Test – Psycho-Pass: Mandatory Happiness

Psycho-Pass startete 2012 als Anime im japanischen Fernsehen und überzeugte mich damals mit seiner futuristischen Prämisse. Konnte auch die Visual Novel mich in ihren Bann ziehen?

Inspiriert von Filmen wie Minority Report oder Equilibrium und Büchern von Philip K. Dick, stellte der 2012 erschienene Anime Psycho-Pass eine düstere, gnadenlose Zukunft dar. Zwei Staffeln und einen Film später, zieht 5pbs Mandatory Happiness uns erneut ins futuristische Tokio. Kann der Titel genauso überzeugen wie der Anime?

In einer dystopischen Zukunft ist Japan komplett von der Außenwelt isoliert, woraus sich eine Gesellschaft bildet, die vom Sibyl-System überwacht und monitorisiert wird. Sibyl analysiert die Psyche jedes Menschen und ermittelt durch zwei Faktoren den titelgebenden Psycho-Pass. Dieser setzt sich aus dem Farbton und dem Kriminalitätskoeffizienten einer Person zusammen. Der Farbton zeigt dabei den Stresslevel der Person an, wobei Farben wie hellblau oder pink einen gesunden und stabilen Farbton wiederspiegeln, deuten dunkelgrün oder dunkelblau auf einen sinkenden Psycho-Pass hin.

Der Dominator ist die moderne Pistole und ihr Modus entscheidet sich abhängig vom Psycho-Pass des Kriminellen.

Der Kriminalitätskoeffizient ist dagegen eine numerische Darstellung der Wahrscheinlichkeit, dass eine Person ein Verbrechen begeht. Dabei werden drei Kategorien unterschieden. Alles unter 100 stellt kein Problem dar, ab 100 bis 299 werden betroffene Menschen als latente Kriminelle bezeichnet, was bedeutet, dass sie in Behandlung müssen, und alles über 300 stellt eine Gefahr für die Gesellschaft dar und muss eliminiert werden.

Mit einem kymatischen Scan des Sibyl-Systems kann das MWPSB (Ministry of Welfare’s Public Safety Bureau) – im Prinzip die Polizei – Bürger überprüfen und adäquat handeln. Das PSB setzt sich dabei aus zwei Gruppen zusammen. Den Enforcern und den Inspektoren. Enforcer – wie der spielbare Takuma Tsurugi – sind latente Kriminelle, die besondere Fähigkeiten im Aufspüren anderer Verbrecher besitzen, aber stehts den ranghöheren Inspektoren untergeordnet sind. Inspektoren sind hochrangige Beamte, die stellvertretend für Sibyl Gerechtigkeit ausüben.

Auch aus dem Anime bekannten Charaktere, wie hier Shinya Kogami, sind im Spiel vertreten.

In Mandatory Happiness habt ihr zu Beginn die Möglichkeit zwischen zwei Charakteren, nämlich dem bereits genannten Enforcer Takuma Tsurugi oder der an Amnesie leidenden Inspektorin Nadeshiko Kugatachi zu wählen. Dies ist eine sehr interessante Dynamik, da ihr so beide Standpunkte, also den des ranghohen Inspektors mit freier Entscheidungsgewalt und den des untergebenen Enforcers dargestellt bekommt. In beiden Fällen kommt ihr frisch zum PSB und werdet gleich mit einem schweren und weitreichenden Fall betreut, der euch in die Wasserstadt Sado Marine City schickt. Euer Gegenspieler ist die KI Alpha, die allen Menschen auf seine eigene Art Freude und Zufriedenheit bringen möchte.

Die künstliche Intelligenz Alpha möchte den Menschen Freude bringen. Ob sich das mit dem Sibyl-System vereinen lässt?

Psycho Pass: Mandatory Happiness ist ein Titel, der auch für Neulinge der Reihe gemacht ist, wobei Hintergrundwissen nicht schadet. Die, aus dem Anime bekannten Charaktere und die Welt werden gut vorgestellt. Falls ihr euch von Informationen erschlagen fühlen solltet, könnt ihr in der „Tips“-Sektion des Spiels alles Wichtige nachlesen. Ähnlich wie in Steins;Gate werden dort Begriffe und Personen näher beleuchtet. Für Einsteiger in die Welt von Psycho-Pass oder Kenner, die ihr Wissen nochmal auffrischen müssen, ist dies recht nützlich.

Der Titel ist im Gegensatz zu Spielen wie Zero Time Dilemma oder Ace Attorney eine reine Visual Novel. Ihr lest also die Geschichte und habt an verschiedenen Punkten zwischen zwei und vier Auswahlmöglichkeiten, die sowohl den weiteren Verlauf als auch das Ende beeinflussen. So hatte ich beispielsweise beim ersten Durchspielen ein „Bad Ending“, also mehr oder weniger ein Game Over, habe dann meinen Spielstand neu geladen, bei einer bestimmten Entscheidung anders gewählt und somit ein komplett anderes Ende erreicht. Schade ist aber, dass es fernab der Trophäen keine Übersicht der erreichten Enden gibt. Ein Flowchart wie bei Virtue’s Last Reward hätte es mir einfacher gemacht zu meinen jeweiligen Entscheidungen zu springen und diese zu ändern. So musste ich entweder ein neues Spiel starten oder einen anderen Spielstand laden und per Knopfdruck erstmal den bereits gelesenen Text komplett überspringen.

Etliche Momente im Spiel überlassen euch die Entscheidung.

Es ist immer schwer Visual Novels, bei denen wirklich keine anderen Elemente als die Geschichte und die visuellen Darstellungen vorhanden sind, einwandfrei zu testen. Solche Spiele müssen sich eben alleine auf ihre Geschichte verlassen. Diese ist hier Durchschnitt und kann in keinem Fall mit der phänomenalen Story der ersten Staffel des Anime oder anderen Größen im Genre mithalten. Dies ist schade, da wohl Gen Urobuchi, Drehbuchautor der ersten Staffel von Psycho-Pass, das Projekt mitgeleitet haben soll. Manche Twists sind etwas vorhersehbar – mir war beispielsweise schon nach kurzer Zeit bewusst was die große Wendung bringen wird – und ich war etwas enttäuscht recht zu behalten. Sehr gut gefallen hat mir aber die immer passende tonliche Untermalung. Auch die gezeichneten Standbilder und Charaktere sind hervorragend gezeichnet und die japanische Synchronisation – mit den Originalstimmen des Anime – ist ohne Zweifel spitze. Daher ist Psycho-Pass: Mandatory Happiness kein schlechtes Spiel. Es ist eben eine klassische Visual Novel, ein Genre, das gerade im Westen noch immer nur eine gewisse Nische bedient, und dem Mainstream keinen Spaß bereiten wird.

Alles in allem kann ich den Titel Freunden des Anime und des Visual Novel-Genre aber trotzdem empfehlen, da gerade die interessante dystopische Welt und die beiden neuen Charaktere mich motiviert haben weiterzuspielen und jedes Ende zu sehen.


Getestet wurde die PlayStation Vita Version

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