Test – Warhammer End Times: Vermintide

Es gibt bereits eine ganze Bandbreite an Warhammer-Spielen, die viele Aspekte des Universums abdecken. Zum […]

Es gibt bereits eine ganze Bandbreite an Warhammer-Spielen, die viele Aspekte des Universums abdecken. Zum Glück bietet dieses mehr als genug Stoff und Vorlagen für noch viele andere Titel, ohne Kopien erschaffen zu müssen.

Mir wurde das Spiel mit der Aussage „Das ist wie Left 4 Dead 3!“ empfohlen – was mich aufgrund des schon auf den ersten Blick erkennbar anderen Settings doch etwas skeptisch werden ließ. Ich würde auch nachwievor nicht so weit gehen und das Spiel tatsächlich so zu betiteln – wie man Valve kennt, werden auch frühestens unsere Enkel einen dritten Teil erleben – sondern eher als „Left 4 Dead: Fantasy Edition“. Wer je Gefallen an einem der beliebten Zombie-Teilen gefunden hat, wird auch mit Vermintide von Fatshark (unter anderem War of the Roses) seinen Spaß haben.

Die Story

Warhammer: End Times – Vermintide befasst sich – wie der Name erahnen lässt – mit den Endzeiten der Welt aus Warhammer Fantasy. Die Götter sind ihres Spieles überdrüssig und vernichten auf die ein oder andere Weise die Welt, beginnend mit einer Ratten- Skaven-Plage in Ubersreik. Wie der Namenszusatz Vermintide schön tituliert, bricht eine ganze Flut an Ungeziefer in Form von Skaven über die Stadt herein und hat sie in kurzer Zeit nahezu zu Schutt und Asche verarbeitet.

Ein kleiner Ausblick auf den Hafen des mit Ratten infizierten Ubersreik.

Hier kommt der Spieler ins Spiel (no pun intended): Nicht jeder lässt sich die Launen der Götter gefallen. So gibt es noch eine Gruppe bunt zusammengewürfelter (Anti-) Helden, die tatsächlich versucht, den Weltuntergang aufzuhalten. Oder zumindest die Vermintide zu stemmen. Dieser Zweckverbund aus den fünf Charakteren Krillian (Elfe, Waywatcher), Markus Kruber (Empire Soldier), Bardin Goreksson (Zwerg, Dwarf Ranger), Victor Saltzpyre (Witch Hunter) und Sienna Fuegonasus (Bright Wizard) schlägt sich daraufhin in diversen Missionen durch eine Unmenge an Skaven, um verschiedene Aufgaben zu lösen. Natürlich nicht, ohne in Left 4 Dead-Manier mehr oder weniger passende Kommentare zur momentanene Situation oder den anderen Charakteren abzugeben.

Die Gegner

Letztendlich handelt es sich bei Skaven, wie auch für Neulinge im Warhammer-Universum dank der vielen Anspielungen vermutlich schon klar geworden ist, um eine Art Humanoiden in der Gestalt von Ratten. Um den vorherigen Left 4 Dead-Vergleich wieder heranzuziehen – nein, der Anblick ist keinesfalls angenehmer als der der Zombies in besagtem Vorbild.

Rat Ogres sollte man am besten wie Tanks mit allem Explosiven bekämpfen, was man hat.

Doch die mangelnde Attraktivität der Gegner ist nicht die einzige Parallele, die man hier finden kann: Ähnlich den Special Infected in Left 4 Dead gibt es auch in Vermintide Skaven mit besonderen Fähigkeiten, die denen in Valves Zombiehatz – oh Überraschung – auch stark ähneln. Statt dem Hunter gibt es hier Gutter Runner, die ahnungslose Helden anfallen. Die Rolle des Jockeys wird nicht weniger kompetent von der des Packmasters übernommen – dieser hakt sich mit einer Stange bei seinem Opfer ein und verschleppt es, um es in einer dunklen Ecke zum Abhängen aufzustellen. Anstatt des Tanks hat man sich an einem nicht minder massigen Rat Ogre die Zähne auszubeißen und was der Boomer mit Kotze verursacht, erreicht eine Ratte mit der umständlichen Bezeichnung Poison Wind Globadier. Neu ist allerdings tatsächlich der Ratling Gunner. Ja, der Name ist Programm: Dieser Gegner ist mit einem schweren Maschinengewehr ausgestattet und am treffendsten als „laufender Geschützturm“ zu bezeichnen. Für Left 4 Dead-Veteranen werden die Kämpfe dementsprechend nichts Neues darstellen, weniger Spaß machen sie deshalb aber durchaus nicht.

