Test – Toukiden: Kiwami

Einleitung   Toukiden (was soviel wie “Die Legende der Dämonentöter” bedeutet) gehört zu einem von […]

Einleitung

 

Toukiden (was soviel wie “Die Legende der Dämonentöter” bedeutet) gehört zu einem von Monster Hunter begründeten Genre, das leider keinen eigenen Namen genießt (im Gegensatz zu Metroidvania, z.B.). In Ermangelung einer Bezeichnung könnte man von Monsterhunteroiden sprechen oder von Bosskampf-orientierten Actionspielen mit Rollenspielelementen. Fokus solcher Titel, zu denen etwa auch Soul Sacrifice, Ragnarok Odyssey oder Gods Eater Burst gehören, liegt auf dem Bekämpfen übermächtiger Gegner, die in der Regel auch körperlich groß sind. Ihre Attacken sind für gewöhnlich verheerend und ein Reiz des Genres ist es, die Animationen und Angriffe der Gegner richtig zu lesen, um im richtigen Augenblick zuzuschlagen. Was auf dem Papier trocken klingt, ist in der Praxis eine süchtigmachende Formel, die den Spieler permanent fordert und anspornt. Außerhalb der Kämpfe ist der Spieler oftmals damit beschäftigt, Material für neue Ausrüstung zu sammeln – natürlich auch aus Bestandteilen der erlegten Feinde. Im Laufe der Rezension werden laufend Vergleiche mit Monster Hunter gezogen. Das ist zwar nicht immer fair, aber es wäre naiv, Toukiden zu betrachten, ohne Monster Hunter als Genrebegründer zu berücksichtigen.

Technik und Atmosphäre

Das Erste was auffällt, wenn man Toukiden: Kiwami startet, ist, dass es wunderschön ist. Omega Force haben ganze Arbeit geleistet, alles aus der PS Vita zu holen und gleichzeitig dabei eine stabile Framerate beizubehalten. Einbrüche konnte ich nur in wenigen Szenen mit vielen Charakteren feststellen, die aber Dialogsituationen darstellten und kein Gameplay beinhalteten. Die Gefechte selbst laufen durchgehend mit guter Bilderzahl. Angenehm fällt die Grafik in den Gebieten mit gedimmten oder farbigen Licht auf, alles wirkt authentisch und sauber für ein drei Jahre altes Handheld-Gerät. Da kann Monster Hunter 4 Ultimate auf dem Nintendo 3DS nicht im Geringsten mithalten: Die Texturen sind matschig und gerne sinkt die Framerate während Kämpfen auf gefühlte 15-20 FPS – fatal, wenn schnelle Reaktionen gefragt sind. Im Übrigen ist Toukiden: Kiwami für PS Vita und PS4 erhältlich und bietet Cross-Play an, d.h. ich kann auf der Vita mit meinen Freunden spielen, wenn sie die PS4-Version besitzen.

Toukiden: Kiwami bettet sein Gameplay in eine solide Handlung ein. Es spielt im feudalen Japan, das acht Jahre zuvor von einem Ereignis, das als “The Awakening” bekannt wurde, heimgesucht wurde und seitdem ist die Menschheit an der Grenze der Ausrottung, denn Oni, Dämonen aus der japanischen Folklore, durchstreifen das Land und bekämpfen die Menschen. Einzig eine Organisation, die als die “Slayer” bekannt sind, ist in der Lage, die Oni zu bekämpfen. Selbstverständlich spielt man einen solchen Slayer. Als Fremder wird man in das Dorf Utakata geworfen und muss sich den Respekt der Kameraden erst verdienen. Durch die ausgezeichnete japanische Vertonung (englische Untertitel) wird eine kräftige Atmosphäre aufgebaut, untermalt vom stets sehr passenden Soundtrack. Die Charaktere halte ich keineswegs für generisch und sie wachsen einem ans Herz, zumal sie nicht einseitig gezeichnet werden. Der Ninja Hayatori etwa präsentiert sich als trockener und stets pflichtbewusster harter Kerl aus dem Bilderbuch, bis er plötzlich meinen Tenko, ein fuchsartiges Haustier, bemerkt und von seiner Flauschigkeit überwältigt wird. Im Laufe der Handlung werden alle Charaktere mit ihren Konflikten reichlich beleuchtet, sodass zwischen den eigentlichen Kämpfen nie Langeweile auftritt. In der neuen Kampagne wird dies auch konsequent weitergeführt.

