Test – The Witch and the Hundred Knight: Revival Edition

In den meisten Spielen ist man der strahlende Held, in anderen der böse Superschurke und […]

In den meisten Spielen ist man der strahlende Held, in anderen der böse Superschurke und manchmal kann man auch selbst zwischen Gut und Böse wählen. In The Witch and the Hundred Knight jedoch ist man der kleine Untergebene der bösen Sumpfhexe Metallia, der fast ohne eigenen Willen die Drecksarbeit der Hexe erledigen muss.

Das Spiel beginnt mit der Erschaffung von dem Hundred Knight, einem legendären Krieger, den die Sumpfhexe Metallia wieder zum Leben erweckt und mit einem Vertrag an sich fesselt, sodass er alles ausführen muss, was sie ihm befiehlt. Auch wenn wir hier einen Namen für unseren Krieger eingeben dürfen, so wird dieser sofort wieder verworfen und wir werden nur noch „Hundred Knight“ genannt. Einen freien Willen hat unser Held allerdings nicht und kennt nur 4 mögliche Ausdrücke in seiner doch sehr putzigen Sprache: Ja, Nein, in Frage stellen und Ignorieren. So kann der Spieler zwar zu einem Auftrag der Hexe „nein“ sagen, allerdings ändert es nichts daran, dass er den Auftrag dennoch ausführen muss.

Story

In The Witch and the Hundred Knight ist die Sumpfhexe Metallia der eigentliche Star des Spiels, auch wenn sie nicht die spielbare Figur des Spieles ist. Sie lebt im giftigen Sumpf Niblhenne, von dem sie abhängig ist und den sie nicht verlassen kann. Zur Seite steht ihr dabei nur ihr, nicht ganz so ergebener, Butler Arlecchino, der stets unterwegs irgendwelche Feldarbeit leistet, um die ihn keiner gebeten hat. Damit Metallia nicht mehr so alleine ist, beginnt sie den mächtigsten Krieger heraufzubeschwören, der jemals über die Erde gewandert ist: Den dämonischen Superkrieger Hundred Knight! Allerdings handelt es sich dabei nur um einen kleinen, dunklen Ritter mit zu groß geratenen Armen – unsere Spielfigur mit Potential. Durch die Beschwörung ist der Hundred Knight an Metallia und an ihr Leben gebunden, sodass er keinen Befehl verweigern darf und stets zu ihr zurückkehren muss, um sich aufzuladen. Der Auftrag von unserer Spielfigur ist es nun, die Säulen zu finden, die Metallias Sumpf versiegeln. Werden diese zerstört, kann Metallia ihren Sumpf weiter ausbreiten und so nach und nach die Welt mit ihrem Sumpf eindecken und beherrschen.

Während des Spiels gesellen sich immer weitere illustre Gestalten an die Seite von Hexe Metallia und erkennen, dass hinter ihrem großen Mundwerk und Gemeinheiten eigentlich nur ein kleines Mädchen steckt. Auch der Hundred Knight erfährt nach und nach immer mehr über seine Herrin und über ihre Vergangenheit, sowie über die Hexe Malia, die verhindern will, dass Metallias Sumpf sich über die Welt ausbreitet. So wird auch bekannt, dass Metallia nur noch 100 Tage zu leben hat. Warum dem so ist, erklärt sie zunächst nicht genau und auch die spätere Erklärung ist eher unbefriedigend. Im Gegenzug dazu werden aber viele andere Hintergründe nach und nach aufgeklärt und bilden eine solide Geschichte um die Sumpfhexe Metallia.

Es gibt viele emotionale Momente, die teils auch ins Kitschige abdriften, aber in einem immer wieder das Verlangen auslösen, doch mehr von der Welt von Metallia und ihren Untergebenen in Erfahrung zu bringen. Dass der Humor dabei nicht zu kurz kommt ist, beweist Nippon Ichi hier wieder erneut. Die ganze Geschichte wird humorvoll erzählt und weiß auch in teils sehr traurigen Momenten immer mal wieder mit einem Witz die Stimmung aufzulockern. Ein wenig enttäuschend oder eher frustrierend sind die möglichen Enden der Geschichte. Zwar sorgen sie für einen echten Überraschungseffekt, aber man hätte sich da doch dann eher etwas anderes gewünscht.