Die Gestaltung der Gegner ist durchaus gelungen. Allzu häufig sieht man einen Typ Gegner in Spielen und fühlt sich, als stünde man einer Copy&Paste-Armee gegenüber. Nicht so hier. Von nackten und haarigen Ratten über welche mit rudimentärer Kleidung bis hin zur schweren Panzerung, alle mit unterschiedlichen Waffen ausgestattet, ist hier eigentlich alles vertreten, was Kämpfe gegen die Skaven auch optisch abwechslungsreicher gestaltet. Und glücklicherweise – anders als in der deutschen Version von Left 4 Dead – wurde nicht an Gore-Effekten gespart.

Die Missionen

Home Sweet Home – die Taverne als Ausgangspunkt von jeglicher Aktivität.

Die Gruppe (oder auch der Einzelspieler) startet zunächst immer in der Taverne, seinem Zufluchtsort. Dort befindet sich eine Truhe, die als Inventar fungiert und die Ausrüstung wechseln lässt, eine Schmiede und ein Altar zum Aufwerten von Gegenständen. Außerdem natürlich eine Karte, um seine nächste Mission auf dem gewünschten Schwierigkeitsgrad auszuwählen. Alle fünf Helden haben ihren eigenen Raum, der auch tatsächlich auf den jeweiligen Charakter optisch zugeschnitten ist. Auch, wenn es fünf spielbare Charaktere gibt, sind alle Missionen nur für vier ausgelegt. Es gibt keinen Unterschied zwischen Single- und Multiplayer, bei weniger als vier Spielern werden lediglich die restlichen Charaktere von Bots gesteuert.

Jede Mission beginnt mit dem aus Left 4 Dead bekannten Kameraschwenk über den Weg bis zur Gruppe eingeleitet. Aufbau der Level, Art der Missionen, Ausrüstung und Kampf erinnern ebenfalls alle stark an das große Vorbild. Gäbe es nicht doch noch einige größere Unterschiede außerhalb der Missionen an sich, könnte man es fast für einen sehr guten Mod halten. Man bewegt sich nahezu ausschließlich in und unter der Stadt Ubersreik – mit einigen Ausnahmen, die sich vor den Stadttoren abspielen. In manchen Leveln muss etwas verteidigt, in anderen Kriegsmaschinerie zerstört werden. Auch die eher unliebsamen Missionen, in welchen man Benzinkanister über die ganze Map verteilt schleppen durfte, sind in abgeänderter Form vorhanden. Statt Benzinkanistern sind es hier (im besten Fall) Getreidesäcke oder (weniger gut) Pulverfässer – werden diese angestochen, sollte man sich derer schleunigst entledigen, bevor sie einem auf den Schultern explodieren. Und dann das ganze Spiel von Neuem – same procedure as every year round, James.

Ein Skavennest mithilfe von Pulverfässern zerstören: ein Beispiel für eine Mission.

Damit man die Missionen halbwegs übersteht, liegen auch hier altbekannte Ausrüstungsgegenstände über die Maps verteilt. Vertreten ist natürlich das Standard-Arsenal mit Heiltränken beziehungsweise Bandagen, Stärke- und Speed-Tränke, Munition und Bomben.

