Test – Tropico 6

El Presidente ist zurück! Mit einem neuen Entwickler, vielen alten aber auch neuen Features dürfen die Spieler wieder die eigenen Diktator-Fantasien ausleben und eine kleine Insel-Kolonie in ein blühendes Tropenparadies verwandeln.

Vorweg: Dies ist ein Gastbeitrag von Mathias Ratzer zu finden als CJThomsen auf Twitch.tv

Das kleine deutsche Studio Limbic Entertainment, die zuvor für einige Spiele der Reihe Might & Magic verantwortlich waren, durften sich für Publisher Kalypso Media nun an der Tropico-Serie versuchen. Dies ist für die Reihe keine Besonderheit, da lediglich der vierte und fünfte Teil vom selben Entwickler stammten. Trotzdem waren alle Spiele immer erfolgreich bei den Kritikern und, wenn auch mit leichten Höhen und Tiefen, ebenfalls bei den Spielern.

Mit dem neuesten Teil ändert sich am grundlegenden Spielprinzip zunächst nicht viel. Zum Glück, denn dieses ist es ja, was Tropico von anderen, klassischeren Städteaufbausimulationen wie der SimCity-Reihe, unterscheidet. Ihr startet als Präsident auf einer Insel mit dem nötigsten an Infrastruktur, einer kleinen Menge Geld und eurem großen Palast. Diesen dürft ihr übrigens nun erstmals individualisieren. So könnt ihr die Anordnung der Gebäude ändern, die Farbe der Fassade und verschiedene Deko-Objekte im Garten platzieren. Dies gilt übrigens auch für euren Präsidenten, der nun neuartig auch weiblich sein kann. Für beides schaltet ihr im Laufe des Spiels noch mehr Anpassungsmöglichkeiten frei, diese bleiben aber stets nur optischer Natur, haben also keinen Einfluss auf das Gameplay. Einzig die Charakterzüge eures Präsidenten können euch, wie in den Teilen zuvor, kleinere Vorteile im Spiel bringen, die ihr passend zu eurem Spielziel wählen könnt.

Habt ihr euren Diktator erstellt, könnt ihr an sich zwischen zwei Spielmodi wählen. Da gibt es das klassische Sandkastenszenario, dass euch spielen lässt, bis ihr abgewählt werdet, oder ihr versucht euch an den zig Missionen. Im freien Spiel könnt ihr zunächst ein paar Einstellungen für eure Insel festlegen. Größte Neuerung ist dabei, dass ihr nun mehrere Inseln auf einmal bewirtschaften könnt und nicht nur eine große. Diese könnt ihr über Schiffe oder mittels großer Brücken miteinander verbinden, sodass die Rohstoffe problemlos überall hin transportiert werden können. Und wer genau hinschaut, entdeckt auf den Karten auch viele kleine, liebevoll eingesetzte Easter Eggs, wie zum Beispiel einem Smiley in einem Vulkankrater. Ist man mit den Grundeinstellungen zufrieden, begegnet man dem ersten größeren Problem des Spiels, nämlich den Ladezeiten. Diese dauern in der Regel ein bis zwei Minuten, sind aber zum Glück nur beim Spielstart vonnöten. Nur, dass man am Ende noch eine Taste drücken muss, um fortzufahren, sollte man nicht vergessen, sonst wartet man noch länger als eigentlich nötig.

Die Missionen unterscheiden sich vom Sandkastenmodus darin, dass sie quasi nur eine begrenzte Spielzeit haben. Sind alle Aufgaben einer Mission abgeschlossen, kann man die nächste starten oder noch auf der Insel weiterspielen, allerdings ohne wirklichen Mehrwert. Besonders ist daran noch, dass jede Mission eine eigene Thematik hat. So müsst ihr in einer davon viel Gold mit Piraten schmuggeln, in einer anderen den Ausbruch eines Atomkrieges verhindern. Insgesamt bieten die Missionen thematische eine große Vielfalt, große Auswirkung auf das eigentliche Gameplay haben sie allerdings leider nicht. Hinzukommt, dass einzelne Aufgaben innerhalb der Missionen sich gerne mal ziehen. Muss man zum Beispiel einen Zufriedenheits-Wert der Bevölkerung auf ein bestimmtes Niveau bringen. Dies kann unter Umständen sehr lange dauern, da die benötigten Werte ab einem gewissen Punkt nur noch schwer zu steigern sind.

