Test – Samurai Warriors 4 Empires

So ziemlich jeder hat ein paar Titel, die ihn letztlich dazu bewegen, Konsole X oder […]

So ziemlich jeder hat ein paar Titel, die ihn letztlich dazu bewegen, Konsole X oder Konsole Y zu kaufen. Spätestens nach der Präsentation von Samurai Warriors 4, welches einen riesigen Schritt nach vorne markierte, stand für mich vor anderthalb Jahren fest, dass nun auch Sonys PlayStation 4 auf jeden Fall Teil meiner Spielesammlung werden soll.  Lang genug war die Wartezeit für Fans im Westen, denn von den zahlreichen Titeln der dritten Generation erschienen hierzulande lediglich nur zwei. Glücklicherweise hat sich die Lokalisierungsfreude von KOEI Tecmo zum Positiven gewandelt und so steht mit Samurai Warriors 4 Empires zum ersten Mal seit 2007 wieder ein Sengoku-Titel aus der beliebten Subserie bei uns im Regal. Doch wie gut ist der Titel nun wirklich? Wir haben ihn für euch auf Herz und Nieren geprüft.

Soviel gleich vorweg: bei der Empires-Subserie handelt es sich um einen sehr beliebte Sandbox-Hybriden aus Strategie, RPG und Hack ‘n’ Slash-Action, der dem Spieler erlaubt, seine eigenen Szenarien zu erstellen und zu spielen. Das ganze Spiel folgt damit allerhöchstens lose den Ereignissen aus der Sengoku-Ära (etwa 1467 – 1603), in der zahlreiche japanische Feudalherrscher, die sogenannten Daimyou, um die Vorherrschaft kämpften. In beiden Spielmodi, dem Conquest- und Genesis-Modus, kann man einen von über 50 historischen Daimyou spielen oder seinem selbst erstellten Helden die Clan-Führung überlassen. Während man im Conquest-Modus bereits vorgefertigte Grenzen und Siegesbedingungen aus sechs Szenarien hat, wie zum Beispiel der berühmten Schlacht von Segigahara (1600), bekommt man im Genesis-Modus die Möglichkeit, völlig frei Clans auf der Karte zu verteilen. Im Gegensatz zum letzen Empires-Titel, Dynasty Warriors 8 Empires, wurden leider der Free Mode, der nur aus schnellen Schlachten ohne viel Planung besteht, als auch Online Play entfernt, dafür wird aber an anderen Stellen mehr Content geboten. Des Weiteren besteht die Möglichkeit, die historischen Tode der Offiziere zu deaktivieren und den Zugriff auf bestimmte Inhalte, die man bereits in einem vorherigen Spiel freigeschaltet hat, zu aktivieren.

Selbstverständlich ist der komplette Cast aus Samurai Warriors 4 dabei.

Der Spielverlauf ist in einzelne Jahreszeiten unterteilt, die jeweils eine Politik- und eine Kampf-Phase enthalten. Sobald man seinen Clan ausgewählt hat, bekommt man seine eigene kleine Burg, in dem sich der Daimyou und seine Offiziere aufhalten. Zu Beginn gilt es zunächst einmal, einen Stab an Offizieren für das folgende Jahr den einzelnen Magistraten zuzuweisen, was jede Runde einen gewissen Bonus auf die Einkünfte mit sich bringt. Zu Beginn stehen nur Magistrate für Personal, Militär und Infrastruktur zur Verfügung, doch wer seine Burg weiter ausbaut, bekommt außerdem noch Zugriff auf Diplomatie- und Strategie-Räte. Die letzte wichtige Position, der Stratege, kann ebenfalls vergeben werden und sorgt in allen Bereichen für Boni. Neben dem passiven Einfluss auf die Rekrutierung neuer Soldaten, dem Ausbau von Reisfeldern und Geschäftsbezirken und weiteren Gebieten, besteht die Hauptaufgabe der Magister darin, bestimmte Politiken vorzuschlagen. Diese umfassen zum Beispiel neue Taktiken, die Rekrutierung neuer Offiziere oder Bündnisse mit anderen Clans. Abhängig von dem gesammelten Ruhm kann man die Vorschläge von einem oder mehreren Magistern annehmen, allerdings kann man auch als Daimyou selbst natürlich auch andere Politiken verfolgen. Alles in allem ist das neue System mit Magistern und den Politiken sehr schlüssig und übersichtlich gestaltet und man merkt, dass bei der Vielzahl an Möglichkeiten Wert darauf gelegt wurde, eine Art Nobunaga’s Ambition “light” zu bieten, welches wir bereits vergangenes Jahr getestet haben.

