Test – The Final Station + The Only Traitor DLC

Eine Zugfahrt die ist lustig, eine Zugfahrt die ist schön…..

Nach einem ziemlich verwirrendem Start – eure Figur stirbt – startet ihr an einem ziemlich tristen Morgen zu einem ziemlich tristen Job als Zugführer der Belus-7. Mit eurem Zug sollt ihr einen Energiekern zum Wächter transportieren. An der Weiterfahrt hindern euch an bestimmten Stationen die Blocker, eine Art magnetisches Schloss, das euren Zug blockiert. Zusätzlich sammelt ihr auf der Suche nach den Codes, um die Blocker an jeder Station zu aktivieren immer wieder Überlebende auf. Aber Überlebende von was? Nun, um das herauszufinden solltet ihr euch The Final Station und den DLC The Only Traitor kaufen und selber durchspielen.

Was zur Hölle ist hier eigentlich los?

So wirklich werdet ihr keine Antwort auf diese Frage finden, die Erzählstruktur des Spiels lässt viel Interpretationsspielraum. So haben sich die beiden Entwickler die Bücher der Strugatzki Brüder (im Spiel haben die Beiden sogar ein Monument!) als Vorbild genommen, um eine ziemlich interessante Endzeitwelt zu gestalten. Grob gesagt entfaltet sich die Story um das Wie und Warum durch kurze Gespräche von meist namenlosen NPCs und das Auffinden von Notizzetteln, Briefen und Laptops auf denen Chats offen sind. Auch die geretteten NPCs im Zug unterhalten sich über die Geschehnisse.

Womit wir auch gleich zum ersten und größten Kritikpunkt des Hauptspiels kommen – es gibt keine Sprachausgabe, die Gespräche finden ausschließlich in Form von Sprechblasen mit Text statt. An sich wäre das keiner, aber wie soll ich bitte meinen Passagieren zuhören, wenn sie am hintersten Ende des Zuges sitzen, vom kleinen Zugführer mit Medikits und Essen versorgt werden müssen, der Kontakt zur Verwaltung und zu anderen Lokfahrern gehalten und der Einzelteile des Zuges immer wieder repariert werden müssen, damit kein Stromausfall vorkommt? Ein Stromausfall wiederum führt zum unweigerlich Tod meiner Passagiere, da auch das Lebenserhaltungssystem an den Generator angeschlossen ist. Also: Gespräche belauschen oder Leben retten.

Dies wurde bei The Only Traitor glücklicherweise umgangen – euer Gefährt ist hier ein Auto und ihr habt maximal einen Passagier, mit dem ihr euch während der Fahrt unterhaltet. Nervt euch das ganze Gerede, könnt ihr hier auch einfach überspringen, dabei gehen euch jedoch wichtige Gesprächsfetzen verloren. Leider muss man den DLC mehrmals beenden, um alles zu hören – abgesehen von den Gesprächen auf den Fahrten ändert sich hier aber Nichts. Dennoch schafft es der neue Content, euch ein paar Fragen aus dem Hauptspiel zu beantworten – wirft aber auch neue auf. Ich hoffe hier kommt noch mehr!

Zugfahrer, Erkunder, Plünderer

Grob erklärt gliedert sich das Gameplay sowohl in The Final Station als auch im DLC in zwei Phasen: Die Zug- beziehungsweise Autofahrt und der Erkundung der Umgebung an eurem Bahnhof oder eurem Rastplatz. Die Zugfahrt habe ich oben bereits beschrieben, bei der Autofahrt in The Only Traitor ändert sich lediglich, das ihr euren Beifahrer und das Auto nicht versorgen müsst. In beiden Fortbewegungsmitteln ist es euch möglich, Medikits und Munition zu craften – jede Kugel wird später wertvolles Gut. Die Medikits benötigt ihr, um eure Passagiere oder euch selbst zu heilen – beides nimmt das Medikit aus dem gleichen Pool – Raffiniert, denn so stellt ihr euch ständig die Frage, ob ihr euch bei der Erkundung heilen oder doch lieber die Passagiere sicher am nächsten Bahnhof abliefern wollt. Diese bringen euch bei erreichen einer lebendigen Stadt Geld und Material. Das Geld könnt ihr in diesen sicheren Bereichen auch für alle möglichen Güter ausgeben.