Die Rollenspiel-Aspekte

Was Warhammer: End Times – Vermintide dann doch in erheblichem Maße von einem Left 4 Dead-Klon  abhebt, ist, dass hier einige Rollenspiel-Aspekte vertreten sind, die das Spiel noch einmal interessanter machen. Einer dieser großen Unterschiede besteht darin, dass man sich in Vermintide nicht selbst jedes Mal aufs Neue mit Waffen versorgen muss: Jeder Charakter bringt seine eigene spezielle Ausrüstung bestehend aus bis zu drei Slots für Trinkets und dem präferierten Set an Waffen mit, das auch mit neuen (und besseren) aufgestockt werden kann. Am Ende jeder erfolgreichen Mission würfelt der Spieler, um neue Waffen zu erhalten. Man geht in jedem Fall nie leer aus, selbst wenn der erwürfelte Gegenstand für einen anderen Charakter als dem eben gespielten vorgesehen ist. Doch die Wahrscheinlichkeit, etwas Seltenes zu erbeuten, steigt mit der Schwierigkeitsstufe des absolvierten Levels.

Mit etwas Glück erhält man die Chance auf einen zusätzlichen Würfel.

Um seine Chancen darauf zusätzlich zu erhöhen, sollte man auf jeder Map nach Grimoires und Tomes Ausschau halten und Kisten nach Loot durchstöbern. Mit jedem aufgehobenen Grimoire senkt sich das maximale Leben der Gruppe um ein Drittel – aber dafür garantiert bessere Ausrüstung zu erhalten, macht die zusätzliche Schwierigkeit durchaus wett. Abgesehen davon kann man an zuvor erwähnter Schmiede in der Taverne seine Waffen auch einschmelzen, aufwerten oder neu schmieden.

Zusätzlich besitzt Vermintide ein zumindest rudimentäres Levelsystem. Dabei werden nicht die einzelnen spielbaren Charaktere, sondern der Spieleraccount gelevelt. Abgesehen von der Anzahl der freigeschalteten Trinket-Slots und einem Ausweis darüber, wie viel Zeit man schon in das Spiel investiert hat, hat das Level bisher allerdings kaum Auswirkungen.

Die Grafik

Unter Ubersreik auf der Spur nach einem Skavennest.

Zugegebenermaßen bin ich niemand, der übermäßig hohe Anforderungen an die Grafik eines Spieles stellt, solange die Atmosphäre stimmt. Daher bin ich zufrieden mit dem, was selbst schon die mittlere Grafikstufe des Spiels hergibt – und mit der Grundstimmung erst recht. Was auch immer ich für Erwartungen an eine von überdimensionierten Ratten niedergebrannte mittelalterlichen Stadt oder einem Skaven-Bau gestellt haben könnte, sie wurden jedenfalls erfüllt. Auch die End Times äußern sich mehr als deutlich in den überwiegend dunkel gehaltenen Farben und dem (im Bestfall) dauerhaft zugezogenen Himmel.

Ein leider nicht selten auftretender grafischer Mangel sind die vielen Glitches und Clipping-Fehler, die das Spiel noch immer hat. Erschießt man beispielsweise einen noch kletternden Skaven, kommt es häufig vor, dass dieser deformiert an der Wand zappeln bleibt. Man kann damit leben, aber ein Fix wäre wünschenswert.

Schlusswort

Warhammer: End Times – Vermintide hat das Rad sicherlich nicht neu erfunden. Mit den guten 150 Stunden, die ich in die Left 4 Dead-Teile investiert habe, hatte ich sicherlich auch einige Déjà-vu-ähnliche Momente in Vermintide. Dennoch stellt das Kammerjäger-Dasein eine durchaus gelungene Abwechslung zur Zombie-Apokalypse dar – schon alleine durch die Ergänzung diverser aus dem klassischen Rollenspiel bekannter Aspekte. Es kann auch mal ganz angenehm sein, seine grauen Zellen nicht auf das Erlernen eines neuen Gameplays verwenden zu müssen und sich stattdessen auf mehrfach bewiesene, gute Unterhaltung zu verlassen. Mein Wunsch für die Zukunft des Spieles wären mehr Missionen, etwas mehr Bedeutung des Spielerlevels und vielleicht auch eine neue Gegnerart – schließlich mangelt es Warhammer Fantasy nicht an verdorbenen Völkern. Bis dahin habe ich allerdings weiterhin als Skaven-Jäger meinen Spaß.

 

Warhammer: End Times – Vermintide erschien am 23. Oktober 2015 bei Steam. Als Sprache ist bisher nur Englisch vorhanden.

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