Test – Okhlos

Optisch charmant und spielerisch ausgefallen – so kommt Okhlos daher. Doch wie kann sich der Titel in unserem Test behaupten?

Wenn Katamari auf God of War und Pikmin trifft, dann kommt so ein Titel wie Okhlos dabei heraus. Schrill und mit einer gehörigen Prise Humor sagt die Menschheit den Göttern den Kampf an und dank des technologischen Fortschritts waren wir natürlich live für euch dabei… also, naja, fast.

Bei Okhlos (griechisch ὄχλος: „Pöbel“ oder „Mob“), dem ersten größeren Titel des argentinischen Studios Coffee Powered Games, ist der Name Programm. Ihr übernehmt die Kontrolle über einen charismatischen Philosophen, der genug von den Göttern des Olymps hat. Schnell scharrt sich eine illustre Menge von Gefolgsleuten um euch, die als Menschentraube alles überrollen, was sich ihnen in den Weg stellt. Die Geschichte wird von niemand geringerem als dem legendären Homer erzählt und historisch somit äußerst akkurat.

Nach einem kurzen Tutorial geht das eigentliche Spiel los. In acht verschiedenen Welten prügelt ihr und euer Mob euch kreuz und quer durch die griechische Mythologie. Man hat hierbei die Möglichkeit, mehrere verschiedene Einheiten zu rekrutieren, die für einen anpacken. So gibt es beispielsweise Sklaven, welche hilfreiche Items tragen können, oder Verteidiger, die die Defensive erhöhen. Gespielt werden kann sowohl mit Maus und Tastatur als auch mit Gamepad, wobei beide Methoden etwa gleich gut funktionieren. Während ihr mit dem einen Stick oder WASD euren Hauptcharakter steuert, kontrolliert die Maus oder der zweite Stick die Gefolgschaft. Es gibt die Möglichkeit, zwischen diversen Formationen zu wechseln, wie zum Beispiel Angriff oder Blocken und Sammeln oder Zerstreuen. Hin und wieder ist es jedoch vorgekommen, dass Einheiten feststeckten und zurückgelassen werden mussten, oder dass sie explosive Fässer in der einen Bildschirmecke angegriffen haben, während der Cursor auf eine ganz andere zeigte. Ob Letzteres gewollt wird, wissen wir nicht genau, aber das ohnehin schon knackige Spiel wurde dadurch unnötig schwieriger. Okhlos ist nämlich ein Vertreter des Roguelite-Genres und bietet daher eben auch nicht die Möglichkeit für mehrere Spielstände. Ein Run beginnt stets in Delphi und endet entweder mit dem Niederringen des letzten Boss oder dem Tod des Spielers, sobald dieser keine Philosophen mehr hat, die die Menschentraube anführen können. Typisch für Roguelites sind neben zufällig generierten Leveln auch diverse Dinge zum Freischalten, die einem für kommende Playthroughs einen kleinen Startvorteil verschaffen, wie beispielsweise eine höhere Mobgröße.

Eine Welt selbst lässt sich in unter zehn Minuten relativ zügig beenden, wenn man weiß, was zu tun ist und wenn einem der Zufallsgenerator gnädig ist. Ähnlich wie bei The Binding of Isaac ist eine Welt in mehrere Segmente unterteilt und es gilt alle Gegner zu besiegen, bevor es weitergeht. Zwischen den Bereichen gibt es häufig Power-ups und Shops, bei denen man bestimmte Einheiten gegen andere austauscht oder besonders starke Helden erwirbt, die einem aktive oder passive Boni gewähren. Neben klassischen Gestalten aus Homers Ilias oder Odyssee, wie zum Beispiel Helena, Ajax, Jason und Achilles, gibt es außerdem noch Gastauftritte von Vampir Drakularos und zahlreichen Figuren aus Indietiteln von Publisher Devolver Digital und Freunden, wie eben auch der oben angesprochene Isaakos, der mit seinen Tränen einer der wenigen Fernkämpfer ist. Im Allgemeinen prügeln eure Griechen nämlich auf alles ein, was sich in Schlagreichweite befindet. Die Gegner sind ziemlich abwechslungsreich, auch wenn einige lediglich Varianten voneinander sind. Besonders taktisch wird es vor allem gegen Minibosse wie Hekantocheiren und natürlich gegen die Götter selbst, die am Ende einer Welt warten und gegen wen ihr kämpfen müsst, entscheidet manchmal der Zufall. Viele Bosse haben ihre ganz eigenen Tricks und Kniffe statt einfach nur Kopien zu sein, so kann einem Hera einen in ein Huhn verwandeln, während Poseidon versucht, seine Widersacher zu ertränken.

Von der Präsentation her, kann sich Okhlos durchaus sehen lassen. Während die komplette Umgebung aus 3D-Modellen besteht, sind die einzelnen Charakter lediglich zweidimensionale Pixel Art-Sprites, was das Ganze sehr charmant erscheinen lässt. Auch an Effekten wurde nicht gegeizt und so gibt es neben zahlreichen Comic-Sprechblasen auch Explosionen und zerstörbare Objekte, denn sobald sich die Wutanzeige des Mobs ausreichend gefüllt hat, ist dieser in Rage und reißt vom Pantheon über Käfige und Wohnhäuser alles nieder, sodass nur noch 3D-Geröll übrig bleibt. Musikalisch hat man sich Gordon McGladdery, auch als A Shell in the Pit bekannt, ins Boot geholt, dessen Sound Fans von Rogue Legacy schon nach ein paar Takten erkennen dürften. Für mich ganz klar ein weiteres Highlight des Spiels! Wie man es von Devolver Digital mittlerweile kennt, bietet auch Okhlos Untertitel in diversen Sprachen, so auch in Deutsch.

Fazit

Im Großen und Ganzen ist Okhlos ein sehr spaßiger Titel, der optisch und akustisch glänzen kann, auch wenn er nicht gänzlich frei von Frustmomenten ist. So ist die Einflussname auf dem Mob manchmal ein wenig hakelig und nicht so taktisch, wie man es vielleicht erwartet. Auch kam es bei unserem Test zweimal zu einem Absturz und kleineren Rückschlägen in der neuesten Version 1.05. Liest man in den Steam-Foren, so machen die Entwickler aber den Eindruck, dass schon bald die letzten Bugs ausgebügelt sein werden und Okhlos für Genrefans und humorvolle (Hobby-)Historiker somit bedenkenlos zu empfehlen ist. Es gibt genug Abwechslung von Run zu Run und selbst beim fünften oder zehnten Mal findet man noch Sachen, die man vorher nicht gesehen hat. Auch wenn es zahlreiche Vertreter von Roguelikes/-lites mit Pixel Art gibt, so bringt der Titel doch genug frische Ideen mit an den Tisch, dass sich der Kauf lohnt. Okhlos ist aktuell für 12,99 Euro bei Steam und bei gog.com erhältlich, wobei letztere Plattform momentan nach dem Kauf keine Möglichkeit zum Upgrade auf die Olympus Edition mit Soundtrack und weiteren Extras bietet.

 

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