Wieso in einer lebendigen Stadt? Nun, ihr seht euch mit einer immer weiter zerfallenden Welt konfrontiert – und leider hat irgendein Depp vergessen, die Blockierer an den Bahnhöfen abzuschalten. So seht ihr euch in der Erkundungsphase immer wieder gezwungen, nach dem Code für die Blockierer zu suchen, da – wer hätte es vermutet – der Bahnhofsvorstand den Code mit irgendeiner hanebüchenen Begründung meistens an das andere Ende des Ortes mitgenommen hat. Hier sucht ihr parallel nach Munition und anderen Versorgungsgütern, wobei euch „Sie“ ständig in die Quere kommen und euer virtuelles Leben ausknipsen wollen. „Sie“ sind in diesem Fall von mir liebevoll getaufte Schlammzombiemutanten („Sie“ sind von schwarzem Glibber überzogen) – und im Hauptspiel gibt es davon vier unterschiedliche, die sich mit Schlägen oder mit Pistolenschüssen aus dem Weg räumen lassen. Meistens liegt der taktische Anspruch hier darin, herauszufinden, wie man Herr der Masse wird. The Only Traitor bringt nochmal drei neue Gegnertypen, was zumindest mich zu Beginn des DLCs ziemlich überrascht hat. Weitere Änderung im DLC: Ihr habt eine Stachelkeule statt nur mit euren Fäusten auf die Gegner einzudreschen.

Bei The Only Traitor ändert sich leider am Ablauf selbst nicht viel: Ihr müsst hier statt einem Code Nahrung, Wasser und Benzin finden, um weiter fahren zu können, da euer Charakter sonst nörgelt. Allerdings hat der Gute im Gegensatz zum Zugführer wenigstens Worte, um auszudrücken, was er sucht.

Wo bin ich hier verdammt nochmal?

Die größte Stärke des Spiels liegt – trotz nicht übermäßig detaillierter Pixelgrafik – in den Hintergründen und der Umgebung. So findet ihr häufiger Tote in Gebäuden, bei denen in Kombination mit dem Rest der Umgebung in eurer Fantasie die Antwort auf die Frage entsteht, was an diesem Ort passiert sein könnte. Die Hintergründe sind sowohl auf der Zug-/Autofahrt als auch innerhalb der Stationen eurer Reise sehr abwechslungsreich. Mal seid ihr in einem verschneiten Bunker unterwegs, mal in einer anscheinend vor kurzem noch bewohnten Stadt. Auch die lebendigen Städte begeistern mit ihrer Größe. In The Only Traitor hat die Fläche der einzelnen Stationen nochmal zugenommen, was ich größtenteils als positiv empfand. Wenn jedoch nichts zu tun oder zu sehen war, konnte genau dieser Größenfaktor auch nerven.

Der Soundtrack ist auch super, vor allem im Auto, wenn das Radio mit ruhigen, melancholischen aber auch irgendwie entspannenden Klängen auf euch wirkt. Die Soundeffekte sind gut gesetzt, wenn ihr offensichtlich nassen Boden betretet, quietschen eure Schuhe beim darüber laufen, eine Schrotflinte klingt wuchtig – und bei den seltsamen Kapseln…. nein, ich will hier nicht zu viel verraten.

Die Steuerung geht auch sauber von der Hand. Mit der Maus steuert ihr eure Blickrichtung und euer Fadenkreuz, ein Linksklick löst einen Schuss aus, ein Rechtsklick einen Schlag. Mit WASD steuert ihr eure Figur, mit Q nutzt man ein Medikit und mit E benutzt man Dinge. Hier wurde die klassische Ego-Shooter Steuerung optimal auf ein 2D-Action-Adventure angepasst.

Der Preis ist heiß

Leider ist The Final Station mit etwa vier bis fünf Spielstunden sehr kurz und die Technik dahinter auch nicht sonderlich teuer. The Only Traitor legt nochmal ungefähr drei Stunden (schneller ist bestimmt möglich!) dazu. Dafür insgesamt 20 Euro zu verlangen, ist meines Erachtens nach trotz der großartig verwirrenden Geschichte – schaut euch die Diskussionsforen an! – leider zu hoch. Falls es jedoch mal im Sale sein sollte, kann ich nur jedem raten, sich das Spiel zu kaufen. Es lohnt sich schon allein für die herrlich abstruse Geschichte!

Fazit

Wenn ich Prädikate vergeben könnte, dann würde ich hier für den Erzählstil definitiv ein Goldetikett vergeben, aber so weit sind wir noch nicht. The Final Station leidet unter einem zu hohen Preis, repetitivem Gameplay, aber die völlig abgefahrene Geschichte dahinter motiviert dazu, immer weiter zu machen. Mit der kurzen Spielzeit haben sich die Entwickler Oleg Sergeev und Andrey Rumak einen Gefallen getan. Mehr wäre definitiv zu langatmig gewesen. Dennoch muss ich ganz ehrlich sagen: Holt euch das Spiel wenn es im Sale ist - und den DLC gleich dazu!
Positiv
  • Story
  • Grafik trotz Pixelstil wunderschön
  • Sound und Musik
  • Steuerung
Negativ
  • PREIS!
  • Gameplay zu repetitiv
  • Zu viel auf der Zugfahrt zu tun, um den Gesprächen zu folgen
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Schlagwörter:The final Station