Dennoch bleibt die Geschichte fesselnd und man kann sich in vielen Momenten sehr daran erfreuen, wenn Metallia und unser Held gerade den Leuten mal so richtig einheizen, die zuvor für eine besonders starke Antipathie gesorgt haben. Da lacht das Herz voller Schadenfreude.

Spielmechanik

Bei dem Spiel handelt es sich um ein klassisches Action-RPG im Stile von Diablo oder Torchlight in bunter Anime-Optik. Man kann über eine Übersichtskarte einen Ort aussuchen, wo einen der aktuelle Auftrag hinführt. Dieser Ort ist, wie sollte es anders sein, mit einem Ausrufezeichen markiert. Zusätzlich gibt eine kleine Mini-Map die Richtung an. Man verliert also nie die Orientierung, auch wenn einige Level teils sehr stark verwinkelt sind.

Befindet man sich nun in einem entsprechenden Ort, steuert man in einer Third-Person-Ansicht den Hundred Knight durch die Dungeons. Dabei ist die Kamera für das Genre typisch recht weit oben, was für eine gute Übersicht sorgt, dennoch stören gerade in den Wald-Level Bäume die Sicht und auch an manch anderen Stellen gibt es kleine Einschränkungen mit dem Sichtfeld. Trotzdem ist die Übersicht weitestgehend richtig gut und mit dem rechten Analogstick können wir die Kamera drehen und neigen, um uns eine bessere Perspektive zu verschaffen. Unsere Figur kämpft sich nun durch immer größer werdende Gegner-Horden, die ebenfalls immer stärker werden. Im Gegensatz zu anderen Vertretern des Genres, ist es hier möglich, den Helden mit ganzen fünf Waffen gleichzeitig auszurüsten statt mit nur maximal zwei, wie es normalerweise üblich ist.

Im Equipment-Menü kann man insgesamt drei Sets mit jeweils fünf Waffen erstellen, wobei einem ebenso viele Typen von Waffen zur Verfügung stehen: Schwert, Stab, Hammer, Lanze und Speer. Jede Waffe hat dabei eine typische Eigenschaft wie zum Beispiel „Magic“ (Magie) oder „Blunt“ (Stumpfer Schlag). Auch gibt es Gegner, die immun gegen gewisse Eigenschaften sind, sodass sich eine Mischung aus verschiedenen Waffentypen anbietet. So großzügig man bei den Waffen ist, so eingeschränkt ist man dann wieder bei den anderen Ausrüstungsgegenständen. Gerade mal zwei Protektoren und zwei Talismane können angelegt werden, die für körperlichen und magischen Schutz sorgen oder vor Krankheiten schützen.

Unterwegs finden wir auch viele Items, die entweder durch bekämpfte Monster gedroppt werden oder in Schatztruhen zu finden sind, die überall auf der Welt verteilt sind. Bei den Waffen und Ausrüstungsgegenständen gibt es verschiedene Klassen: Common, Rare, Epic und Legendary. Je nach Klasse können unterschiedlich viele Upgrades durchgeführt werden. So lohnt es sich eher, Gegenstände auszurüsten, die der Klasse Epic oder Legendary angehören. Die Gegenstände sammelt der Hundred Knight zum großen Teil in seinem Magen ein, der am Anfang nur zum Teil genutzt werden kann. Um dies zu ändern, müssen wir sogenannte Stomach-Stones finden, die den Magen dann Stück für Stück vergrößeren. Diese befinden sich meist in den großen schwarzen Schatzkisten, die für gewöhnlich nur besondere Gegenstände beinhalten und demnach nicht überall gefunden werden können.