Spielablauf

Gameplaytechnisch glänzt Toukiden durch geschmeidige und schnelle Kämpfe mit vielen Effekten – typisch Omega Force eben. Die Hitboxen der Oni sind durch das Eye of Truth klar ersichtlich, ebenso die Lebenspunkte und der Schild. Um den Oni verletzen zu können, muss man entweder dessen Schild reduzieren oder Körperteile abschlagen, um seine eigentliche Essenz anzugreifen; in der Praxis wendet man eine Kombination aus beidem an. Leider erweisen sich die Oni als wahre Damage Sponges, d.h. sie sind in der Lage, sehr viel Schaden aufzusaugen. Das macht die Kämpfe besonders im späteren Verlauf etwas monoton, da man minutenlang den Koloss bearbeitet und zuschaut, wie der HP-Balken sinkt. Obwohl die Oni an sich großen Schaden anrichten, lernt man rasch, dass es nicht lohnt, jedem Angriff auszuweichen. Für gewöhnlich ist man in einer Gruppe mit drei NPC-Alliierten unterwegs und diese sind in der Lage, den Spieler nahezu unbegrenzt wiederzubeleben. Dadurch wird Toukidens Stärke, nämlich dass Kameraden verwaltet werden und als Gleichberechtigte mit dem Spieler kämpfen, zu einer seiner Schwächen. Es nimmt nämlich nicht nur reichlich Schwierigkeitsgrad heraus, sondern macht die Kämpfe zu langwierigem Button-Mashing ohne größeres Risiko. Im Grunde ist das der Hauptkritikpunkt an Toukiden: Kiwami. Mehr Verwundbarkeit und ein weniger verzeihendes Wiederbelebungssystem hätten deutlich Pfeffer reingebracht.
Der Spieler bearbeitet nicht nur mit seiner Waffe aus insgesamt neun Klassen die Oni, sondern auch kraft seines Mitamas. Dabei handelt es sich um Seelen verstorbener Slayer, die ihrem Träger aktive und passive Fähigkeiten verleihen. Zehn Kampfstile, wie etwa Healing, Support oder Attack, stehen zur Wahl und beeinflussen das Vorgehen des Spielers maßgeblich. Außerdem leveln sie mit und erhalten im Laufe ihrer Entwicklung neue passive Boni, die miteinander kombiniert werden können. Es ist ein sehr gut funktionierendes System, das Synergien und Planung belohnt. Die Waffen selbst heben sich alle stark voneinander ab und zwischen Einsätzen kann nach Belieben gewechselt werden. Zur Verfügung steht das Schwert, der Speer, doppelte Dolche, schwere Panzerhandschuhe, das Kusarigama (Sichel und Kette) und der Bogen. Mit Kiwami kamen noch die Naginata, das Kanabo (schwere beschlagene Keule) und ein Repetiergewehr hinzu. Praktisch jeder Oni hat sein eigenes Rüstungsset und entsprechend eine Waffe in jeder Klasse. Die Vielfalt ist dadurch gewaltig und das Sammeln macht Spaß, da man deutlich weniger grinden muss als etwa bei Monster Hunter.

Fazit

Toukiden: Kiwami ist ein ausgezeichnetes Produkt für den Liebhaber klassischer Omega Force-Titel – es gibt non-stop buntes Gekloppe mit ordentlichem Treffer-Feedback. Wer einen Ersatz für Monster Hunter auf Sony-Geräten sucht, wird zwar gut bedient, wird aber womöglich vom geringen Schwierigkeitsgrad enttäuscht. Dafür spielt Toukiden: Kiwami ganz andere Stärken aus: eine tolle Atmosphäre und eine Handlung mit lebhaften Charakteren. Die fehlende Notwendigkeit, ein und dasselbe Monster immer wieder zu erschlagen, nur um an einen seltenen Drop zu kommen, entfällt auch, sodass weniger repetitiver Grind stattfindet. Die Mitama sowie die zahlreichen und liebevoll gestalteten Ausrüstungsgegenstände laden zum Ausprobieren ein und die Hemmschwelle, etwas Neues auszuprobieren, ist viel geringer als bei Monster Hunter. Dadurch ist Toukiden: Kiwami für mich ein leichter zugängliches, mythologisch angehauchtes Monster Hunter, das aber leider etwas Tiefe opferte.

 

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