Mit dem intuitiven Magister-System trifft man bequem strategische Entscheidungen.

Die meisten Zeit wird man aber dennoch ganz Warriors-typisch auf dem Schlachtfeld verbringen. In der Kampfphase erhält man die Möglichkeit eine benachbarte Provinz zu erobern oder sich vor eventuell angreifenden Gegnern zu verteidigen. In jede Schlacht kann man bis zu zehn (kostenpflichtige) Offiziere mitnehmen, von denen jeweils acht von Beginn an mitkämpfen und zwei auf der Reservebank sitzen können. Ebenfalls wichtig ist jedoch auch die Truppenstärke, denn jeder Offizier kann eine bestimmte Menge an Soldaten mit sich führen. Diese kosten Unterhalt in Abhängigkeit des Zeitlimits in Form von Reis und so sind neunminütige Schlachten entsprechend günstiger als solche, die sich über eine Viertelstunde erstrecken. Aber Obacht: Schafft man es nicht in dieser Zeit, die gegnerische Basis einzunehmen oder den Kommandanten zu erledigen, gilt die Schlacht als verloren. Noch bevor es losgeht, kann man außerdem noch Taktiken auswählen, deren Kosten nicht den eigenen Strategiewert überschreiten dürfen. Hierzu gibt es zum einen eine Basic Tactic, die die ganze Schlacht aktiv bleibt, und zwei Executable Tactics, die man auf Bedarf aktivieren kann. Außerdem kann man die Positionen der Offiziere verändern und eine Startformation festlegen, die für begrenzte Zeit zahlreiche Boni bieten, jedoch nach einem Schere-Stein-Papier gekontert werden kann.

In beiden Spielmodi kann man solange spielen, bis man ganz Japan unter seinem Banner vereinigt hat.

Sind die Vorbereitungen abgeschlossen, wird wahlweise allein oder im lokalen Multiplayer mit einem Freund gekämpft. Auf dem Schlachtfeld selbst läuft es ähnlich wie in so ziemlich jedem Warriors-Titel der letzten 15 Jahre ab. Die eigenen Offiziere versuchen, nach und nach die gegnerischen Basen einzunehmen, indem sie die dort ansässigen Truppen bezwingen. Sobald die Moral-Leiste auf Null gesunken ist, gehört einem diese Basis und man kann sich den weiteren Weg zum gegnerischen Hauptquartier bahnen. Ebenso altbekannt sind die Grundzüge der Steuerung: auf Quadrat führt man einen leichten, auf Dreieck einen schweren und auf der Kreis-Taste einen sogenannten Musou-Angriff aus, wenn man genug Energie angesammelt hat. Jeder historische Offizier bietet hierbei ein eigenes Moveset mit zahlreichen Combo-Möglichkeiten, das auch die selbst erstellten Charaktere “erben” können. Natürlich haben über die Jahre noch zahlreiche Zusätze Einzug in das Repertoire gefunden und so sind auch bei Samurai 4 Empires pfeilschnelle Hyper Attacks, besonders mächtige True und Multi Musou Attacks oder auch gut getimte Paraden möglich, wodurch auch die Kämpfe selbst sehr interessant und abwechslungsreich gestaltet sind.

Am altbewährten Musou-Gameplay hat sich im Vergleich zu Samurai Warriors 4-II nur wenig geändert.

Zu guter Letzt gibt es außerdem noch einen leichten Rollenspiel-Aspekt: Ist die Schlacht letztlich geschlagen, erhält die siegreiche Partei Erfahrungspunkte und so können häufig verwendete Offiziere mit der Zeit immer weiter aufsteigen. Außerdem hat man die Möglichkeit, bezwungene Offiziere auf die eigene Seite zu ziehen und so können aus ehemaligen Feinden letztlich Freunde oder Rivalen werden. Setzt man Offiziere in das gleiche Magistrat oder kämpfen sie häufig zusammen, können sich mit der Zeit besondere Beziehungen untereinander entwickeln. Hierdurch bekommt man unter anderem Zugriff auch zusätzliche Nebenmissionen, neue Waffen oder auch die Möglichkeit, den Offizier während der Schlacht zu wechseln. An vielen Stellen werden die Geschehnisse zwischen Offizieren, ob historisch oder an das Szenario angepasst, mit kleinen Erzählsequenzen ergänzt, die die zwischenmenschlichen Beziehungen stärker beleuchten. Diese sind, wie alles im Spiel, auf japanisch vertont.

Auch “unmögliche” Teams sind in Empires kein Problem.

