Einer der erfolgreichsten Videospiele-Titel der PlayStation-Geschichte geht in die Verlängerung. Es hat nur sechs Jahre gedauert, bis das AAA-Sony-Studio Naughty Dog erneut ein kleines Meisterwerk veröffentlicht hat. Oder ist es nur eine einfache Kopie des Originals “The Last Of Us”?

Mit The Last Of Us ist Naughty Dog vor gut sechs Jahren ein kleines Wunder geglückt. Nicht neu in der Machart, dafür aber sehr gut in Szene gesetzt, machte man sich mit Ellie und Joel auf ein Abenteuer, das bis heute seinesgleichen gesucht hat. Nicht zuletzt, weil gerade der Einstieg in die Geschichte spektakulär wie emotional war, dass ich mich bis heute mit Freude, Ehrfurcht und Gänsehaut daran erinnere.

Mit einem eher offenen Ende, vielen Wunden und Tränen hatte sich The Last Of Us dann verabschiedet und es wurde lange spekuliert, ob ein so geglückter Titel eine Fortsetzung bekommen würde. Muss ein Meilenstein unbedingt weitererzählt werden? Gab es offene Fragen? Naughty Dog beantwortete diese Frage bereits vor einigen Jahren mit einem ersten Teaser zu The Last Of Us: Part II, dem neuen Last Of us, um den es in diesem Test geht.

Das Alter steckt in unseren Knochen

Gut fünf Jahre nach den Ereignissen des ersten Teils finden wir uns wieder zurück im Geschehen. Wir sehen Ellie, deutlich reifer und älter. Auch erfahrener und scheinbar mitgenommen durch die Situation der vergangenen Jahre wird uns klar: Es war nicht einfach.

Wir stellen fest, Ellie hat sich mit einer Gruppe Gleichgesinnter angefreundet und zusammen leben sie in einem kleinen verschlafenen Dorf. Der letzte Widerstand, wie es scheint.

Ellie ist auch nicht mehr allein, sie pflegt eine Beziehung mit Dina, einer jungen Dame, die scheinbar mit ähnlicher Vorgeschichte im Dorf zusammen mit Ellie und den anderen lebt. Wir merken, Ellie ist angekommen, hat jemanden gefunden, der sie liebt und das merken wir auch sofort.

Mit Dina hat Ellie jemanden gefunden, mit dem sie glücklich ist.

Eine fremdenfeindliche Welt mit denselben Problemen

Wo es im originalen Spiel vor allem um das beseitigen der fiesen Clicker und anderer mutierter Gegnertypen ging, müssen wir uns in Part II nun deutlich böseren Monstern widmen: den überlebenden Menschen. Bei Gruppierungen wie den “Wolfs” oder “Scars”, die uns das Leben schwer machen, müssen wir unser Abenteuer ein wenig vorsichtiger bestreiten und versuchen, ihnen auszuweichen, oder, sie zu töten. Eine Welt im Einklang scheint nicht möglich, so sehr man es sich auch wünschen mag.

Laufen, craften, überleben

Eines eurer Hauptziele ist natürlich das überleben. Daneben ist es das Erkunden der Gegenden, klettern und auch sammeln von Erfahrung, damit ihr euch etwas verbessern dürft. So findet ihr immer wieder Teile um eure Fähigkeiten auszubauen, zum Beispiel das Erlernen von Kampftechniken, besseren Gehör, um Gegner früher zu bemerken, oder auch schlichtweg eurer Gegner zu entledigen. Ebenso ist das aufrüsten der Waffen erneut möglich. Findet ihr im Spiel eine Werkbank, könnt ihr dort eure gesammelten Waffen-Punkte in größere Magazine, mehr Stabilität oder weniger Rückstoß investieren. Die Werkbänke sorgen meist für ein Verschnaufen, denn es bedeutet, dass ihr scheinbar in Sicherheit seid.

Craften was das Zeug hält. Nur so überlebt ihr schwere gegnerische Attacken.

