Toukiden: Kiwami
Einleitung Toukiden (was soviel wie „Die Legende der Dämonentöter“ bedeutet) gehört zu einem von Monster Hunter begründeten Genre, das leider keinen eigenen Namen genießt (im Gegensatz zu Metroidvania, z.B.). In Ermangelung einer Bezeichnung könnte man von Monsterhunteroiden sprechen oder von Bosskampf-orientierten Actionspielen mit Rollenspielelementen. Fokus solcher Titel, zu denen etwa auch Soul Sacrifice, Ragnarok […]
Einleitung

Technik und Atmosphäre

Toukiden: Kiwami bettet sein Gameplay in eine solide Handlung ein. Es spielt im feudalen Japan, das acht Jahre zuvor von einem Ereignis, das als „The Awakening“ bekannt wurde, heimgesucht wurde und seitdem ist die Menschheit an der Grenze der Ausrottung, denn Oni, Dämonen aus der japanischen Folklore, durchstreifen das Land und bekämpfen die Menschen. Einzig eine Organisation, die als die „Slayer“ bekannt sind, ist in der Lage, die Oni zu bekämpfen. Selbstverständlich spielt man einen solchen Slayer. Als Fremder wird man in das Dorf Utakata geworfen und muss sich den Respekt der Kameraden erst verdienen. Durch die ausgezeichnete japanische Vertonung (englische Untertitel) wird eine kräftige Atmosphäre aufgebaut, untermalt vom stets sehr passenden Soundtrack. Die Charaktere halte ich keineswegs für generisch und sie wachsen einem ans Herz, zumal sie nicht einseitig gezeichnet werden. Der Ninja Hayatori etwa präsentiert sich als trockener und stets pflichtbewusster harter Kerl aus dem Bilderbuch, bis er plötzlich meinen Tenko, ein fuchsartiges Haustier, bemerkt und von seiner Flauschigkeit überwältigt wird. Im Laufe der Handlung werden alle Charaktere mit ihren Konflikten reichlich beleuchtet, sodass zwischen den eigentlichen Kämpfen nie Langeweile auftritt. In der neuen Kampagne wird dies auch konsequent weitergeführt.
Spielablauf

Der Spieler bearbeitet nicht nur mit seiner Waffe aus insgesamt neun Klassen die Oni, sondern auch kraft seines Mitamas. Dabei handelt es sich um Seelen verstorbener Slayer, die ihrem Träger aktive und passive Fähigkeiten verleihen. Zehn Kampfstile, wie etwa Healing, Support oder Attack, stehen zur Wahl und beeinflussen das Vorgehen des Spielers maßgeblich. Außerdem leveln sie mit und erhalten im Laufe ihrer Entwicklung neue passive Boni, die miteinander kombiniert werden können. Es ist ein sehr gut funktionierendes System, das Synergien und Planung belohnt. Die Waffen selbst heben sich alle stark voneinander ab und zwischen Einsätzen kann nach Belieben gewechselt werden. Zur Verfügung steht das Schwert, der Speer, doppelte Dolche, schwere Panzerhandschuhe, das Kusarigama (Sichel und Kette) und der Bogen. Mit Kiwami kamen noch die Naginata, das Kanabo (schwere beschlagene Keule) und ein Repetiergewehr hinzu. Praktisch jeder Oni hat sein eigenes Rüstungsset und entsprechend eine Waffe in jeder Klasse. Die Vielfalt ist dadurch gewaltig und das Sammeln macht Spaß, da man deutlich weniger grinden muss als etwa bei Monster Hunter.
Fazit
Toukiden: Kiwami ist ein ausgezeichnetes Produkt für den Liebhaber klassischer Omega Force-Titel – es gibt non-stop buntes Gekloppe mit ordentlichem Treffer-Feedback. Wer einen Ersatz für Monster Hunter auf Sony-Geräten sucht, wird zwar gut bedient, wird aber womöglich vom geringen Schwierigkeitsgrad enttäuscht. Dafür spielt Toukiden: Kiwami ganz andere Stärken aus: eine tolle Atmosphäre und eine Handlung mit lebhaften Charakteren. Die fehlende Notwendigkeit, ein und dasselbe Monster immer wieder zu erschlagen, nur um an einen seltenen Drop zu kommen, entfällt auch, sodass weniger repetitiver Grind stattfindet. Die Mitama sowie die zahlreichen und liebevoll gestalteten Ausrüstungsgegenstände laden zum Ausprobieren ein und die Hemmschwelle, etwas Neues auszuprobieren, ist viel geringer als bei Monster Hunter. Dadurch ist Toukiden: Kiwami für mich ein leichter zugängliches, mythologisch angehauchtes Monster Hunter, das aber leider etwas Tiefe opferte.