Test – The Legend of Legacy

Squaresofts SaGa-Serie ist eine Reihe von JRPGs, die hierzulande leider kaum bekannt ist und auch trotz […]

Squaresofts SaGa-Serie ist eine Reihe von JRPGs, die hierzulande leider kaum bekannt ist und auch trotz der Möglichkeit von digitalen Re-Releases im Westen nur wenig Liebe von ihrem ehemaligen Entwickler erfährt. SaGa Frontier 2 auf der PlayStation war für mich damals nach Final Fantasy VII bzw. VIII und Grandia eines der ersten Rollenspiele aus Japan, die ich gespielt habe und welches ich durch seine einzigartige Optik und die nichtlineare Erzählweise auch heute noch schätze. So begab es sich, dass das Studio FuRyu sich 2014 aufmachte, einen geistigen Nachfolger zu schaffen, der das Spielgefühl der Neunziger einfängt.  Mit dem Studionamen werden sicherlich die wenigsten etwas anzufangen wissen, dabei hat der recht junge japanische Spiele-Entwickler ein Talent dafür, JRPG-Veteranen für seine Projekte zu gewinnen. So wundert es kaum, dass auch The Legend of Legacy mit einigen großen Namen der SaGa-Reihe aufwarten kann: Illustrator Tomomi Kobayashi und Game-Designer Kyoji Koizumi sowie Komponist Masashi Hamauzu, der einigen durch die Soundtracks von Final Fantasy X, XII und XIII ein Begriff sein wird. Ergänzt wird das Dreamteam noch durch den Autor Masato Kato (Chrono Trigger) und Game Director Masataka Matsuura (999: 9 Hours, 9 Persons, 9 Doors). Wir haben den Titel auf den Prüfstand gestellt und sagen euch, ob früher wirklich alles besser war.

Auf zu neuen Ufern

The Legacy of Legends nimmt den Spieler mit auf die mystische Insel Avalon, die sich erst einige Jahre vor der Haupthandlung aus dem Meer erhoben hat. Doch bevor es wirklich losgeht, muss man sich für einen von sieben Hauptcharakteren entscheiden, welche allesamt ihre eigene Motivation für die Reise nach Avalon haben. Dies spiegelt sich auch in einigen Dialogen wider, jedoch ist der Großteil der Geschichte deckungsgleich. Auch in Sachen Skills sind die Unterschiede nur am Anfang bemerkbar, da jeder Charakter zwar eigene Ausrüstung und Basisfähigkeiten besitzt, aber im Spielverlauf kann jeder alles lernen – doch dazu später mehr. Bereits auf dem Weg nach Initium, einer friedlichen Hafenstadt auf Avalon, trifft man zwei weitere Abenteurer, die die Dreiergruppe komplett machen, doch auch die restlichen vier Helden lassen sich im Laufe des Spiels rekrutieren.  Nach einer kurzen Audienz beim Abenteurerkönig, dem Regenten von Initium, geht es los mit der Hauptaufgabe: die Erkundung und Kartografierung der Insel.

Das malerische Initium ist Ausgangspunkt jeder Expedition.

Wie man relativ schnell feststellt, sind Dinge wie eine ausschweifende Story mit vielen Dialogen kein Merkmal von The Legend of Legacy. Stattdessen orientiert man sich eher an Dungeon Crawlern, bei denen Erkundung und Kämpfe im Vordergrund stehen. Das heißt aber nicht, dass es gar keine Story gibt, stattdessen erzählen viele Orte ihre eigenen Geschichte von der Blüte und dem Untergang alter Zivilisationen. Passend dazu wird jeder neue Ort, den man betritt, von ein paar Zeilen vorgelesener Exposition begleitet, die ich persönlich sehr stimmungsvoll fand. Bis auf wenige Ausnahmen erreicht man sämtliche Gebiete über eine Oberwelt, indem man einen Wegpunkt auswählt, und sobald man dort angekommen ist, beginnt die Party automatisch eine Skizze der Umgebung anzufertigen. Diese Karten lassen sich später in Initium verkaufen, was einem, je nach Grad der Erkundung, viel Geld einbringen kann.

Mystisch – Im Spielverlauf findet man viele geheimnisvolle Ruinen.

Bereit für den Kampf

Natürlich gibt es auf Avalon nicht nur friedliche Orte, sondern die Insel bietet eine recht umfangreiche Monsterwelt, die einem das Leben schwer macht. Sobald einen ein Gegner erblickt hat, kann man noch versuchen, zu flüchten, doch sobald man eingeholt wurde, wechselt das Spiel zu einem rundenbasierten Kampfsystem, welches einige besondere Kniffe hat. Zu Beginn jeder Runde kann man seine Formation wechseln, wenn man im Vorfeld jedem Charakter eine bestimmte Kampfhaltung zugeordnet hat. Diese lassen sich grob in die Rollen Attack, Guard und Support aufteilen, und boosten entsprechend diese drei Basiswerte, doch im weiteren Verlauf ist es möglich, neue und bessere Befehle zu finden, die zum Beispiel beim Kampf gegen einzelne Gegner Vorteile bringen. Nachdem man die Formation gewählt hat, kann man pro Charakter einen Skill auswählen, wobei man dafür bis zu zwei Waffen bzw. Schilde und zwei Accessoires sowie den waffenlosen Kampf zur Verfügung hat. Im Übrigen packt einen das Spiel bei den Kämpfen nicht mit Samthandschuhen an, denn gleich zu Beginn wird man auf Monstergruppen treffen, die einem innerhalb von kürzester Zeit den Garaus machen können. Glücklicherweise gibt es ein Quicksave-Feature, von dem man reichlich Gebrauch machen sollte. Keine Sorge, im Gegensatz zu den meisten anderen JRPGs ist dieser Spielstand nicht nur zum Pausieren gedacht und löscht sich nicht von selbst. Ebenfalls hilfreich: Mit gedrückten A-Knopf verdoppelt man die Kampfgeschwindigkeit.

