Test – Rage 2

Nach langen acht Jahren bekommen wir endlich eine Fortsetzung zu Rage. Hat sich das lange Warten gelohnt?

Vorweg: Am Ende des Tests findet ihr ein Gewinnspiel zu Rage 2, das ihr euch nicht entgehen lassen solltet.

Rage 2 überlässt euch zu Beginn die Wahl zwischen Weiblein oder Männlein, etwaige Individualisierungsoptionen der Protagonistin/des Protagonisten Walker stehen aber nicht zur Verfügung. Sobald ihr gewählt habt, werdet ihr dann auch schon in die Action geworfen. Eure Basis wird von Mutanten und dem feindlichen General Cross angegriffen und muss verteidigt werden. Mit einer Pistole bewaffnet macht ihr euch auf, die Gegner zu besiegen. Nach allerlei Kämpfen und Cutscenes sieht es für euch aber schlecht aus. Herbe Verluste haben die Basis geschwächt und noch dazu wurde die Anführerin der Ranger eliminiert. Nun liegt es an euch, die Rüstung der Ranger an euch zu nehmen, zu verbessern und die Mutantenplage auszulöschen. Dafür muss sich Walker an drei Anführer verschiedener Projekte in der Welt wenden und sich deren Hilfe bedienen. So viel zur Story. An sich ist die Geschichte von Rage 2 nämlich relativ belanglos. Aber der Fokus wird im Spiel auch gar nicht auf die Story gesetzt, die ist allenfalls nettes Beiwerk. Rage 2 möchte dem Spieler einfach nur Spaß machen, durch brachiale und schnelle Action, überstilisierte Kämpfe und ein grandioses Gameplay. Und das tut es auch! Die Shootermechanik, gefühlt 1 zu 1 aus Doom übernommen, ist hervorragend und das Beste am Spiel. Kein Kampf wird je langweilig, die vielen Fähigkeiten, Waffen und Gadgets sorgen für ausgefallene Shootouts, die sich selten gleich anfühlen.

Das Design der Gegner ist wie viele Aspekte in Rage 2 komplett überstilisiert, dies aber im positiven Sinne. Wie bereits im ersten Teil ist der übertriebene Punk-Stil mit bunten Farben, vor allem Pink, ein Markenzeichen der Reihe. Bei der Abwechslung der Gegnermodelle hat sich Avalanche aber weniger Mühe gegeben. Eigentlich sieht man die gleichen fünf Typen bei den verschiedenen Fraktionen, also den Banditen und den Mutanten. Diese haben wiederum verschiedene Gegnertypen. So zum Beispiel die armlosen Mutanten mit Jetpacks, welche vom Stil her auch aus Doom (2016) stammen könnten. Zwar finden sich im Spiel auch Bosse, aber nur wenige verschiedene Arten. So gibt es beispielsweise die fahrenden Annihilator in verschiedenen Formen oder riesige Mutanten-Trolle. Erstere können des Öfteren auf den Straßen des Wastelands angetroffen werden. Zwar sind sie schwer zu besiegen, belohnen dafür aber auch mit einer Menge an Erfahrungspunkten.

Ein Aspekt, der vielen verständlicherweise sauer aufstoßen dürfte, ist die Missionsstruktur und vor allem die Länge der Hauptmission. Aber alles nach und nach. Zu Beginn wird Protagonist Walker damit beauftragt, drei Fraktionsanführer aufzusuchen, um mit diesen ein Projekt zu starten, das dabei helfen soll, die Mutanten und deren Anführer General Cross zu besiegen. Nach einer Einführungsmission von allen Dreien muss jeweils der Projekt-Rang auf Stufe 5 erhöht werden, um mit der Hauptmission fortzufahren zu können. Hierbei können die Stufen nur erhöht werden, indem man Nebenaufgaben erfüllt. Allerdings sind das weniger richtige Missionen als kleine Aufgaben, die in der Welt verstreut sind. Das beinhaltet zum Beispiel das Zerstören von feindlichen Außenposten, das Vernichten von Convoys, Aufräumen von Roadblocks oder das Ausräuchern von Mutantennestern aber auch etliches weiteres. Je nach Art der Aufgabe gibt es dann für eine der Fraktionen Erfahrungspunkte und/oder Geld. Wenn man die Schnellreise selten benutzt, sondern die Welt mit dem Vehikel erkundet, sollte sich das nicht negativ auf das Spielvergnügen auswirken. Nutzt man diese jedoch häufig und fährt wenig durch die Welt, wird man schließlich an einem gewissen Punkt nicht umhinkommen, die ganzen Aktivitäten auf der Karte abzugrasen, um die Level der Fraktionen zu erhöhen. Dieser Grind kann sich dann durchaus negativ auf das Spielerlebnis auswirken. Dieser Punkt ist auch eine der größten Schwächen von Rage. Statt einzigartige und innovative Missionen zu kreieren hat sich Avalanche damit begnügt, den Spieler auf eine mehr oder weniger langweilige Jagd nach kleinen Nebenaktivitäten zu schicken. Durch die kurze Hauptmissionsdauer von ca. acht Stunden stößt das durchaus negativ auf. Positiv anmerken möchte ich an dieser Stelle aber, dass die Welt nicht zu überladen wirkt, dennoch genug kleinere Aufgaben für den Spieler zu finden sind, sodass selten das Gefühl von Langeweile aufkommt.

