Test – Worms W.M.D.

Worms W.M.D. soll der inoffizielle Nachfolger von Worms Armageddon sein. Ob es diesem Status gerecht wird, erfahrt ihr im folgenden Test!

 

Es sind nun bereits mehr als 20 Jahre vergangen seitdem die ersten vollmilitarisierten Würmer über den Bildschirm krochen und sich gegenseitig ins Jenseits ballerten. Gelöst scheinen sie den Konflikt untereinander nie zu haben, denn bis heute hat sich am Spielprinzip kaum etwas verändert. Den wohl größten Erfolg der Serie feierte der britische Entwickler Team 17 mit Worms Armageddon, das ursprünglich 1999 erschien, bis 2013 (!) noch aktualisiert und sogar für die PlayStation 3 veröffentlicht wurde. Grund genug also für einen würdigen Nachfolger. Und ein solcher will unser heutiges Testobjekt werden: Worms W.M.D.!

Selbes Rezept = Selbe Qualität?

Die Vergangenheit hat oft genug bewiesen, dass die wichtigsten Zutaten für einen erfolgreichen Nachfolger dieselben sind, die bereits im Vorgänger benutzt wurden. Dies nahm sich auch Team 17 zu Herzen. Unmetaphorisch gesprochen bedeutet dies, dass sich Worms W.M.D. sehr stark an Armageddon anlehnt, besser gesagt auf diesem aufbaut. So erwartet euch hier kein erneuter Versuch, die Würmer auf 3D-Schlachtfelder zu beordern, wie man es in der Vergangenheit des Öfteren ausprobierte – Frontschweine hat ja gezeigt, wie man so etwas perfektioniert. Nein, das Geschehen findet ganz oldschool auf 2D-Schlachtfeldern statt. Dabei ist das Hauptziel wie gewohnt die komplette Vernichtung des gegnerischen Teams, das zumeist wie das eigene aus fünf Würmern besteht. Gespielt wird wieder abwechselnd Runde für Runde, welche zumeist 30 bis 60 Sekunden dauert. Zur Verwirklichung der Wurmvernichtung steht euch ebenfalls wie gewohnt ein üppiges Waffenarsenal zur Verfügung. Die Heilige Handgranate ist selbstverständlich wieder mit dabei, genau wie verhältnismäßig langweilige, aber nicht minder nützliche Waffen wie die Bazooka, die Shotgun oder auch die einfachen Granaten. Natürlich erfordert selbst der erfolgreiche Einsatz dieser vermeintlich simplen Waffen Training und gewisse Erfahrung. Kommt dann noch ein starker Gegenwind dazu, kann es schon mal passieren, dass die abgefeuerte Rakete am Ende außerhalb der Karte irgendwo im Wasser versinkt.

Die vom Gegenwind zurück gewehte Panzerrakete schlägt in der ohnehin schon völlig zerstörten Stadtkulisse ein.

He, Li! Kopt da noch was?

Genauso schlecht wie dieser Wortwitz stünde es um Worms W.M.D. wenn dies alles wäre und man einfach nur Armageddon optisch neu aufgelegt hätte. Gott sei Dank ist Team 17 aber ein erfahrener Entwickler, springt nicht einfach nur auf den zurzeit unaufhaltsam rasenden Remastered-Zug auf und kommt mit – mehr oder weniger – neuen Ideen für die Worms-Reihe daher. So ist es in W.M.D. erstmals möglich, Fahrzeuge zu bewurmen und sich mit diesen fortzubewegen beziehungsweise mit diesen anzugreifen. Der Helikopter ist nicht nur für sein recht ungenaues und stets nur senkrecht nach unten schießendes Maschinengewehr gut, sondern eignet sich vor allem dafür, schnell von A nach C zu kommen und zwischendurch dem Gegner bei B rotzfrech seine sichergeglaubte Waffenkiste zu stibitzen. Auch cool ist der nutzbare Mech-Roboter, mit dessen Gerüst man nicht nur hervorragend vor feindlichen Angriffen geschützt ist, sondern schnell über die Karte joggen kann. Seine Stampfattacke ist ebenso nicht zu unterschätzen, kann sie Gegner im Nu über die Map hinweg in den Ozean fegen. Der Panzer ist demgegenüber relativ unspektakulär. Rollen – schießen, weiterrollen – weiterschießen. ‘n Panzer eben.

Ebenfalls neu sind die stationären Geschütze, wie zum Beispiel der Flammenwerfer, das Sniper- oder Maschinengewehr. Trotz der enormen Power der Geschütze, werden diese allerdings nicht wirklich oft praxisrelevant, da es ziemlich leicht ist, sich deren Schussbereich zu entziehen und die effektivste Taktik für das Erringen des Sieges meist eine andere als die Benutzung der stationären Geschütze darstellt.