Sei kein Frosch! Manchmal ist die Flucht die bessere Alternative.

Für den bewaffneten Kampf steht dem Spieler von Bogen bis zur Lanze eine Vielzahl an Waffen zur Verfügung, allesamt mit eigenen Skills, die es zu erlernen gilt. Dabei wird eine interessante Mechanik genutzt, denn statt dem üblichen „Sammle x Punkte für den nächsten Skill“, besteht hier jederzeit die Chance, einen neuen Skill zu erlernen, sobald dieser im Charakter „erwacht“, wie das Spiel es nennt. Außerdem verzichtet man auf fixe Werte für Erfahrungspunkte, stattdessen besteht bei jedem Kampf die Möglichkeit, einen Skill oder die Basiseigenschaften des Charakters, die aus Attack, Guard, Support sowie Hit- und Skillpoints bestehen, zu verbessern. Sollte ein Gegner mal zu mächtig sein, kann man, außer bei Bossfights, zum Anfang eines Gebietes fliehen und behält sogar erlernte Fähigkeiten und Skillerfahrung, während die Basiswerte nur bei einem erfolgreichen Kampf aufsteigen können.

Bei häufigen Gebrauch lässt sich jeder Skill in Attack, Guard oder Support leveln.

Magische Momente

Schon im ersten Abschnitt des Spiels kommt man mit einem der vier vorherrschenden Elemente – Wasser, Luft, Feuer und Dunkelheit – in Berührung. Während des Kampfes gilt es, die Elementargeister im Blick zu behalten, die sich überall auf Avalon verteilen. Zauber lassen sich nur wirken, wenn man einen Vertrag mit den Geistern geschlossen hat, wobei Dunkelheit hiervon ausgenommen ist, doch auch einige Gegner können das Machtverhältnis zu ihren Gunsten manipulieren. Neben den Zaubern, die man ähnlich wie Skills lernt, ermöglicht eine hohe Konzentration an Elementen auch passive Effekte, so bringen zum Beispiel Wasserelemente HP-Regeneration mit jeder Runde. Unabhängig von den Elementen wird nach jedem Kampf die Gesundheit der Charaktere wiederhergestellt. Sobald ein Charakter jedoch bewusstlos wird oder in eine Falle läuft, verliert er einen Anteil an maximalen Hitpoints, die sich nur in Initium oder bei freundlichen NPCs wiederherstellen lassen. Durch den knackigen Schwierigkeitsgrad – im Übrigen wurde das Spiel, ähnlich wie einst Final Fantasy IV, für den Westen neu gebalancet – kann es schon einmal vorkommen, dass man an bestimmten Stellen im Spiel steckenbleibt, doch dank der nicht-linearen Gestaltungen gibt es immer einen Ort, an dem man seine Fähigkeiten verbessern kann.

Whispering Stones – An Steinen wie diesen offenbart sich die Vergangenheit Avalons.

In Sachen Präsentation gibt es nur wenig zu meckern. Mir persönlich gefällt der verwendete Chibi-Look, also Charaktermodelle mit verniedlichten Proportionen, in Kombination mit den märchenhaft gestalteten Wasserfarben-Zeichnungen, die man auch aus SaGa Frontier 2 kennt, sehr gut. Wenn man ein Gebiet erkundet, dann ploppen die Bäume und sonstigen Objekte wie in einem Kinderbuch in einem bestimmten Umkreis um den Charakter hervor, was jedoch bei der gewählten Perspektive leider den Nachteil hat, dass Gegner verdeckt werden können. Auch der Soundtrack von Masashi Hamauzu verdient ein Lob, da er sehr abwechslungsreich ist, aber immer gut zur jeweiligen Situation passt. Kämpfe gegen Bosse, die die Chibi-Charaktere um ein Vielfaches überragen, werden durch treibende Klänge noch intensiver, aber auch die mystischen Orte, an denen sich die Geschichte der Insel zeigt, sind hervorragend vertont.

Gefahr im Anmarsch – Gegen große Bosse muss man sich ins Zeug legen, aber die meisten sind optional.

Fazit

Im Kern ist The Legend of Legacy ein gelungenes Rollenspiel, welches mit anspruchsvollen Kämpfen glänzt. Das Spiel bietet nur wenig Story oder Erklärungen, die den Spieler an die Hand nehmen. Damit orientiert man sich fast ausschließlich an einer kleinen Gruppe von Spielern, die sich Titel wie in den Neunzigern zurückwünschen, jedoch mit einer Präsentation, die moderneren Spielen entspricht. Einige könnte das eventuell abschrecken, doch aus meiner Sicht meistert das Spiel diese Gratwanderung gut und das Erfolgserlebnis, wenn man scheinbar unschaffbare Aufgaben überwindet, war mir Belohnung genug. Es ist die selbstgeschriebene Geschichte einer Gruppe von Glücksrittern, die in einer fantasievollen, aber zugleich feindseligen, Welt auf die Reise gehen und dieser Abenteurergeist ist es, was das Spiel für mich ausmacht.

The Legend of Legacy erscheint exklusiv für den Nintendo 3DS im Einzelhandel und als Download im eShop für etwa 39,99 Euro. Wer sich noch unschlüssig ist, der kann in einer Demo mit einem beliebigen Charakter nach Herzenslust die ersten beiden Gebiete durchqueren und den Spielstand auf die Vollversion übertragen.

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