Test – Star Wars Battlefront

Einleitung: Zuallererst möchte ich euch mitteilen, dass ich wirklich ein riesiger Star Wars-Fan bin. Ich […]

Einleitung: Zuallererst möchte ich euch mitteilen, dass ich wirklich ein riesiger Star Wars-Fan bin. Ich kenne mich zwar nicht so gut im Extended Universe aus, dennoch würde ich sagen, dass ich mit vielen Feinheiten des Franchises vertraut bin. Daher kann ich nicht ganz unbefangen in diesen Test starten, dennoch versuche ich, so objektiv wie möglich zu bleiben.

Es war einmal vor langer Zeit in einer weit, weit entfernten Galaxis…

Als es hieß, dass der US-amerikanische Publisher Electronic Arts und das schwedische Entwicklerstudio DICE ein Reboot der Star Wars Battlefront-Reihe in Angriff nehmen, war der Aufschrei natürlich wie immer laut. Sofort kamen Community-interne Gerüchte zu Mikrotransaktionen, gekürztem Inhalt, der als DLC nachgereicht wird und mehr auf. Als EA dann eine offene Beta für alle belieferten Plattformen (PC, Xbox One und PlayStation 4) ankündigte, haben sich die Wogen zwar etwas geglättet, aber der fade Beigeschmack der Vergangenheit war immer noch zu schmecken. Ob EA aus der negativen Vergangenheit lernte und ob Star Wars Battlefront wirklich die Offenbarung ist, für die Electronic Arts sie hält, will ich euch in diesem Test zeigen.

Keine Kampagne

Kommen wir doch gleich mal zum negativsten Punkt, den Star Wars Battlefront zu bieten, beziehungsweise eben nicht zu bieten, hat, und zwar eine Kampagne. Weder Solo noch im Koop wird es den Fans und Käufern gestattet, einer Geschichte zu folgen. Laut EA wollen Spieler keine Kampagne. Ob diese These von Titeln wie Battlefield oder Call of Duty herrührt, ist nicht bekannt. Das Problem ist einfach, dass Spieler auf Xbox One und PlayStation 4 dazu gezwungen werden, die plattformspezifischen Onlinegebühren für PlayStation Plus oder Xbox Live Gold zu entrichten. Ist dies nicht der Fall, ist das Spiel schon ziemlich limitiert und bietet keinen hohen Wiederspielwert. PC-Gamer haben es da natürlich etwas besser, denn hier fallen keine Gebühren fürs Multiplayer-Match an. Dennoch müssen auch sie auf eine Story verzichten. Das Spiel wurde so konzipiert, dass Fans ihren Phantasien rund um die alte Star Wars-Trilogie frönen können. Dabei wurde natürlich speziell Wert auf Schlachten wie Hoth oder Endor gelegt. DICE hat aber auch in enger Zusammenarbeit mit Disney beziehungsweise Lucasfilm einem Planeten des Extended Universe ein neues Gesicht gegeben: Die Rede ist natürlich von Sullust. Dieser wurde vor allem durch die Tundra Islands inspiriert und ist ebenfalls eine der insgesamt dreizehn Maps in Star Wars Battlefront.

Spielmodi

Auch wenn DICE von Anfang an sagte, dass man kein Battlefield im Star Wars-Skin verkaufen wolle, kann man das ausführende Studio nicht leugnen. An vielen Ecken merkt man einfach, dass Star Wars Battlefront ein DICE-Game ist. So unter anderem auch an den verschiedenen Spielmodi. Allein die Größe der Maps oder die Anzahl an echten Spielern auf dem Schlachtfeld sprechen eine deutliche Sprache und haben einen DICE-Stempel auf der imaginären Stirn.

Bei den insgesamt neun Mehrspielermodi ist für jeden was dabei: natürlich auch Klassiker wie Capture the Flag (Fracht), Team-Deathmatch (Gefecht), Eroberung (Vorherrschaft) und mehr. Hier gibt es auch einen speziellen Modus, in dem ihr direkt zu Anfang als einer der sechs Helden beziehungsweise Schurken an den Start geht. Mit dem Modus „Jägerstaffel“ betritt DICE aber neues Terrain. Hier stehen Dogfights zwischen X-Wings, Tie-Fightern und anderen Jägern im Vordergrund. Wer also mal keine Lust hat, sich ins Getümmel auf Planetenoberflächen zu stürzen, kann hier in die Luft gehen. Dieser Modus ist auch deutlich entspannter, da nur zehn gegen zehn Spieler antreten. Alle anderen Raumschiffe werden von der KI gesteuert und geben dennoch Punkte und Erfahrung. Genau wie bei den Schlachten auf dem Boden gibt es in „Jägerstaffel“ auch ikonische Fahrzeuge zu steuern: Befindet ihr euch in der Rangliste auf Platz eins, so habt ihr die Chance, mit Han Solos Millenium Falken oder Boba Fetts Slave 1 durch die Gegend zu düsen.