Der Helikopter fegt mit Maschinengewehrfeuer über die feindlichen Würmer hinweg. Die Explosionsfässer tragen ihr Übriges dazu dabei.

“Was Hände bauten, können Hände stürzen.”

Obgleich dieser Satz von Friedrich Schiller vermutlich nicht in weiser Vorausahnung im Bezug auf Worms W.M.D. verfasst wurde, passt er dennoch gut auf eine weitere Neuerung, die der aktuelle Würmerkrieg mit sich bringt. Denn es ist nun möglich, diverse abgedrehte Waffen selbst während den Runden herzustellen. Das Material hierfür findet ihr in Kisten. Sollte euch eine solche nicht vergönnt sein, könnt ihr bereits im Besitz befindliche Waffen zerstören und hierdurch Craftingmaterial gewinnen. Leider ist es jedoch nicht möglich, eigene Waffen zu kreieren. Man stelle sich einen selbst gestalteten Granatwerfer vor – Munition: Heilige Handgranaten. Aber das wäre dann wohl zu viel des Guten und könnte eine nachteilige Wirkung auf die Balance des Spiels haben.

Dafür ist es den Würmern nun möglich, Häuser und andere Gebäude zu betreten und sich in diesen zu verschanzen. Klug eingesetzt, kann hierdurch ein taktischer Vorteil entstehen und man ist zumindest kurzzeitig vor den meisten gegnerischen Angriffen von außen geschützt. Allerdings können – wie alles andere in Würmern auch – die Gebäude zerstört werden.

So sieht der aktive Spieler das Haus, wenn er sich darin befindet (links). Der Gegner sieht stets nur die Fassade und kann nur mutmaßen, wo genau sich der Wurm versteckt hält (rechts).

Alte Modi, neues Glück

Worms W.M.D. wartet mit diversen bekannten Spielmodi auf und macht seine Sache dahingehend solide. Der Karrieremodus besteht aus 30 voneinander unabhängigen Aufträgen. Pro Auftrag gibt es eine Hauptaufgabe, die meistens darin besteht, das gegnerische Team auszulöschen. In weiteren optionalen Nebenaufgaben könnt ihr eure Fähigkeiten detaillierter auf die Probe stellen. Einen wählbaren Schwierigkeitsgrad gibt es nicht, wodurch Team 17 auf das klassische “je weiter du kommst, desto schwieriger wird’s” gesetzt hat. Bis zum Ende ist aber alles auch für Einsteiger machbar. Besonders zu gefallen weiß der Trainingsmodus. Dieser besteht aus zehn Einsteigerübungen sowie zehn Übungen für Fortgeschrittene. Dabei werden die meisten im Spiel relevanten Dinge geübt wie das Benutzen der Fahrzeuge, Waffen und Geschütze. Für jede Übung läuft ein Countdown und am Ende gewinnt man entweder die Bronze- Silber- oder Goldmedaille. Nichts Revolutionäres, aber Spaß macht es dennoch!

Ein verrückter Trainingsplan, der sich bereits mit mäßigem Geschick erfolgreich absolvieren lässt.

Lediglich der Online-Multiplayer ist demgegenüber ein zweischneidiges Schwert: In meinen ersten 20 Versuchen (ja, ich habe es mir notiert) konnte ich nur ein Online-Match im Nicht-Ranglistenspiel laden, da die Verbindung jedes Mal abbrach. Immerhin funktionierte das Ranglistenspiel, das laut Ingame-Text eigentlich für Fortgeschrittene da ist. Dementsprechend bekam ich ordentlich auf die Mütze. Als dann irgendwann im dreißigsten Versuch auch der Kinderspielplatz ging, machte ich dennoch keine Freudensprünge, da im Unterschied zum Ranglistenspiel es hier nicht möglich ist, seine Würmer vor Beginn des Spiels frei zu platzieren. Durch dieses Starten an zufälligen Orten besteht der Kampf eigentlich nur noch daraus, schnell hinter den oft idiotisch platzierten Wurm des Gegner zu kommen und diesen via Baseballschläger ins Wasser zu prügeln, wodurch er sofort ertrinkt. Dadurch nimmt sich das Spiel selbst die Waffenvielfalt, in der ja irgendwo auch der Reiz des Spiels liegt.

Ein stolzes Waffenarsenal. Die nicht vorhandenen Waffen können mit passendem Material hergestellt werden.

Tolle Optik, gutes Spieldesign, schlechte KI

Wie bereits erwähnt, findet Worms W.M.D. wie sein inoffizieller Vorgänger nur in einer 2D-Welt statt. Die Texturen und die Umgebung geben kaum Anlass zur Kritik: Bunte und abwechslungsreiche Welten machen den Wurmkrieg optisch auch für Zuschauer interessant. Sei es in einer verregneten Mittelalter-Welt, in einem Schauplatz, der an einen Canyon im Südwesten der USA erinnert oder gar in einer russischen Schneelandschaft. Der Wurmkrieg findet nahezu überall statt. Die sechs verschiedenen Teams werden dem nicht ganz gerecht. Allerdings sind diese vertont (nur Englisch), was besonders bei den “Rappern” echt witzig rüberkommt, nach dem hundertsten Hören jedoch gehörig auf die Nerven gehen kann.

