Test – Outward

Mit einem gänzlich anderen Rollenspiel-Ansatz versucht es das kleine Nine Dots Studio. Können sie mit dem Fokus auf Erkunden und knallharten Kämpfen überzeugen?

Von Deep Silver vertrieben wurde Outward von der kleinen Entwicklerschmiede Nine Dots Studio programmiert, groß bekannt sind diese allerdings nicht. Bei den beiden vorigen Spielen handelt es sich um GoD Factory: Wingmen, ein Multiplayer Weltraumshooter und Brand, ein 2D-Platformer. Bevor ich auf den Titel eingehen möchte, ein paar Worte zum Sudio, da sich auf deren Website im About-Abschnitt nämlich ein interessanter Abschnitt zur Videospielindustrie finden lässt. Um den schlechten Arbeitsbedingungen oder langweiligen Projekten vorzubeugen, schreibt sich das kleine Studio auf die Flagge, mehr Transparenz aufzuweisen. So sind die Wochenarbeitsstunden bei 52 gedeckelt, selten werden laut eigener Aussage über 40 Stunden gearbeitet. Auch die Projekte werden selbstständig gewählt, ohne Druck von Außerhalb zu bekommen. Vor allem im Zuge der kontroversen Entwicklung von Anthem und den negativen Arbeitsverhältnissen bei Bioware, über die Jason Schreier auf Kotaku berichtete, ist dies sehr lobenswert.

Mit Outward hat sich das kleine Indie-Studio nun eine Menge vorgenommen. Euer Abenteuer beginnt auf einem abgelegenen Strand. Als Schiffsbrüchiger wacht ihr an einem Steg auf und müsst euch nun zurück in die Zivilisation begeben. Dies geht recht schnell vonstatten und nach kurzer Zeit findet ihr euch in eurem Haus, dem Leuchtturm von Cierzo, wieder. In der Heimat des Protagonisten werdet ihr allerdings nicht sehr freundlich empfangen. Rund vier Monate war euer Charakter verschwunden und hat während dieser Zeit seinen Blutpreis für den Clan, eine Art Steuer, nicht gezahlt. Falls ihr dieses Geld nicht bezahlt, wird euch der Leuchtturm genommen. Da euer Schiff aber gesunken ist und alle Wertgegenstände am Grund des Meeres liegen, müsst ihr euch etwas einfallen lassen. Wie einen „Tribe Favour“ erfüllen, indem ihr beispielsweise einen Verletzten eures Dorfes am Strand rettet, indem ihr ihm Bandagen für seine Wunden gebt. Dies ist auch zu Beginn die schnellere und deutliche einfachere Methode, da ihr für das Zurückzahlen 150 Silber braucht. Außerdem macht das Spiel ernst. Wenn ihr nämlich nach fünf Tagen wirklich kein Geld aufgebracht habt, verliert ihr Zugang zu eurem Haus.

Was ihr danach macht oder ob ihr überhaupt die Mühen auf euch nehmt, das Haus abzubezahlen, bleibt ganz euch überlassen. Bereits zu Beginn könnt ihr die Region Chersonese frei erkunden. Der große Conflux Mountain, eines der Banditen Camps, alte Ruinen oder Burgen stehen euch hier zu Verfügung. Eurem Erkundungsdrang sind keine Grenzen gesetzt. Natürlich hat das Spiel eine Hauptquest, der man folgen kann, um nicht komplett den Faden zu verlieren. Außerdem führt euch diese auch zwangsläufig zu einer von drei Fraktionen – Blue Chamber Collective, The Heroic Kingdom of Levant und The Holy Mission of Elatt – denen ihr euch im Spielverlauf anschließen könnt und für die es weitere Quests zu absolvieren gibt.