Natürlich wird der Magen trotzdem recht schnell wieder voll, sodass wir nicht alles einsammeln können. Haben wir nun zum Beispiel viele unbrauchbare Items eingesammelt und keinen Platz mehr für die guten Sachen, so muss der Magen mit speziellen Items wieder geleert werden. Gegenstände im Magen können übrigens nicht genutzt werden. Um Items nutzen zu können, muss unser kleiner Ritter erst einmal wieder zum Sumpf zurück, um dort die Gegenstände wieder aus seinem Magen zu holen (das geschieht vollkommen automatisch). Daher können wir neue Waffen oder Items nicht sofort nutzen, was manchmal ein wenig nervig sein kann. Wenn der Hundred Knight kämpft oder rennt verbraucht er etwas von seiner Ausdauer. Ist diese aufgebraucht, so fällt er um und kann sich für wenige Sekunden nicht mehr bewegen, wodurch er schutzlos den Angriffen seiner Feinde ausgeliefert ist. Daher sollte man stets auf den Kreis um ihn herum im Auge behalten, der die aktuelle Ausdauer des Helden anzeigt.

Sobald die Spielfigur getroffen wird, erleiden sie Schaden und die HP-Leiste wird kleiner. Das ist aber nicht schlimm, denn die Figur heilt vollkommen automatisch wieder, was durch das Drücken der L3-Taste sogar noch beschleunigt werden kann. Viel wichtiger ist allerdings die GigaCals-Anzeige, denn diese zeigt an, wie lange unser Held sich vom Sumpf fernhalten kann. Diese leert sich durchgehend immer mehr. Ist der Hundred Knight in einen Kampf verwickelt oder rennt er, werden mehr Kalorien verbraucht. Es handelt sich dabei quasi um eine Art Zeitlimit, denn sobald diese verbraucht ist, hat der Held nur noch wenige Sekunden Zeit, sich wieder zum Sumpf zu begeben, sonst ist es für ihn gelaufen und er verliert alle Sachen, die er bis dahin in seinem Magen eingesammelt hat sowie 50% der bisher er verdienten Erfahrungspunkte. Das kann sehr stressig werden, wenn wir nicht schnell einen Checkpoint finden, von dem aus wir uns zurück zum Sumpf teleportieren können. Wenn er hingegen nur seine HP-Leiste verbraucht hat, verliert er nur einen Gegenstand, den er bisher gesammelt hat und wir können vom dem letzten Checkpoint an weiterspielen.

Die GigaCals können durch bestimmte Items oder aber auch durch das Konsumieren von Gegnern wieder aufgeladen werden. Wenn wir auf Monster einschlagen, bis sie nur noch etwa 10 Prozent ihrer Energie haben, können wir diese verschlingen und füllen damit die GigaCals-Leiste Stück für Stück wieder auf. Im Kampf hat der Hundred Knight noch ein paar besondere Tricks auf Lager. Während man kämpft lädt sich die AP-Leiste langsam auf, die so ähnlich funktioniert wie bei Prügelspielen die Super-Leiste. So können wir auf Knopfdruck einen besonders starken Schlag ausführen. Dann gibt es da noch „Chaos Revelation“, was die gesamte AP-Leiste verbraucht. Sobald das gestartet ist, steigt Kampfkraft und Verteidigung besonders stark an, was die Spielfigur extrem stark macht, was allerdings rasend schnell Kraftreserven verbraucht. Da nach dem Starten sich „Chaos Revelation“ nicht mehr beenden lässt, sollte man sich das eher für fordernde Boss-Kämpfe aufheben, da wir sonst sehr schnell alle unsere GigaCals verbraucht haben. Dann gibt es da noch den „Mystical Dodge“. Bei einem rechtzeitigen Ausweichen vor einer gegnerischen Attacke wird die Zeit um uns kurz verlangsamt und wir können uns in normaler Geschwindigkeit weiterbewegen und die Gegner mit härteren Schlägen bekämpfen (Bayonettas „Witch Time“ lässt grüßen).

Unterwegs erreicht der Hundred Knight immer wieder kleinere Säulen, die als Checkpoint dienen und von denen man sich an jeden beliebigen anderen Checkpoint auf der aktuelle Karte teleportieren kann. Man kann auch das aktuelle Level verlassen, um die Erfahrungspunkte zu sichern und das Spiel zu speichern. Abseits der Story gibt es noch den „Tower of Illusion“, wo sich eine kleine ganz eigene Geschichte abspielt. In diesem Turm bekämpft man pro Etage mehrere Räume mit Gegnern, die mit aufsteigender Etage immer stärker werden. Vor jeder neuen Etage erwartet einem zudem noch ein größerer Boss-Gegner, der den Weg versperrt. Das kennen Spieler der Disgaea-Reihe noch aus der Item World.