Ein weiterer Aspekt, bei dem sich die Geister scheiden werden, ist die Freiheit bei den Fähigkeiten und Waffen, die euch der Titel lässt. Während wir in den meisten Spielen neue Waffen und Fähigkeiten automatisch im Spielverlauf freischalten, muss man bei Rage 2 erst die Archen finden, auf welche nur von Rangern zugegriffen werden kann. Diese sind jedoch mehrheitlich optional. Im Prinzip könnt ihr den Titel mit drei Waffen und zwei Fähigkeiten durchspielen und das Erkunden der Archen ignorieren. Allerdings macht es durchaus Spaß, die Archen in der Welt zu suchen oder in den Städten von bestimmten NPCs Informationen zu ihnen zu erhalten. Diese Offenheit wird jedoch nicht jedem Spieler gefallen. Ich für meinen Teil habe die Archen dann gemacht, wann ich Lust hatte und war erfreut darüber, dass mich der Titel nicht ständig zwang, von meiner Mission abzuweichen oder etwas zu machen, worauf ich nun keine Lust habe.

Waffen und Fähigkeiten können, wie auch Gadgets, im Spielverlauf verbessert werden. Dafür benötigt ihr hauptsächlich Feltrite, was sich in der Welt genügend findet. Außerdem geben euch die drei Fraktionsführer sogenannte Projekte, in welche ihr mit Punkten investieren könnt und etliche nützliche Fähigkeiten freischalten könnt. Manche davon sind eher für die Erkundung gedacht, andere wiederum für den Kampf.

Der für mich mit Abstand nervigste Faktor in Rage 2 ist und bleibt aber das Spielmenü. Wer Chrono Trigger mal auf der PlayStation 1 gespielt hat, wird es hier wahrscheinlich mit starken PTSD-Anfällen (die Krankheit soll hier natürlich in keinster Weise belustigend dargestellt werden) zu tun bekommen. Greift man auf das Menü zu, dauert es mindestens ein bis zwei Sekunden, bis es sich geöffnet hat. Auch im Menü nimmt die Steuerung durch die Unterkategorien immer eine gewisse Zeit auf sich, die zu lange ist. Man könnte fast denken, dass es sich hierbei um einen Input-Lag handelt. Gerade im Kontrast zum schnellen Gameplay, wirkt das langsame, undurchdachte Menü komplett fehl am Platz. Hier muss Avalance dringend mit einem Patch nachbessern.

Dass Rage 2 die Gamer-Gemeinde spaltet, war in den letzten Wochen unschwer zu erkennen.
Daher als Vergleich hier der Eindruck von Redakteur Jan:

Als Shooter, also wenn es ums ballern geht, ist Rage 2 wirklich gut. Sehr gut. Extrem gut. Das ist wichtig im Auge zu behalten, denn leider hat Rage 2 in so ziemlich jedem anderen Aspekt auffällige Probleme und Schwächen. Selten wirklich fatal, aber so häufig, dass es stört. Der am ehesten zu übersehende Aspekt ist die schwache Story, überschattet durch das Anarcho- Punk Marketing des Spiels, das der Praxis nicht gerecht wird. Stattdessen spielt man einen genetischen Übermenschen einer isoliert xenophoben Gesellschaft, der die fürchterlichen schrecklichen “Freaks” erschießt und gegen die einzige Fraktion, die noch unverblümter von faschistischen Herrschafts-Fantasien träumt. Der Look und das Feeling von Spielen wie Borderlands oder Mad Max ist bestenfalls vage angedeutet.

Aber der Shooter Aspekt ist wirklich gut.

Wo wir schon bei Mad Max sind, Rage 2 fühlt sich hier teilweise wie ein Downgrade des ebenfalls von Avalanche entwickelten Open World Titels an. Die einstmals exzellent aufregenden Vehikel-Kämpfe gegen Konvois und anderen Rasern ist hier ein recht langweiliges gedrückt halten der eingebauten Bewaffnung der Fahrzeuge, von denen nur das mitunter langweiligste Vehikel vom Spieler mit Upgrades versehen werden darf. Und auch wenn die Spielwelt ein bisschen weniger leer daherkommt, ist sie gleichzeitig auch generischer und lässt die pittoresk einsamen Momente auf scheinbar endlosen Wüstendünen und spektakuläre Ereignisse wie die verheerenden Sandstürme vermissen.

