Test – Tales of Berseria

Im neuesten Tales of-Ableger helft ihr einer Dämonin bei ihrem Rachefeldzug. Ob die Umsetzung gelungen ist oder nicht erfahrt ihr in unserem Test!

Wenn man an die Tales of – Reihe denkt, fallen einem meist als erstes die überaus gutherzigen, oft leicht naiven Hauptcharaktere ein, die vollkommen klischeehaft durch das Abenteuer laufen um die Welt zu retten. Natürlich gab es hier auch Ausnahmen, man denke zum Beispiel an Luke aus Tales of the Abyss, der anfangs überaus egozentrisch und gar ein Stück weit unsympathisch war. Aber nichtsdestotrotz reiht auch er sich in die Reihe der typischen Tales Helden ein. Im aktuellen Titel von Bandai Namco, Tales of Berseria, werden diese Klischees nun gesammelt und gnadenlos verbrannt. Natürlich haben wir auch hier JRPG typische Charaktere, der Schwertkämpfer, die Magierin, ein putziges Tier das unsere Helden begleitet… Aber trotzdem fühlt es sich so an als sei unsere kleine heile Tales Welt im neuesten Ableger vollkommen auf den Kopf gestellt worden.

Velvet ist alles andere als eine klassische Heldin.

In Tales of Berseria spielen wir Velvet, eine Dämonin. Besagte Dame wird von Rachedurst getrieben und so sehen wir uns als Spieler in der Aufgabe ihr dabei zu helfen einen Mann zu töten, den die restliche Welt als ihren Retter ansieht. Verkehrte Welt? Es fühlt sich wahrlich mehr als einmal so an, als stünde man nun auf der Seite, die man sonst immer bekämpft hat. Und es macht tatsächlich unheimlichen Spaß. Die Geschichte selber spielt einige Jahrhunderte vor Tales of Zestiria, man muss es nun nicht gespielt haben um diesem Teil folgen zu können, aber es ist schon ziemlich toll all die kleinen Anspielungen zu finden. Aber auch die anderen Tales of – Titel werden mit eingebunden, und wenn nur von der Sage um die Göttin Martel berichtet wird (Tales of Symphonia). Damit auch genug zur Geschichte, es soll ja niemandem der Spaß verdorben werden!

Die Kämpfe sind bisweilen ein wenig unübersichtlich.

Das Kampfsystem geht keine neuen Wege, trefft ihr auf einen der zahlreichen Gegner landet ihr auf dem Kampfbildschirm, der sich optisch an dem Areal orientiert, in dem sich euer Trupp gerade befindet. Hierbei könnt ihr dann mit bis zu vier Kämpfern in Echtzeit die Gegner niederstrecken und sie bei Bedarf gegen die inaktiven Kumpanen austauschen. Einen ganz normalen Angriff sucht ihr hierbei jedoch vergeblich, ihr greift immer und ausschließlich mit den Artes an. Da deren Einsatz allerdings sogenannte „Seelen“ kostet, könnt ihr diese nicht beliebig oft einsetzen und so entsteht ein Hauch von Taktik. Die Kämpfe selber gestalten sich allerdings auf dem normalen Schwierigkeitsgrad als nicht sonderlich herausfordernd, vor allem, wenn man jeden Gegner plättet, der auf der Karte zu finden ist. Den Game Over Screen, sofern es einen gibt, bekam ich im ganzen Spiel nicht einmal zu Gesicht. Die Tatsache, dass man beim Speichern nicht auf die Speicherpunkte angewiesen ist, sondern eigentlich jederzeit die Option „schnell Speichern“ auswählbar ist, nimmt dem ganze nochmal einiges an Schwierigkeit und Nervenkitzel.
Dadurch, dass sowohl Gegner als auch eure Mitstreiter wild durch die Gegend laufen verliert man hierbei schnell die Übersicht. Wer seine Figur gerne komplett selber steuert sieht sich hier des Öfteren den nächsten Gegner suchen. Aber nichts desto trotz machen die Kämpfe Spaß und auch nach vielen Stunden Spielzeit überrascht euch das Spiel noch mit neuen Optionen die ihr im Kampf einsetzen könnt. Langeweile kommt hier so schnell nicht auf!

Optisch ist das Spiel solide, aber keine Meisterleistung.

