Rei-Jin-G-Lu-P (レイジングループ), entwickelt vom Studio KEMCO, erschien bereits 2015 in Japan für Mobilgeräte mit Android- und iOS-Software. 2017 folgte dann der Sprung auf PlayStation 4, Nintendo Switch, PlayStation Vita und den PC. Vier Jahre nach dem ersten Release erschien Raging Loop, wie es im Westen heißt, am 18. Oktober in Europa für PlayStation 4 und Nintendo Switch über Publisher PQube. Die PC-Fassung wird wenige Wochen später, am 5. Dezember, für Steam veröffentlicht. Eine Vita-Fassung wurde leider nicht angekündigt.

Die Geschichte dreht sich um den Studenten Fusaishi Haruaki, der in den Bergen Japans mit seinem Motorrad unterwegs ist. Wie es der Zufall will, wird das Motorrad beschädigt und er sucht in einem kleinem, ländlichen Dorf namens Yasumizu Schutz. Die wenigen Einwohner sind ihm, bis auf eine, allesamt eher feindlich gesinnt, da sie mit Außenseitern nichts zu tun haben möchten. Dennoch gelingt es dem jungen Japaner an Werkzeug zu kommen, um sein Gefährt zu reparieren. Dies nimmt aber ungewollt länger als einen Tag in Anspruch, sehr zum Missfallen der Einwohner. Am Abend erscheint schließlich ein mysteriöser, dichter Nebel in der Stadt und die Hölle bricht los. Jeder versteckt sich in seinem Haus und verschließt die Tür. Haruaki muss sich in einer Toilette verstecken, da es keinen anderen Ort für ihn gibt. Obwohl ihm gesagt wurde, die Toilette nicht zu verlassen, tut er dies, als er draußen Schreie hört. Neben einer zerfetzen Leiche findet er außerdem ein großes wolf-artiges Monstrum, das ihn kurzerhand tötet.

Haruaki trifft auf das Monster, das ihn töten wird.

Hier ist die Geschichte aber nicht zu Ende. Zwar wird der Spieler mit einem Game Over Screen begrüßt, allerdings erfahren wir dann, dass sich der Protagonist in einer Art Zeitschleife befindet. Groundhog Day lässt grüßen. Kurzerhand fährt Haruaki also wieder mit seinem Motorrad die Bergstraße entlang und hat erneut einen Unfall. Die Geschehnisse, die ihn schließlich in die Toilette zwingen, sind die gleichen. Nachdem er dieses Mal aber die Schreie hört, erinnert er sich, dass er beim letzten Mal getötet wurde. Zwar versteht er nicht ganz, wie es sein kann, dass er beim „letzten Mal“ getötet wurde, dennoch entschließt er sich, sein Versteck nicht zu verlassen, was ihn bis zum Morgen überleben lässt. Im Dorf werden schnell zwei Leichen gefunden und von den Bewohnern erfährt er, dass dies durch übernatürliche Geschehnisse passiert sei. Zwar hat Haruaki Erinnerungen von dem, was ihm das letzte Mal passiert ist, allerdings erinnert er sich nicht an alles.

Immer wenn der Nebel das Dorf umschließt, müssen sich die Einwohner des Dorfes in ihren Häusern einschließen, sich reinigen und schlafen legen. Dies erlaubt es ihnen, bis zum nächsten Tag zu überleben. Wer diese Regeln missachtet und sich nach draußen begibt, wird von der „Korruption“ getötet. Dazu kommen noch Wölfe, die jede Nacht einen der Dorfbewohner ermorden. Daher muss jeden Abend das „Feast of the Yomi Purge“ stattfinden. Dieses Ritual dient dazu, die Gottheit des Berges, Shinnai-sama, zu besänftigen. Dort entscheiden die Dorfbewohner, wen der anderen sie hängen wollen. Da Haruaki allerdings nur ein Außenseiter und kein Dorfbewohner ist, darf er am Gelage nicht teilnehmen. Während unser Protagonist die Informationen, die dort mitgeteilt werden, von einer ihm wohlgesonnenen Dorfbewohnerin bekommt, erhalten wir als Leser der Visual Novel dennoch einen Einblick in die Geschehnisse während des Rituals.

