwegs, sondern hat auch die Möglichkeit das Leben eines niederen Offiziers (Retainer) über mehrere Stufen (Chamberlain, Lord und Regent) hinweg zu spielen. Sobald man genug Ehre gesammelt hat, kann man sich von seinem alten Lehnsherren lösen und sich selbst als Daimyō an der Eroberung und Einigung Japans versuchen. Mit jeder Stufe kommen neue Aufgaben und Befugnisse hinzu. Dieses “Officer Play” genannte Spielprinzip ist in KOEIs Romance of the Three Kingdoms XIII bereits enthalten, feiert in der Nobunaga’s Ambition-Reihe mit Ascension jedoch sein Debüt.
Als Retainer erhalten wir zunächst nur ein kleines Fleckchen Land mit unserem Wohnsitz, das wir nach eigenem Gutdünken erweitern können, um so unser monatliches Einkommen zu sichern. Hierbei fallen direkt einige spannende Änderungen auf: Zum einen gibt es in
Ascension deutlich mehr Spezialisierungen für die einzelnen Bezirke und zum anderen gibt es nun zwei neue natürliche Ressourcen, die zum Bau benötigt werden, nämlich Holz und Eisen. Ebenfalls sehr wichtig ist es nun, dass Bezirke miteinander verzahnt sind, so steigen Händlerbezirke dann schneller auf, wenn sie an einer Straße liegen oder das Theater in der Nachbarschaft viele Leute anlockt, und eine Farm produziert mehr Nahrung, wenn sie guten Zugang zu Wasserquellen hat. Um in der Gunst des Daimyō aufzusteigen, gilt es einige Missionen für diesen zu erledigen, wie beispielsweise eine bestimmte Menge an Ressourcen zu zahlen oder in einer Schlacht aushelfen. Bei sämtlichen dieser Missionen konkurrieren wir mit anderen Offizieren unseres Ranges, sodass teilweise auch Schnelligkeit gefragt ist. Außerdem bekommen wir, egal auf welchen Rang, die Möglichkeit kleinere Aufträge für die Bevölkerung oder andere Offiziere zu Erledigen, welche jedoch nur uns selbst zugeteilt werden.

Als Chamberlain bekommen wir erstmal eine eigene Basis zugeteilt, welche wir fortan ähnlich zu unserer kleinen Domäne verwalten, nur liegt unser Baubereich nun nicht mehr auf einer einzelnen instanzierten Karte, sondern direkt auf japanischen Boden und auch unsere Einnahmen werden höher. Hierbei ist zu beachten, dass die umliegenden Gebiete sich mit denen anderer Basen überlappen und wir somit im Wettbewerb um das beste Land stehen. Auf der Lord-Stufe bekommen wir erstmalig die Möglichkeit für mehrere Basen einen Marschbefehl zu geben. Im Aufbauteil sind wir jedoch immer noch an eine Basis und unsere Domäne gebunden. Mit unserem Einfluss, der ähnlich wie Ehre gesteigert wird, haben wir nun die Möglichkeit den Daimyō um neue Untergebene zu bitten oder auch Allianzen und Kriegserklärungen vorzuschlagen. Außerdem können wir besonders fähige Offiziere in unseren inneren Kreis aufnehmen. Der Regent bekommt schließlich mehrere Basen zur wirtschaftlichen Verwaltung und wenn wir der Daimyō sind, spielt sich das Spiel so, wie man es bereits vom Vorgänger kennt, natürlich mit zahlreichen Erweiterungen und Verbesserungen. Doch keine Sorge: ein Lord beispielsweise hat mehrere KI-gesteuerte Chamberlain und Retainer unter sich, an die er Aufgaben delegieren kann. So bietet jede Stufe einen eigenen Mix auf Mikro- und Makromanagement und fühlt sich daher anders an. Außerdem besteht natürlich nach wie vor die Möglichkeit umliegende Stämme zu beeinflussen, damit diese einem in der Schlacht helfen oder unzufriedene gegnerische Offiziere zum Waffenstillstand oder Überlaufen zu überreden.