Damit ihr nicht ziellos durch die Welt schreitet, bietet euch das Spiel eine Karte an. Auf dieser sind wegweisende Plätze der Spielwelt markiert. Da es keinerlei Minimap oder Spielericon gibt sind diese wichtig, um sich auf der Karte überhaupt zurechtzufinden. Von den Entwicklern ist dies so beabsichtigt, um der Immersion zuträglich zu sein. An sich keine schlechte Idee, allerdings wäre die alternative Option, die uns eine Minikarte oder ein Playericon auf der Hauptkarte anzeigt, aber wünschenswert. Ein Schnellreisesystem gibt es übrigens nicht, auch dies soll der Immersion und dem Erkundungsdrang des Spielers zuträglich sein.

Selbstverständlich sind die Gebiete, Ruinen und Burgen nicht unbewohnt. So finden sich natürlich an manchen Stellen auch Gegner, wobei dies eher an bestimmten Hotspots der Fall ist. Leider ist ein Großteil der Welt sehr leer und hinterlässt ein Gefühl der Einsamkeit. Auch machen die Kämpfe, die es in Echtzeit auszutragen gilt, wenig Spaß. Am Anfang habt ihr dafür nur Hiebwaffen, später auch Bögen oder Magie zur Verfügung. Leider ist das Kampfsystem sehr rudimentär. Es gibt lediglich die Ausweichrolle, eine Angriffstaste sowie eine zweite für eine Art Kombos. Je nachdem wie viele Angriffe ihr mit der ersten getätigt habt, führt euer Charakter bei Drücken der zweiten eine andere Komboaktion aus. Letztlich gibt es noch die Möglichkeit zu Blocken, das war es dann aber auch schon. Die Kämpfe laufen daher alle nach Schema F ab. Ihr weicht aus und haut auf den Gegner drauf, wenn ihr eine Möglichkeit seht. Leider sind die Angriffsmuster der Feinde nicht wirklich aussagekräftig. Zudem verhält sich die KI teilweise sehr schlecht und dumm, sodass man diese mit Hilfe der Umgebung trappen kann. Des Weiteren sind die Hitboxen teils sehr schlecht und nicht so gut, wie man es beispielsweise von einem Dark Souls gewöhnt ist.

Verliert ihr einen der Kämpfe, was sehr häufig der Fall sein wird, werdet ihr in einen nahegelegen sicheren Bereich oder eine nicht so sichere Zelle transportiert. Weitere Möglichkeiten sind durch das Dynamic Defeat Scenario möglich, das euch nach der Niederlage in verschiedene Gegebenheiten wirft. Dazu seid ihr nun für eine bestimmte Zeit mit Mali versehen, die euch weniger Gesundheit oder eine langsamere Regeneration bescheren. Solche Mali bekommt ihr übrigens auch wenn ihr nicht auf Trinken, Essen oder Schlafen achtet. Diese Survival-Elemente gemixt mit Rollenspiel-Einflüssen sind eine interessante Abwechslung im Vergleich zu den üblichen RPGs.

Kernpunkt des Titels ist aber der CoOp-Modus. Dieser kann natürlich online aber auch – und das muss sehr lobenswert erwähnt werden – lokal im Splitscreen gestartet werden. Lokal können dabei beide Spieler zu Beginn ihren eigenen Charakter erstellen. Der Charaktereditor ist allerdings so abgespeckt, dass wirklich gute Kreationen nicht möglich sind. Hier erwarte ich natürlich keinen Editor im Stile von Dragon Age Inquisition oder Black Desert Online, aber wenigstens ein bisschen Kreativität hätte man doch erlauben können. Was ein großes Problem am lokalen CoOp-Modus ist, ist dass der Loot exakt der gleiche ist wie im Einzelspielermodus. Das ist vor allem am Anfang unverständlich, da essentielle Items wie der Beutel oder Heilitems nur einmal oder zu wenig vorhanden sind. So hat dann ein Spieler fast gar kein Equipment, der andere aber alles. Dies ist online natürlich nicht der Fall.