Aber der Shooter Aspekt ist wirklich gut.

Dazu ist noch die Hauptstory ziemlich kurz und die Nebenmissionen zahlreich, aber auch recht eintönig und oft von fragwürdiger Bedeutung. Zwar soll in den kommenden Monaten Rage 2 mit mehr Content versorgt werden, vieles davon gratis, aber da hätte Entwickler Avalanche lieber noch ein paar Monate warten sollen und das Ganze dann als Komplettpaket veröffentlichen sollen. In Sachen Leveldesign ist das Spiel fürchterlich unausgeglichen. Ständig Loot Kisten suchen macht keinen Spaß, vor allem weil es unnötig umständlich ist, diese aus einer stehenden Position aufzubrechen. Klingt wie eine Kleinigkeit, hat aber nie aufgehört zu nerven. Und so weiter.

Aber der Shooter Aspekt ist wirklich gut.

Man sieht worauf ich hinaus will. Es gibt sehr viel, zu viel was ich an Rage 2 zu kritisieren habe, aber der innerste Kern des Spiels ist wirklich gut gelungen, nicht zuletzt dank exzellenter Gegneranimationen und der vielleicht weltbesten Schrottflinte, die man in einem First Person Shooter findet. Und hübsch aussehen tut es zumeist auch. Unterm Strich kommt ein Spiel raus, das viel Spaß macht, wenn es nicht gerade frustet. Doch gleichermaßen sehe ich hier ein Spiel mit Ansätzen zur Genialität, die von vielen Mängeln heruntergezogen wird zu etwas was dann doch eher besser ist, als es das vermutlich verdient hätte.

Letztlich haben wir für euch noch ein kleines Gewinnspiel:

Zur Feier des Tages (entweder das Entfernen von Denuvo aus der Steam-Fassung oder die Ankündigung des ersten großen Patches für Juni) wollen wir euch die sonnigen Tage mit einem Gewinnspiel noch mehr aufhellen:
Unter allen Kommentaren unter unserem RAGE 2 Test verlosen wir das fabulöse pinke RAGE 2 Shirt und ein Set der Aufkleber von Publisher Bethesda. Im Gegensatz zum Open World Part des neuen Shooters von Avalanche und id Software werden wir uns nicht wiederholen: holt euch diesen saftigen Preis und erfreut euch an der ikonischen Farbe! Denn nichts kann geiler sein, als ein RAGE 2 Shirt zu tragen und RAGE 2 zu spielen… Gleichzeitig! Und gleichzeitig die wunderbar angebrachten Aufkleber in der näheren Umgebung des PCs zu betrachten!

Fazit

Am meisten hervorstechen kann Rage 2 mit seinem schnellen und herausragenden Gameplay, welches ohne Zweifel von Doom inspiriert ist. Das Zielen und Schießen geht schnell und einfach von der Hand und macht einfach Spaß. Etwas lästig war für mich anfangs die Steuerung mit dem Controller, da die Tastenbelegung nicht komplett angepasst werden kann. Nach einer kurzen Eingewöhnungszeit stellte aber auch dies kein Problem mehr da. Die Kämpfe werden nie langweilig und könnten gerne noch vielzähliger sein.
Allerdings muss sich der Titel auch Kritik aufgrund der teils sehr leeren Welt gefallen lassen. Zwar gibt es viele Aufgaben zu erledigen, aber irgendwann wird dies sehr repetitiv. Hier hilft auch nicht, dass die Fahrmechanik relativ schlecht ist. Die langen Wege müssen aber irgendwie überwunden werden und hier hilft ein Vehikel am besten.
Wer sich für rund 8-12 Stunden, je nach Spielart, exzessive Action und super Shooter-Gameplay erleben möchte, ist bei Rage 2 sehr gut aufgehoben. Eine ausgefallene Story oder gute Missionen kann man leider nicht erwarten. Bei einem Preis von rund 60€ für die Konsolenversionen muss jeder selbst entscheiden, ob es dies wert ist.
Positiv
  • Toller Shooter
  • Fantastisches Design
Negativ
  • Schlechte Geschichte
  • Wenig Abwechslung bei den Missionen
  • Schwache Missionsstruktur
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Kommentare
Mevlüt Kirmaz 7. Juni 2019 um 21:58 Uhr

Ich werd mir das game trotzdem holen, auch wenn es eine schlechte Story hat. Solche Games wie Rage oder Saints Row mag Ich sehr. Halt so unrealistische verrückte sachen.

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