Das Herzstück des Multiplayers ist aber ohne Frage der „Läuferangriff“ (irgendwie klingt der englische Originaltitel Walker Assault deutlich besser). Hierbei treten 40 Spieler gegeneinander an und müssen sich neben zu erobernden Uplinks auch noch gegen übermächtige AT-ATs behaupten. Hier ist für die Rebellen Teamwork angesagt. Wenn der Schild des AT-ATs ausfällt, muss alle verfügbare Feuerkraft auf diesen konzentriert werden, um ihn in die Knie zu zwingen. Die Aufgabe des Imperiums ist es natürlich, dies zu unterbinden und die Rebellen am Aktivieren der Uplinks zu hindern. Hin und wieder kann eine Runde dann schon mal 30 Minuten in Anspruch nehmen. Diese macht aber auch wirklich Spaß, da man im Team arbeiten, Objectives erfüllen und natürlich die ein oder andere Killstreak einheimsen muss.

Das Waffensystem

In Star Wars Battlefront habt ihr Zugriff auf eine Vielzahl von Waffen. Diese sind natürlich nicht alle von vornherein auswählbar. Um diese zu „erwerben“, müsst ihr zu Anfang mit der Standardwaffe auskommen und euch während des Spiels sogenannte Credits verdienen. Damit bezahlt ihr aber nicht nur die Waffen, sondern auch spezielle Perks, hier Spacecards genannt. Diese bereichern euch um Sniper Rifles mit wenig, aber starker Munition, Granaten, Jetpacks und vieles mehr. Dank der kostenlosen Companion App für iOS und Android könnt ihr aber auch von unterwegs Credits scheffeln: Einfach das Minigame „Base Command“ starten und losspielen. Nach jeder erfolgreich überlebten Gegnerwelle gibt es Cash für den Multiplayer in Battlefront. Das Beste an dem Waffensystem ist jedoch, dass es keine Möglichkeit gibt, Credits mit Echtgeld zu erwerben. Ob dies noch nachgeliefert wird, ist zu diesem Zeitpunkt unklar.

Echtes Star Wars-Feeling

Eines muss man DICE wirklich lassen: Scheinbar sitzen echte Star Wars-Fans im Team, die wirklich Wert auf Details und das passende Feeling gelegt haben. Jeder Moment, jede Waffe, jedes Kostüm, jeder Planet könnte wirklich eins zu eins aus dem Film stammen. Dies liegt natürlich einerseits an der Detailverliebtheit des Studios, zum anderen an der Möglichkeit, Original-Requisiten der Filme bestaunen und detailliert unter die Lupen nehmen zu dürfen. Jeder Blaster im Spiel klingt anders, aber genau so, wie er klingen soll und genau so wie die Fans es wollen. Hier hat DICE wirklich Fingerspitzengefühl bewiesen und ordentlich Fan-Service abgeliefert. Sogar der Wilhelm Scream, welcher auch in anderen Filmen Verwendung findet und zu einem Running Gag in der Branche avanciert ist, ist im Spiel zu hören. Aber in all der Schwelgerei gibt es in meinen Augen einen großen Negativpunkt, der das Feeling etwas abflauen lässt, und das ist das arcadige Gameplay. Dass Autoaiming auf Konsolen weitverbereitet ist, ist nichts Neues. Aber das einfache Wechseln zwischen anvisieren/loslassen/anvisieren kann teilweise zu einer, sagen wir, Wettbewerbsverzerrung führen. Denn so muss man sich so gut wie keine Mühe mehr fürs Zielen geben.

Auch der Kampf als einer der Helden wie Luke Skywalker, Prinzessin Leia oder Han Solo sowie als Darth Vader, Imperator Palpatine oder Boba Fett aus Sicht der Bösewichte kann ich einfach nur als gelungen anerkennen. Jeder Charakter verfügt über bestimmte Signature Moves und Angriffe, die allesamt den Filmen entspringen.

Fazit

Star Wars Battlefront ist ein solides Spiel mit Schwächen. Die fehlende Kampagne ist ein deutliches Defizit. Aber ich gehe davon aus, dass DICE nicht einfach nur eine Spielumsetzung eines Films der alten Trilogie entwickeln wollte, sondern dass sich Fans an dem orientieren, was sie kennen und lieben. Das Gameplay schwächelt an den arcadelastigen Mechaniken, die teilweise eine derartige Hilfestellung geben, dass es dem einen oder anderem schon fast zu einfach erscheinen könnte. Die Anzahl der Spielmodi ist groß und bietet jeder Vorliebe das Passende. Sound- , Level- und Charakterdesign sind stimmig und detailliert. Star Wars-Fans werden auf jeden Fall ihre Freude an EAs neustem Titel im Portfolio haben. Hardcore-Shooter-Fans werden dagegen wohl weiterhin zu bekannten Franchises wie Battlefield, Call of Duty oder Counter Strike greifen.

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