Technik

In der Neuauflage von The Witch and the Hundred Knight für die PS4 ist spielerisch alles beim Alten geblieben, aber zum ersten Mal erstrahlt das Spiel in der Full-HD Auflösung. So kommen die knalligen Farben der bunten Welt der Sumpfhexe besonders schön zur Geltung. Nahezu jedes Level strotzt vor kräftigen Farben und einer detailverliebten Umgebung, die durch zahlreiche Monster dynamisch und lebendig wirkt.

Dennoch kommt The Witch and the Hundred Knight nie ganz an die Klasse von Diablo III heran. Das muss es aber auch nicht, denn das Artdesign ist wunderschön und ganz anders in Szene gesetzt als beim direkten Konkurrenten. Erzählt wird die Geschichte um Metallia und ihren Freunden in zahlreichen Zwischensequenzen, die zwar nur in Nippon Ichi typischer Manier durch schicke Anime-Bildchen erzählt werden, aber das in wunderschöner und atmosphärischer Art. Dabei stammt das Design wieder aus der magischen Feder von Takehito Harada, dessen Stil man sogleich wiedererkennt. Die Zwischensequenzen sind nahezu alle vertont. Dabei gibt es die Auswahl zwischen englischer und japanischer Sprache, wobei die japanische Sprachausgabe etwas besser besetzt ist, aber auch die englische Vertonung ist wirklich gelungen. Während der Dialoge werden die Figuren entsprechend in einem Bild dargestellt, die sich je nach Situation anpassen. Zum Teil bewegen sich auch noch die Lippen zur gesprochenen Sprache, allerdings täuscht das nicht darüber hinweg, dass es sich nur um statische Bilder handelt.

Leider bleiben die einzig auszuwählenden Sprachen bei Ton und Text Japanisch und Englisch, sodass Spieler ohne Sprachkenntnisse in diesen zwei Sprachen nicht viel vom Spiel haben dürften. Die Musikuntermalung dagegen ist wunderschön. Es gibt viele lebendige Stücke, die das Geschehen perfekt untermalen und betonen. Auch hier fühlt man sich wieder stark an Disgaea-Spiele erinnert, welche sehr ähnliche Stücke beinhalten.

Fazit

The Witch and the Hundred Knight ist eine wahre Perle für Action-RPG-Fans. Allerdings sollte man sich mit dem japanischen Stil schon anfreunden können, da das gesamte Game genau durch dieses Artdesign besticht. Dies könnte viele Spieler abschrecken. Wer sich aber darauf einlässt erlebt einen wundervollen japanischen Diablo-Klon. Wirklich störend sind nur die ständigen Ladezeiten zwischen den einzelnen Leveln. Möchte man nur mal kurz die gesammelten Items sicher ins Haus der Hexe transportieren und den Spielstand speichern, muss man den Ladebildschirm ertragen. Sowas ist auf einer PlayStation 4 eigentlich nicht mehr zeitgemäß, zumal das Gebotene das ständige Laden einer Level nicht wirklich rechtfertigt. Doch darüber kann man hinweg sehen, wenn man sich auf das Spiel einlässt und nicht schnell von einem Ort zu einem anderen reisen möchte.

Kleinigkeiten wie die putzige, unverständliche Sprache vom Hundred Knight, die durch den Controller-Lautsprecher ertönt, und lustige Zwischensequenzen abseits der Story im Haus der Hexe sorgen für genug Heiterkeit, um über diverse Schwächen hinwegzutrösten. Wer eine gute Alternative zu Diablo mit einer guten Geschichte sucht und vor dem Anime-Stil nicht zurückschreckt, kann bedenkenlos zugreifen. Zumal die Revival-Edtion nicht zum Vollpreis sondern zu einem günstigeren Preis auf dem Markt kommt.

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