Den besonderen Reiz, der aus der Empires-Subserie erwachsen ist, ist selbstverständlich die Möglichkeit, einen eigenen Charakter (männlich oder weiblich) zu erstellen. Mit diesem Tool ist bereits eine Vielzahl an kleineren Offizieren von den Entwicklern vorgefertigt worden, doch auch der Spieler selbst hat die Möglichkeit, kreativ zu werden. Neben Wappen und Musou-Symbolen per USB können auch erstellte Offiziere aus Samurai Warriors 4 beziehungsweise 4-II importiert werden. Neben Namen und Aussehen der Charaktere legt man außerdem die Entwicklung beim Leveln fest, seine Verwandschaft und die Waffengattung. Leider gibt es hier nicht mehr wie bei Dynasty Warriors 8 Empires die Möglichkeit, in einem kurzen Trainingsgeplänkel eine Waffe auszuprobieren. Alles in allem ist der Baukasten aber durchaus umfangreich und es gibt zahlreiche Möglichkeiten, seinen eigenen Clan aus dem Boden zu stampfen. Auch die Burg kann personalisiert werden, etwa durch neue Tapeten oder Banner, und im Wechsel der Jahreszeiten ändert sich auch der Look der Umgebung.

Dank des intuitiven Charaktereditors kann man schnell neue Offiziere erstellen und verwenden, leider fehlt jedoch eine Option sie vorher auszuprobieren.

Wie bereits mehrfach angesprochen, fehlen leider einige Aspekte aus Dynasty Warriors 8 Empires, allerdings ist der Content dafür an vielen Stellen deutlich umfangreicher. So wurde zum Beispiel die Anzahl an Provinzen auf der Karte von 20 auf 40 verdoppelt, was in einer längeren Dauer der Partie und einem größeren Stellenwert der Strategie- und Rollenspiel-Element resultiert. Außerdem sind die einzelnen Schlachtfelder nun umfangreicher, abwechslungsreicher und verfügen über mehr Details. Auch die Anzahl an einzelnen Clans und vorgefertigter Offiziere wurde merklich erhöht sowie die Möglichkeiten an taktischen Optionen und Politiken, die nun zu großen Teilen noch von den Magistern selbst abhängen. Alles in allem hat man sich also darauf besonnen, was man am besten kann und die meisten Features, die fehlen, sollte man vielleicht eher als Ballast sehen. Optisch nutzt der Titel die Möglichkeiten der PlayStation 4 ziemlich gut aus. Das Spiel ist flott, ruckelt nicht und ist vollgeladen mit Effekten. So kämpft man häufig zwischen dutzenden Fußsoldaten mit vier gegen vier Offizieren während nebenher Wachtürme einstürzen und Spezialeinheiten wie Ninjas gegen Gewehrschützen antreten. Auch vom Sounddesign her kann man nicht meckern, denn die Stimmen sind allesamt überzeugend vertont und auch die Musik ist abwechslungsreich und passt sehr gut zum Geschehen.

Auf der PlayStation 4 macht der Titel auch optisch einiges her.

Fazit

Nach einigen Partien mit Samurai Warriors 4 Empires, würde ich sagen, dass sich die Hoffnungen, die viele Fans hatten, erfüllt haben. Das Spiel verbindet die drei Kernaspekte sehr gut miteinander und findet die richtige Balance aus Strategie und Action. Natürlich ist der Grundgedanke hinter den Empires-Titeln, dass der Spieler sich selbst seine eigenen Abenteuer schreibt, anstatt vom Spiel welche vorgeschrieben zu bekommen. Der Mangel an Story ist wohl besonders für Serien-Neulinge etwas ernüchternd, aber glücklicherweise kann man kleine Biografien zu historischen Offizieren freischalten.  Selbst wer bisher mit Samurai Warriors-Spielen nichts anzufangen wusste, könnte hier einen guten Startpunkt finden. Mit der Inszenierung und den dutzenden Spielstunden, die man hier investieren kann, ist es definitiv ein sehr guter Eintrag in der Serie, und man darf gespannt sein, wohin KOEIs beziehungsweise Omega Forces Weg noch führen wird.

Samurai Warriors 4 Empires ist für die PlayStation 4 auf Blu-ray und als Download verfügbar. Für Besitzer einer PlayStation 3 oder Vita gibt es nur die Option, das Spiel über den PlayStation Store zu kaufen, außerdem wird Cross Save, jedoch nicht Cross Buy, unterstüzt. Wer vorab ein wenig mehr über die Serie erfahren will, dem sei der Anime zu Samurai Warriors 4 ans Herz gelegt, der bei Crunchyroll verfügbar ist.

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