Während der Aufbauteil die größten Änderungen erfahren hat, und durch “Officer Play” neue Möglichkeiten zur Diplomatie zwischen verbündeten Offizieren hinzugekommen sind, erfuhr auch der Militär-Part ein paar Neuerungen. Ein Aspekt, der mir hier nicht so gut gefallen hat, ist die hakelige Verwaltung von Einheiten auf der Strategiekarte. Man kann zwar Angriffsbefehle für eine gegnerische Basis oder einen gegnerischen Offizier geben und so schnell eigene Truppen im Umland startbereit machen, doch gibt es keine Möglichkeit einen Sammelpunkt festzulegen oder automatisch Truppen zur Verteidigung einer Basis zu schicken. Wenn man zum Beispiel eine lange Ketten an Basen hat, dann tröpfeln die rekrutierten Einheiten generell erstmal nach und nach beim Gegner ein anstatt aufeinander zu warten. Gelungen sind hingegen die neuen Möglichkeiten auf dem Schlachtfeld selbst. So erhält man die Möglichkeit aus der Perspektive der Offiziere zu spielen und bekommt so Zugriff auf Squads, Formationen und bestimmte offensive und defensive Befehle. Ebenfalls neu sind Seeschlachten mit neuen Schiffseinheiten und Belagerungsschlachten, wenn eine Basis erobert oder verteidigt wird. Hierbei geht es darum, den Tenshu, also den Wehrturm, zu zerstören. Je nach Ausbaustufe der Basis gilt es jedoch einige Verteidigungsanlagen zu überwinden. Bogenschützen können sich hinter Mauern verschanzen und so aus Sicherheit heraus schießen. Handelt es sich nicht um einen Auftrag vom Daimyō, ist die Teilnahme auf dem Schlachtfeld natürlich optional und man muss nicht jede Schlacht von Hand gewinnen.

Vom Umfang her bleiben bei Ascension keine Wünsche offen. Die Partien sind sehr lang, es gibt viele Möglichkeiten den Schwierigkeitsgrad zu verändern und man kann die Rolle von Tausenden Offizieren übernehmen. Auch hat man die Möglichkeit sich selbst eigene Offiziere zu erstellen und auch eigene Events und Eventreihen zusammenzustellen und online mit anderen zu teilen. Natürlich gibt es für Neulinge und Wiederkehrer ein Tutorial, was kurz und knapp die wichtigsten Aspekte beleuchtet, sowie eine umfangreiche In-Game-Hilfe. Ein Feature des Vorgängers, welches vollkommen fehlt, ist die Möglichkeit ein eigenes Szenario abzuspeichern, dafür gibt es jedoch vorgefertigte Szenarien, sowohl historisch als auch fiktional, bei denen man eigene Clans einfügen und Startpositionen bestehender Clans tauschen kann. In der Tat sind sämtliche Szenarien des Vorgängers inklusive DLC verfügbar. Wer sich letzteren geholt hat, ist sicherlich etwas enttäuscht, dass er in Ascension nun wertlos ist. Außerdem gibt es mit der Belagerung Ōsakas auch noch ein neues Szenario, was sich mit den letzten großen Kampfhandlungen der Sengoku-Ära befasst. Dank “Officer Play” besteht nun noch mehr als jemals zuvor die Möglichkeit das Geschehen Japans nach seinen Wünschen zu beeinflussen und durch die unterschiedlichen Gameplay-Neuerungen und den stark verbesserten Wirtschaftsteil ist das Spiel abwechslungsreicher als je zuvor. In Sachen Präsentation hat sich im Vergleich zu Sphere of Influence kaum etwas getan. Der Soundtrack ist nach wie vor sehr gut, bietet aber an sich nichts neues. Optisch wirkt das Spiel ein Jahr nach dem Vorgänger noch ein wenig altbackener, auch wenn die neuen Stadtbezirke für Abwechslung sorgen.

Fazit

Nobunaga’s Ambition: Sphere of Influence - Ascension ist ein toller Eintrag in die Serie, der sicher auch einige Neueinsteiger überzeugen kann. Es ist sicherlich einer der besseren Strategietitel der letzten Jahre und, was die PlayStation 4 anbelangt, vielleicht sogar das beste, was diese auf dem Gebiet zu bieten hat. Man darf sich nur nicht an der etwas altbackenen Optik stören. Mit mehr Komplexität und mehr Individualität macht das Spiel mehr Spaß als je zuvor. Einzig und allein der Rollenspielaspekt und das "Officer Play" gefiel mir beim hauseigenenen Romance of the Three Kingdoms XIII und dem hoffentlich auch bei uns erscheinenden RotTK XIII with Power-up Kit besser, dafür überzeugt bei Ascension aber besonders der Aufbauteil. Der größte Wermutstropfen dürfte sicherlich sein, dass es keine Möglichkeit gibt den Vorgänger zu einem vergünstigten Preis upzugraden, jedoch sind Umfang und Neuerungen durchaus den Preis wert.
Positiv
  • Zahlreiche neue Gameplay-Elemente
  • Sehr hoher Detailgrad
  • Individuell spielbar wie nie zuvor
  • Riesiger Umfang
Negativ
  • Etwas schwache Präsentation
  • Bestimmte Befehle sind umständlich auszuführen
  • Keine Upgrade-Möglichkeiten für Besitzer des Vorgängers
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