Etwas auf die Ohren, zumindest etwas

Naughty Dog hat für den Klangteppich erneut Gustavo Santaolalla verpflichtet, der Musikproduzent und Musiker blieb vor allem durch die schönen Klänge der Gitarre schnell im Gedächtnis. Wo der Score von The Last Of Us noch ziemlich markant und prägnant war, ist er in Part II deutlich dezenter vertreten, schmiegt sich aber immer gut in die derzeitigen Situationen ein. Es lässt sich nicht verbergen, dass der Score diesmal als Unterstützung der Szenen dienen soll. Kurz gesagt: Der Soundtrack hält sich etwas zurück, ist aber auch entsprechend der Geschichte, deutlich treibender und düster. Er rundet das Bild ab, unterstützt die Szenerie.

Die Gitarre ist in The Last Of Us: Part II ebenfalls sehr wichtig und allgegenwärtig.

Bewährtes Rezept mit bewährter Technik

Mit The Last Of Us: Part II nehmen wir zugleich Abschied von einer der erfolgreichsten Hardware-Generationen aus dem Hause Sony. Als Exklusivtitel der Konsolen von Sony, durfte sich Naughty Dog voll und ganz auf das Potential der Konsole konzentrieren. Technisch wurde erneut die Messlatte höher geschraubt, mehr als man es erwartet hat. Lichteffekte sind atemberaubend schön, Reflektionen sind gut und wunderschön anzusehen. Wie es das Studio auch geschafft hat, die PlayStation 4 hat somit ihr finales Level erreicht. Hier ist kaum noch Luft nach oben. Getestet wurde mit der originalen PlayStation 4 (Release-Edition) und die hat auch allerlei zu bewältigen. Der Lüfter dreht bereits zum laden des Startbildschirms deutlich hoch, so dass es fast schon störend und nervend ist. Alles hat seinen Preis – gute grafische Leistung benötigt Reserven. 

Auch wenn die Optik unglaublich stark ist, hat das Spiel hin und wieder mit Pop Ups zu kämpfen. Diese sind allerdings eher selten und stören den Spielfluss nicht.

Der Mensch bleibt der Mensch

Dies ist ein Review, ohne nennenswerte Details zur Geschichte. Dies ist vor allem so, weil das Spiel von der Story lebt und jedes Detail zu viel wäre. Aber, wer hätte das gedacht: Wir haben nicht nur in der Story den Menschen als Feind, auch in der echten Welt polarisierte The Last Of Us: Part II, wider willen. Durch einen Leak zum Release gab es diverse Phantasien und Gerüchte, die schlichtweg falsch oder nicht korrekt interpretiert worden sind. So fiel die Partnerin von Ellie in Missgunst, da sie einigen Spielern nicht gepasst hat, weitere Charaktere wurden in völlig falsches Licht gerückt und auch sonst wurde das Spiel zu Unrecht stark kritisiert. Hierzu nur ein paar kurze Worte: Nur wer es erlebt, darf darüber urteilen. Ein weiteres Mal, dass der Mensch sich von seiner schlechten Seite zeigt. Zum leid der talentierten Entwickler und anderen Menschen, die viel Zeit und Arbeit in dieses Spiel investiert haben.

Fazit

The Last Of Us: Part II setzt die Erfolgsgeschichte der Marke beeindruckend fort. Nicht zuletzt, weil die gesamte Entwicklung der Charaktere sehr glaubwürdig und nachvollziehbar umgesetzt worden ist. Naughty Dog versteht mit einfachen Mitteln, wie eine Geschichte erzählt werden muss. Technisch hat das Studio seine Hausaufgaben gemacht und man wusste auch, worauf man Wert legen muss. Auch wenn ich einige Passagen des Spiels teilweise etwas langweilig empfand, weil man immer viel klettern und laufen muss, hat die Kulisse sehr viel Spaß gemacht zum erkunden. Ich fand den Soundtrack wieder spitzenklasse, reicht aber nicht ganz an den des Vorgängers heran. Part II ist ein Muss für jeden, der auf eine packende Story in einer tragischen und gut umgesetztn Welt schätzt. Einer der wahrscheinlich letzten sehr großen Titel der PlayStation 4.

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