Test – The Lost Child

Ihr seid müde von Shootern, Renn-, Kampf- und Sportspielen? Euch haben Spiele wie solche aus der Danganronpa- und Persona-Reihe gefallen? Dann könnte mit The Lost Child ein weiteres zeitaufwändiges Spiel erschienen sein, das euch gut gefallen und die Spätsommerstunden kürzer erscheinen lassen könnte. Wie gesagt: könnte…

Neben den größeren und bekannten Titeln wie Danganronpa, Disgaea oder der Ys-Reihe, sorgt Publisher NIS America immer wieder dafür, dass auch kleinere Titel aus dem Land der aufgehenden Sonne in die westlichen Gefilde kommen. Bei The Lost Child handelt es sich um genau solch einen Titel, der bereits im August 2017 in Japan veröffentlicht wurde.

Das JRPG dreht sich um Protagonist Hayato Ibuki, der als Redakteur für ein okkultes Magazin namens LOST arbeitet. Während seiner Recherche über mysteriöse Suizide in der U-Bahn von Tokyo, wird er fast Opfer eines Mordes, kann aber in letzter Sekunde von einer Frau gerettet werden. Statt sich danken zu lassen, drückt sie Hayato einen Koffer in die Hand und verschwindet wieder. Dafür taucht schließlich der Engel Lua auf, der Hayato berichtet, dass er ein Auserwählter sei und im Koffer die Engelswaffe Gangour zu finden wäre, mit welcher Dämonen und gefallene Engel eingefangen werden können. Mit Lua im Schlepptau macht sich der junge Journalist also auf die Reise, Dämonen zu jagen und seine Bestimmung als der Auserwählte zu erfüllen.

Der Titel bietet dabei zwei Segmente des Gameplays. Zum einen die Abschnitte, welche die Story fortführen und im Visual Novel-Stil gehalten sind. Zum anderen die Erkundungen in den Dungeons. Diese sind ähnlich wie bei Shin Megami Tensei im 1st-Person-Stil eines Dungeon Crawlers gehalten. Das bedeutet, dass ihr in vorgefertigten Arealen in der Ego-Perspektive umherzieht. Ziel in diesen Dungeons, im Spiel ‚Ebenen‘ genannt, ist es bis zur untersten Ebene vorzudringen und den Boss zu besiegen oder andere Aufgaben zu lösen. Wie es sich für ein JRPG gehört, gibt es natürlich auch Kämpfe. Diese laufen rundenbasiert ab. Neben Hayato und Lua stehen euch im Kampf bis zu 250 sogenannte Astrale zur Verfügung. Diese sind natürlich nicht einfach so vorhanden, sondern müssen à la Pokémon erst gefangen werden. Dafür habt ihr die bereits erwähnte Waffe Gangour im Gepäck. Während der Kämpfe könnt ihr einen Balken, den Astral Burst, aufladen. Je mehr dieser gefüllt ist, umso höher ist auch der Schaden. Anschließend könnt ihr damit einen speziellen Angriff ausführen, der sich die Kraft der Astrale zu Nutze macht. Besiegt ihr so einen Gegner, was oftmals der Fall ist, wird er automatisch eingefangen. Noch könnt ihr die gefangenen Dämonen aber nicht nutzen. Davor müssen sie passenderweise geläutert werden. Für diese Funktion gibt es drei verschiedene Arten von Karma, je nach gefangenen Typen von Dämon. Weiterhin fungieren diese als Erfahrungspunkte zum aufwerten der Dämonen. Errungen werden diese nach absolvierten Kämpfen oder in Gesprächen. Dabei zählt welche Antwort ihr eurem gegenüber gebt.