Technisch ist das Spiel nicht ansatzweise auf Höhe der Zeit. Die Texturen sehen ungeladen aus, die Animationen sind unnatürlich und die Charaktere emotionsarm. Natürlich ist dies hier auch nicht der Anspruch, gerade bei einem so kleinen Team, aber an manchen Stellen ist die technische Schwäche leider sehr deutlich. Ein weiterer negativer Aspekt sind die exorbitanten Ladezeiten. Beim ersten Starten braucht der Titel gute zwei Minuten um euch in die Welt zu bringen. Danach könnt ihr die offene Welt zwar erkunden, allerdings gibt es einige Gebiete und Regionen, die wiederum einen Ladebildschirm mit sich bringen, der gut und gerne eine Minute oder länger vorhanden ist. Ärgerlich ist dies auch nach dem Tod, der gar nicht so selten vorkommt, da der Titel recht schwer ist. Dies bezieht sich ausdrücklich auf die PlayStation 4-Version. Wie es sich mit der Xbox- oder PC-Fassung hält, ist eine andere Sache.

In Sachen Audio muss man anmerken, dass nur Fragmente des Spiels synchronisiert sind. Dies ist vor allem dann komisch, wenn bei Charakteren nur die ersten ein oder zwei Sätze von längeren Abschnitten vertont sind, der Rest aber nicht. Auch kann es vorkommen, dass mal der erste oder letztes Satz in einem Abschnitt vertont ist, mittendrin aber nichts. Des Weiteren ist das Voice Acting eher schlecht und zu übertrieben. Dies bezieht sich auf die englische Sprache. Sowohl Deutsch als auch Französisch sind aber auch enthalten. Das Interface und die Untertitel können neben Englisch, Französisch und Deutsch auch in Spanisch und Italienisch angezeigt werden, eine Sprachausgabe gibt es dafür allerdings nicht. Die Musik des Spiels kann auf ganzer Höhe überzeugen. Die Stücke sind eindringlich und passen zu den Gebieten oder Situationen. Ein musikalisches Epos ist es natürlich nicht, aber hier wurde ich durchaus positiv überrascht.

Fazit

Outward ist ein untypisches Spiel. Von Rollenspielen sind wir mittlerweile ein gewisses Händehalten gewohnt. Selten trauen sich Entwickler, Schema F zu verlassen und Risiken einzugehen. Nine Dots Studio macht dies. Statt auf überzeugende Dialoge, anspruchsvolle Graphik und Charaktere zu setzen, ist bei Outward die Welt und der Erkundungsdrang des Spielers gefragt. Gepaart mit einem gnadenlosen Kampfsystem, das leicht an die Soulsborne-Spiele erinnert, findet sich hier ein Titel, der einfach anders ist. Leider ist aber nicht alles positiv. Teilweise weist das Spiel seltsame Fehler auf. So war im Charaktereditor plötzlich das Controllerlayout des Xbox-Controllers zu sehen, obwohl das Testexemplar eine PlayStation 4 Kopie ist. Texturen ploppen einfach auf oder werden nicht richtig geladen, leichte Ruckler waren auch zu sehen und Items sind einfach verschwunden. Außerdem kam es anfangs zu mehreren Abstürzen, diese scheinen aber durch die neuen Patches behoben worden zu sein.
Toll ist aber der lokale CoOp-Modus, der allerdings nicht ohne Fehler auskommt. Früher ein Standard, binden heute leider nur noch wenige Entwickler dieses Feature in ihre Spiele ein.

Warum bekommt Outward am Ende also nur ein "Gähn"? Weil das Spiel es über die 40+ Stunden einfach zu schwer macht über vielen Macken und Fehler, die es leider noch hat, hinwegzusehen. Letztlich ist eins klar: Der Titel ist keinesfalls für jeden etwas, aber er wird viele Freunde in seiner Nische finden. Nichtsdestotrotz muss lobend erwähnt werden, was sich die Entwickler hier mit ihrem kleinen Team getraut haben und auch geleistet haben.
Positiv
  • - Erkundung der Welt
  • - Lokaler CoOp-Modus
  • - Kampsystem herausfordernd
Negativ
  • - Recht leere Welt
  • - Einige Bugs
  • - Nicht-zeitgemäße Graphik
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