Optisch reiht sich Tales of Berseria nahtlos in die Reihe ein, es sieht schön aus, aber man merkt, dass das Spiel in Japan noch auf der PlayStation 3 erschienen ist. Dem Szenario zum trotz erscheint die Welt durch die ihr euch bewegt recht farbenfroh. Die Charaktere selber sind, wie von Tales gewohnt, in Anime Optik gehalten, die wenigen Zwischensequenzen sind allesamt gezeichnet und sind schön anzusehen. Die Umgebung, durch die ihr euch bewegt, vor allem die Areale außerhalb der Städte sehen zwar nett aus, hier wäre allerdings ein wenig mehr Abwechslung schön gewesen. Solange ihr in einem zusammenhängenden Gebiet seid sieht die Umgebung schlicht auf jeder neuen Karte fast gleich aus. Das sorgte bei mir mehr als einmal für Verwirrung, da ich zwar treu den Wegen folgte, aber die neue Umgebung doch so ähnlich aussieht, wie die zuvor gesehenen.
Leider muss man diese Karten nun auch relativ oft ablaufen. Das Spiel bietet euch im Laufe der Zeit auch einige Optionen an, um diese zu verkürzen, etwa Warpfelder oder Tränke, mit denen ihr zwischen den Städten reisen könnt, allerdings hat man bei Gebrauch mehr als einmal das Gefühl, man könnte nun auf dem Weg einen Dialog verpasst haben. Diese kleinen Szenen ploppen wie schon in den vorherigen Tales Teilen, während des Abenteuers auf und ihr könnt sie euch ansehen, oder auch ignorieren. Letzteres ist jedoch nicht empfehlenswert erfährt man doch in diesen Dialogen oft näheres zu den Charakteren, der Welt, oder wird einfach nur gut unterhalten. Somit sollte nun jeder, der Wert auf diese kleinen Dialoge legt, die Wege tapfer zu Fuß bestreiten. Einen Vorteil hat das ganze natürlich, ihr könnt so nebenbei euren Trupp trainieren und erspart euch so das für JRPGs typische grinden.

Die Zwischensequenzen präsentieren sich im hübschen Animestil.

Auch so bietet das Spiel für alle Sammelwütigen genug zu tun. Auf der Welt finden sich überall Seelen der sogenannten Katz, welche in jedem Areal gegen eine Katztruhe getauscht werden können aus der dann, wer hätte es gedacht, eine Katz befreit werden kann. Bei jeder zweiten erhaltet ihr dann ein Kleidungsstück für eure Charaktere. Wer also Spaß an der Gestaltung hat und zum Beispiel die grantige Velvet mit Hasenohren ausstatten möchte, sollte nicht einfach an den Seelen und Truhen vorbei laufen. Des Weiteren könnt ihr ab einem bestimmten Zeitpunkt im Spiel Expeditionen losschicken, welche bei Rückkehr mit allerlei Items wiederkommen. Diese dauern im Regelfall 30 Minuten in Echtzeit. Der Counter geht aber auch weiter wenn ihr das Spiel pausiert, oder auch wenn ihr es schließt. Es empfiehlt sich somit, bevor ihr das Spiel schließt, eine neue Expedition los zu schicken, damit diese, wenn ihr weiterspielt, direkt abgeschlossen ist. Nebenquests können auch zur immer wieder gefunden werden, versteckt hinter den Ausrufezeichen auf der Karte. Nicht jedes Ausrufezeichen wird in einer Quest enden, aber zumindest wartet dort ein vertonter Dialog auf euch.

Die Dialoge dienen der Unterhaltung und füttern euch auch mit neuen Informationen.

Apropos Dialoge, am Anfang einer jeden Spielesession könnt ihr auswählen, in welcher Sprachausgabe ihr das Spiel haben wollt. Zur Auswahl stehen hierbei Japanisch und Englisch. Viele Liebhaber werden wohl auf die japanischen Dialoge zurückgreifen und sich darüber freuen, jeder der der japanischen Sprache jedoch nicht mächtig ist könnte hier jedoch eventuell ein Problem bekommen. Zumindest die deutschen Untertitel stimmen ab und zu nicht und es kam mehr als einmal vor, dass er entweder fehlte, der davor nochmal angezeigt wurde oder man das Gefühl bekam, dass viel mehr gesprochen wird als unten drunter steht. Vielleicht wird hier noch ein Patch nachgeschoben, aber bis dahin empfiehlt sich fast die englische Sprachausgabe, sofern ihr des Englischen mächtig seid bekommt ihr zumindest mit, worüber in den fehlenden Teilen gesprochen wird.

Katz Miau!

Fazit

Trotz einiger Kritikpunkte macht Tales of Berseria richtig Spaß, für mich avanciert es sich zu einem der besten Tales Teile. Die recht ungewöhnliche Geschichte rund um unsere nicht sehr nette Truppe trägt viel dazu bei, dass man einfach dran bleiben und wissen möchte, wie es weiter geht. Kenner der vorherigen Teile werden sich zudem über all die kleinen Anspielungen auf die anderen Spiele, allem voran Tales of Zestiria, freuen. Man fühlt sich versucht, im Anschluss nochmal Zestiria einzulegen um ein ganz neues Spielerlebnis zu haben, ihr erhaltet einiges an neuem Hintergrundwissen und mehr als einmal hat man das Gefühl, dass Storylücken in Zestiria extra eingebaut worden sind, um genau diesen Effekt zu erreichen. Die Kämpfe machen Spaß, wenn sie auch fordernder sein könnten und Freunde von JRPGs werden sich auch an der Optik erfreuen. Natürlich ist es nicht perfekt, aber schon sehr, sehr gut.

Getestet wurde die PlayStation 4 Version. Da Bandai Namco die Screenshot Funktion auf der Konsole deaktiviert hat stammen diese von der PC Version.
Positiv
  • ungewöhliche Charaktere
  • spannende Story
  • langes Gameplay
  • viele Neben- und Jagdmissionen
Negativ
  • langweilige, leblose Areale
  • einige Bugs
  • optisch keine Meisterleistung
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