Eine der Entscheidungen während des Gelages.

Während der Nebel im Dorf weilt, wird dieses von Wölfen infiltriert, die die Aufgabe haben, die restlichen menschlichen Dorfbewohner zu töten. Sie übernehmen dabei die Körper von maximal drei, aber mindesten einem Dorfbewohner. Die Anzahl der Wölfe findet sich anhand von Symbolen auf einem großen Felsen nach der ersten Nacht. Neben den Wölfen gibt es außerdem vier Schutzheilige, die den Menschen zur Hilfe stehen und ihren Segen an je einen der Dorfbewohner geben. Diese sind die Schlange, die Spinne, die Affen und die Krähe. Jeder dieser Wächter hat eine bestimmte Funktion, die den Menschen dabei helfen, die Wölfe ausfindig zu machen und sie zu hängen.

Die Schlange hat die Fähigkeit, jede Nacht herauszufinden, ob eine Person ein Wolf oder ein Mensch ist. Mit der Fähigkeit der Spinne lässt sich eine Person pro Nacht vor den Wölfen beschützen. Die beiden Affen kennen sich gegenseitig und wissen voneinander, dass sie keine Wölfe sind. Letztlich gibt es noch die Krähe. Diese kann herausfinden, ob der oder die Gehängte ein Wolf oder Mensch waren.

Seltsame Wesen finden sich in Yasumizu.

So ist es also die Aufgabe der Menschen, die Wölfe ausfindig zu machen, um diese zu töten und schließlich zu überleben. Die Wölfe hingegen versuchen, die Menschen zu töten und während des Gelages nicht auf sich aufmerksam zu machen.

Wer Werwolf oder Mafia kennt, dem wird dieses System vertraut vorkommen, da Raging Loop auf ebenjenem Spiel basiert. Obwohl man als Spieler während des Rituals selbst nur manchmal Entscheidungen treffen kann, ist es jederzeit so gut geschrieben, dass man dies dem Titel schnell verzeiht. Die Kommunikation zwischen den Leuten, das Misstrauen und die Verzweiflung, geliebte Menschen hängen zu müssen, wird überzeugend beschrieben. Dabei hilft es auch, dass Fusaishi Haruaki ein sehr gut geschriebener und intelligenter Protagonist ist, der jederzeit nachvollziehbare und logische Entscheidungen trifft, die man selbst in dieser Situation vermutlich auch treffen würde. Seine inneren Monologe sind vortrefflich geschrieben und erlaubten es mir, mich sehr gut in ihn hineinzuversetzen. Während wir in Filmen oder anderen Spielen oftmals mit dämlich handelnden Hauptcharakteren konfrontiert werden, ist Haruaki einfach eine sehr angenehme Abwechslung.

Die junge Dame ist anfangs Haruakis einzige Verbündete in dem Dorf.

Da das Spiel auf Entscheidungen setzt, wie beispielsweise am Anfang, als Haruaki entscheiden muss, ob er in der Toilette bleibt oder nicht, bietet euch der Titel auch eine Flowchart an, mithilfe welcher man an etliche Punkte in der Geschichte springen kann. Entweder springt man an die Anfänge der vielen Kapitel oder an einen Abschnitt mittendrin. Die Flowchart zu benutzen ist übrigens unabdingbar, da an gewissen Punkten im Spiel Entscheidungen mit Schlössern versehen sind und erst geöffnet werden können, wenn man die passenden Schlüssel gesammelt hat, die man in anderen Routen bekommen hat. Um noch einmal zur Toilettenszene zurückzukommen: Beim ersten Spielen habt ihr lediglich die Möglichkeit, die Geschehnisse außerhalb des Raumes zu erkunden. Nachdem ihr schließlich die Begegnung mit dem Monster gemacht habt und den Game Over-Screen gesehen habt, schaltet ihr einen Schlüssel frei. Dieser erlaubt es euch dann, an der gleichen Stelle eine andere Entscheidung zu treffen, im spezifischen Fall in der Toilette zu bleiben. Schlüssel schaltet ihr also generell eher durch schlechte Enden frei. Dies erlaubt euch dann, an anderen Orten bessere Entscheidungen zu treffen. Hierbei entsteht ein Gefühl der Freiheit, das allerdings reine Illusion ist. Obwohl es ganze 20 dieser Schlüssel gibt, schaltet man sie nach und nach frei, um sie mehr oder weniger direkt im Anschluss für eine andere Route zu benutzen. Das bedeutet, dass die Geschichte gänzlich linear abläuft. Was im ersten Moment zwar negativ klingt, passt aber hervorragend zum Spielfluss und der Geschichte.