Das Spieldesign als solches ist trotz einiger Macken ebenso durchaus gelungen. Tobt zum Beispiel ein Sturm mit starken Winden gen Osten, ist es nicht sonderlich ratsam, eine Rakete gen Westen zu schießen, da diese sonst postwendend zurück zum Abschussort geweht werden kann. Andere temporäre oder dauerhafte Wetterbedingungen, die Einfluss auf das Spielgeschehen haben, sind leider nicht vorhanden. Dies ist mit Sicherheit auch der relativ stupiden KI geschuldet, die sich manchmal anstrengend dumm zur Schau stellt. So kann es vorkommen, dass in fünf aufeinanderfolgenden Runden der gegnerische Wurm einfach so und scheinbar planlos mit seinem Raketenwerfer gegen die Decke schießt. Natürlich ist es nicht einfach, bei einer neu generierten Welt den KI-Wurm taktisch klug immer neu anzupassen, aber das Ganze wirkt hier hin und wieder, zum Glück nicht sehr oft, doch recht dämlich.

Die Zeit, die zwischen dem Beenden einer Runde und dem Start der nächsten vergeht, beträgt stets einige Sekunden, was auf Dauer eindeutig zu lange ist und den Spielfluss negativ beeinträchtigt. Werden die Lebenspunkte eines Wurms auf Null gesenkt, so bringt dieser sich traditionell selbst um, sodass nur noch ein Krater und dessen Grabstein übrig bleibt. Im Singleplayer-Modus gibt es übrigens nach jedem spektakulären Kill ein Replay. Im Online-Modus Gott sei Dank nicht.

Das Replay zeigt noch einmal die enorme Explosion, die mindestens zwei Würmer ins Jenseits beförderte.

W.M.D. = Was Meint Das?

Wofür steht denn jetzt nun eigentlich das W.M.D. im Titel des Spiels, von dem ich die ganze Zeit rede? Das lässt sich nicht eindeutig sagen, denn bekannt sind insgesamt neun Titel, die teilweise auch in den kurzen Cutscenes erwähnt werden, die es im “Story”-Modus zu sehen gibt:

  • Wonderful Multiplayer Destruction
  • We’ve Massive Discounts
  • We Make Devastation
  • We’ll Make ya Dangerous
  • Worms. Must. Die.
  • Well, that’s Me Dead!
  • Worms in Many Destinations
  • We’re Mighty Dangerous
  • Walking Mechanised Destruction!

Die witzigen Cutscenes sind wie die sonstige Vertonung lediglich auf Englisch. Der Bildschirmtext ist optional auch auf Deutsch verfügbar.

Fazit

Fans der Serie greifen zu, alle anderen spielen Probe. Nein, im Ernst: Worms W.M.D. ist in jedem Falle ein würdiger neuer Eintrag in der Serie, der auch Worms Armageddon gerecht wird. Das bedeutet, dass wirklich jeder dieses Spiel lieben wird, dem die Vorgänger Spaß bereitet haben. Denn es ist einfach derselbe, nur größer, schöner und mit vielen kleinen Neuerungen wie den benutzbaren Fahr- und Flugzeugen, den taktisch begehbaren Gebäuden oder dem Crafting von Waffen. Gerade für eine gesellige Runde zu Hause eignet sich Worms echt gut als Partyspiel, da es ebenso im Offline-Multiplayer spielbar ist. Wer heutzutage nicht mehr viel Besuch von Freunden bekommt, kann immerhin auch online gegen Fremde spielen. Der Nicht-Ranglisten-Modus funktioniert zwar oft gar nicht, dafür wird das Ranglistenspiel durch die taktische Komponente des Selbstplatzierens der eigenen Würmern vor Spielbeginn der versteckten Komplexität des Würmerkriegs eher gerecht. Und wer über die kleinen KI-Mängel hinwegsehen kann, wird hier mit 29,99 Euro nicht viel falsch machen können. Der Titel ist als Download auf der PlayStation 4, Xbox One, bei Steam und gog.com erhältlich

Kommentare
Peter B. 30. Oktober 2017 um 9:56 Uhr

Worms auf Win95 war killa! Danach nur Seiße!!

Die Bewertung durch Charles-Christopher Huppert ist jedoch leider unzureichend. In der vorliegenden, mitunter rein subjektiven Bewertung, ist eine ausreichende Abwägung der gegenseitigen Spielerinteressen dieses Genres nicht erfolgt. Dies ist sehr zu bedauern

Schlagwörter:worms