Als Beispiel möchte ich hier eine Mission nennen, bei der ich gegen Ende den Freiheitswert in der Bevölkerung auf 80 bringen musste. Um diesen Wert zu erhöhen, muss man möglichst wenig Militär und gleichzeitig aber viele Medien haben. Ich riss also alle Grenzposten ab und ließ weitere Fernsehstationen und Büchereien bauen. Der Wert begann langsam von einem durchschnittlichen 50 auf circa 65 zu steigen und stagnierte aber dann dort. Ich schaute also im Almanach, einer Art Enzyklopädie über alle Details im aktuellen Spiel, nach und suchte nach dem Freiheitswert. Dort stand dann, dass mein Palast den Wert verringern würde. Problem dabei ist aber, dass ein Abreißen eben jenes Palastes ein Game Over zur Folge hätte. Die einzige Lösung war also, an jeder Straßenecke und neben jeder Bruchbude eine Bücherei zu bauen, nur um endlich diesen unrealistischen Freiheitswert zu erreichen. Nachdem ich also Stunden an dieser einen Aufgabe gesessen habe, war die Mission vorbei und mir viel auf, dass es keinerlei Erfolgsgefühl auslöste. All die Arbeit und dann war es einfach vorbei.

Insgesamt ist die gesteigerte Komplexität aber ein großes Plus, vor allem für Fans der Reihe. Mit neuen Features wie dem Broker, der euch für Geld aus eurem privaten Schweizer Nummernkonto weitere Vorteile verschaffen kann und den Raids, die euch mittels Piraten oder Agenten Rohstoffe, Einwohner oder sogar Weltwunder und Monumente wie das Brandenburger Tor beschaffen können, habt ihr viele neue Möglichkeiten, eure Ziele zu erreichen. Durch verbesserte Effizienz bei euren Transportern und Bauarbeitern geht dies nun auch mit weniger Frustpotenzial. Eine meiner Lieblingsneuerung geht mit der Rückkehr eines Features aus Teil 4 einher. In Tropico 6 ist es nun wieder möglich, vor einer Wahl mit einer Rede das Volk auf eure Seite zu ziehen. Nun müsst ihr euch aber gut überlegen, was ihr euren Leuten sagt. Denn habt ihr die Wahl gewonnen, fordern diese nun das Einhalten eurer Wahlversprechen. Schafft ihr dies in der vorgegebenen Zeit nicht, wirft das ein schlechtes Licht auf euch und ihr könnt bei der nächsten Wahl keine neuen Versprechen machen!

Allerdings kommt auch der neue Teil nicht ohne ein paar Probleme daher. Da wären Kleinigkeiten, wie kurze Lags beim automatischen Speichern oder visuelle Probleme, wenn Menschen über Wasser laufen und Schiffe durcheinander durchfahren. Sehr nervend war auch, dass die Spielgeschwindigkeit sich nach einigen Events wie Wahlreden zurücksetzt, was nicht immer sofort bemerkbar ist. Auch die Musik, die immer ein Highlight war bei den Tropico-Spielen, ist dieses Mal leider nicht so einprägsam wie sonst. Hinzu kommt, dass die Radioshow, die mit eurem treuen Assistenten Penultimo und der Moderatorin Sunny Flowers in Tropico 4 immer für viel Unterhaltung gesorgt hat, nun fast gänzlich fehlt.

Fazit

Wie gut ist Tropico 6 jetzt schlussendlich? Für die meisten Fans ist es sicherlich ein durchaus gelungenes Sequel. Sinnvolle Verbesserungen, interessante Neuerungen und alles, was die vorherigen Teile so besonders gemacht hat. Doch trüben meiner Meinung nach viele Kleinigkeiten den Spielspaß bei längeren Spielsessions zu sehr, um hier wirklich von einem durch und durch grandiosen Spiel sprechen. Dennoch ist Tropico 6 ein guter Teil und würdiger Nachfolger in der Tropico-Serie, deren Höhepunkt für mich persönlich aber immer noch im viertel Spiel liegt.
Positiv
  • Erstmals weibliche Präsidentin
  • Individualisierungsmöglichkeiten der Präsidenten und Gebäude
  • Gute Komplexität
Negativ
  • Längere Ladezeiten und Graphik-Glitches
  • Missionsziele teilweise unnötig schwer
  • Musik weniger eindrucksvoll
Ähnliche Beiträge
Kommentare

Was denkst du darüber?

Schlagwörter:Tropico