Habt ihr den korrekten Schlüssel, könnt ihr eine andere Entscheidung treffen.

Da das Spiel ursprünglich für Mobilgeräte entwickelt wurde, sind die Grafiken dementsprechend reduziert. Zwar scheint es so, als ob die Grafiken während der Portierung in eine höhere Auflösung gebracht wurden, mehr allerdings nicht. Durch die ursprünglich begrenzten Möglichkeiten sind auch die Hintergründe sehr simpel. Während man die Geschichte liest, sind lediglich stille Hintergründe und die Charaktermodelle zu sehen. Es hilft dabei aber wiederum, dass die Geschichte so gut und ausführlich geschrieben ist und Vorkommnisse jederzeit detailliert dargestellt werden, dass man sich sehr gut vorstellen kann, wie die Umgebung ausschaut und was genau passiert.

Zur Soundkulisse lässt sich sagen, dass das gesamte Spiel in japanischer Sprache vertont ist. Lesen werdet ihr währenddessen englische Texte. Eine deutsche Fassung gibt es bisher nicht. Die englische Lokalisation ist aber hervorragend gelungen und hat nur wenige Schreibfehler, wie das Fehlen eines Buchstabens. Bei einer so großen Masse an Text ist dies aber verschmerzbar. Neben der Vertonung hat das Spiel auch Hintergrundmusik. Diese ist zwar gut, aber auf Dauer sehr monoton, da man während vielen Passagen lange die gleiche Musik hört.

Sobald ihr das wahre Ende des Spieles abgeschlossen habt, schaltet ihr den Revelation-Modus frei. Im optionalen Bonus-Modus werden in den meisten Szenen die Gedanken der Leute, mit denen Haruaki spricht, zu sehen sein und einen besseren Einblick in deren Motivation geben. Außerdem werden dort auch Geschehnisse erörtert, die man im normalen Hauptspiel nicht direkt nachvollziehen konnte. Wer sich also im Hauptspiel gewundert hat, warum gewisse Personen agieren wie sie dies tun, kann in diesem Modus vielleicht seine Antworten finden. Die sehr gute Skip-Funktion hilft euch dann dabei nur an die relevanten Stellen zu springen, um das bereits gelesene zu ignorieren. Außerdem werden auch eine Galerie sowie ein Extra-Modus freigeschaltet. Der Extra-Modus bietet fünf kleinere Geschichten mit verschiedene Themen. Von diesen habe ich bisher zwar nur die erste gelesen, allerdings sind auch diese gut geschrieben. Letztlich finden sich auch in der Flowchart noch zwei versteckte Enden, die ich allerdings nur mithilfe einer Guide finden konnte, da sie ziemlich gut versteckt sind. Alles in allem kommt man bei Raging Loop auf eine ordentliche Spielzeit. Für die Hauptgeschichte habe ich schätzungsweise zwischen 30 und 35 Stunden gebraucht. Geht man die Geschichte nochmal mit dem Revelation-Modus durch und liest die Kurzgeschichten, kommen hier sicher noch einige weitere Stunden hinzu.

ÜBERBLICK DER REZENSIONEN
Story
10
Grafik/Stil
6
Soundkulisse
7
Spieldauer
10
Lucas Rau
Fan von japanischen Rollenspielen sowie Adventures, gelegentlicher Pen & Paper-Spieler und ein Spitzenkoch.

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