Wichtig für die Kämpfe ist, dass ihr unterschiedliche Dämonen in die Dungeons mitnehmt, da es im Spiel Elemente gibt, die gegenüber anderen Elementen stärker oder schwächer sein können. Setzt ihr die passenden Astrale gegen die richtigen Gegner ein, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit auf kritische Treffer und der verursachte Schaden wird auch verstärkt. Die richtige Kombination von Astralen ist für die Kämpfe also das A und O. Dies gilt allerdings nur für die höheren Schwierigkeitsstufen. Auf der niedrigsten ist jeder Gegner leicht zu besiegen, auch wenn ihr elementare Nachteile besitzt. Generell strotzen die Kämpfe nicht vor Abwechslung. Dies ist auch der Tatsache geschuldet, dass die einzelnen Fertigkeiten keine Animationen haben und dadurch alles gleich ausschaut.

Immerhin können die Bosskämpfe die Monotonie etwas auflockern. Hier sollten eure Astrale auf die jeweiligen gegnerischen Elemente abgestimmt sein und auch ein entsprechendes Level aufweisen. Auch haben die Bosskämpfe meist mehrere Phasen. Weiterhin könnt ihr in den Kämpfen natürlich auch genregängige Optionen wie Verteidigung oder das Nutzen von Items wählen. Eine automatische Kampfoption, wie beispielsweise in Persona, gibt es leider nicht.

Gewinnt ihr eure Kämpfe, habt ihr zudem die Möglichkeit, Truhen zu bekommen, die nützliche Items enthalten. Der Clou hierbei ist, dass diese nicht normal geöffnet werden, sondern zwei Leisten – Gefahr und Fortschritt – enthalten. Nur wenn sich die Leiste für den Fortschritt komplett füllt, lässt sich die Truhe öffnen. Löst ihr hingegen eine Falle aus, bekommt ihr Schaden oder Mali. Gewisse Astrale können dem mit passiven Fähigkeiten entgegenwirken. Neben den Kämpfen müsst ihr in den Dungeons auch immer den Weg in die nächsten Ebenen finden. Rätsellastiger als hier und da mal einen Schalter umzulegen wird es aber nicht.

Der zweite große Abschnitt findet zwischen den Dungeons statt. Hier wird hauptsächlich die Geschichte fortgeführt. Meist redet ihr dafür mit Charakteren und reist zu neuen Gebieten auf der Karte. In der Zentrale der Zeitung könnt ihr dann auch Nebenmissionen in Form von Ermittlungen annehmen. Diese können in den verschiedene Dungeons dann wiederum abgeschlossen werden.

Graphisch aufwendig ist der Titel eher nicht, dafür können die Designs der Dämonen aber vollends überzeugen. Die Umgebung in den Dungeons ist hingegen eher matschig und nicht zeitgemäß. Da das Spiel ursprünglich ein PS Vita-Titel ist und die PlayStation 4-Version lediglich ein Port, kann man dies noch verzeihen. Die Geschichte ist nett für zwischendurch mit interessanten Charakteren und einer anderen Sichtweise auf die Engel/Dämonen-Mythologie. Anfangs noch ganz spannend, wird es gegen Ende jedoch zunehmend langweiliger.

 

Fazit

Im Gesamtpaket fühlt sich The Lost Child wie ein Shin Megami Tensei in der Light-Variante an. Man merkt, dass es stark davon inspiriert ist - auch was die Mythologie angeht. Leider erreicht es aber zu keinem Zeitpunkt diese Klasse. Auch das Steuern durch die Dungeons wird schnell langweilig, später komplizierter und dadurch unübersichtlicher. Die „Puzzle“ beschränken sich auf das Umlegen von Schaltern, um Türen zu öffnen, manchmal auch mehrere in der richtigen Reihenfolge. Auch die matschigen Texturen und wenig zeitgemäße Graphik sorgen nicht gerade dafür, dass man sich in den Ebenen länger aufhalten möchte. Dennoch macht das Spiel an einigen Stellen trotzdem guten Spaß und konnte über seine ca. 30 Stunden meine Aufmerksamkeit halten. Fans des Genre würde ich allerdings eher SMT empfehlen.
Positiv
  • Wahlweise englische oder japanische Synchronisation
  • Circa 30 Stunden Länge
  • Tolles Monsterdesign
Negativ
  • Monotone Kämpfe
  • Langweilige Dungeons
  • Uninspirierte Geschichte
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