Test – Yakuza Kiwami 2

Weniger als ein halbes Jahr nach Yakuza 6: The Song of Life steht das Remake von Teil 2 bereits in den Regalen. Seid ihr satt oder habt ihr noch Hunger auf die Gangster-Action-Dramatik?

Obwohl Yakuza Kiwami 2 bereits seit dem 28. August im Westen zu erstehen ist, erscheint unser Test erst knapp zwei Wochen danach. Der Grund dafür ist der riesige Umfang des Action-Titels, der ausgiebig gespielt werden wollte.

Kiwami 2 setzt ein Jahr nach den dramatischen Handlungen von Teil 1 ein. Ex- Yakuza und ehemaliger vierter Vorsitzender des Tojo Clans Kazuma Kiryu besucht zusammen mit Ziehtochter Haruka die Gräber von Shintaro Kazama, Yumi Sawamura und Akira Nishikiyama. Dort treffen sie auf den fünften Vorsitzenden des Tojo Clan Terada, der alsbald von Killern der Omi-Allianz erschossen wird. Im Sterben übergibt er Kiryu einen Brief, der einen Waffenstillstand zwischen den rivalisierenden Clans aus Osaka und Tokyo herstellen soll. So muss sich Kiryu-San also erneut mit den Machenschaften des Tojo Clans rumschlagen und begibt sich in das Viertel Sotenbori, um Jin Goda, den Vorsitzenden der Omi Allianz aufzusuchen und einen Krieg zu verhindern. Nebenbei will sich desen Sohn, Ryuji Goda, der Kansai no Ryu, zu deutsch der Drache von Kansai, mit Kazuma messen, da es seiner Ansicht nach nur einen Drachen in Japan geben kann. Unser sympathischer Protagonist hat also wieder einmal alle Hände voll zu tun. Augenscheinlich ist der Titel nicht für Neueinsteiger gedacht. Diese werden sich bei Yakuza 0 wohler fühlen.

Der Drache von Dojima in seinem Viertel Kamurocho.

Das Remake des zweiten Teils, der ursprünglich auf der PlayStation 2 lief, präsentiert sich leider wieder nur mit 30fps. Schade eigentlich, da es Yakuza 0 bereits so gut vorgemacht hat, wobei dies auch noch ein Port der PS3-Version war. Dem Titel machen zudem leichte Hänger und Framerateeinbrüche während der Cutscenes zu schaffen, fernab davon läuft das Spiel hervorragend. Jedoch hat die Ragdoll-Physik der Dragon Engine zum Teil noch so ihre seltsamen Momente. Nicht selten kommt es vor, dass unser Protagonist nach einem harten Schlag des Gegners mehrere Meter durch die Luft oder über den Boden fliegt. Dies sieht zwar witzig aus, reist aber schnell aus der Atmosphäre hinaus. Kann man darüber hinwegsehen, ist der Titel in jedweder Hinsicht technisch sehr gut in der Dragon Engine, die bereits für Teil 6 benutzt wurde, umgesetzt.

Damit geht auch das Freischaltsystem aus Yakuza 6 einher. Während ihr im originalen zweiten Teil euren Heat Modus beispielsweise noch im Tournament Modus, Minispielen oder anderweitig leveln musstet, bietet das Remake fünf verschiedene Kategorien von Erfahrungspunkten, die ihr für Kämpfe, Missionen oder auch durchs Futtern und Trinken erhaltet. Diese können dann in verschiedene Kategorien mit unterschiedlichen Fähigkeiten verteilt werden. Allerdings dauert es wieder sehr lange bis man die guten Fähigkeiten, vor allem Heat Actions freischaltet. Ein ähnliches Problem hatte auch schon Teil 6. Da Kiryu-San nur noch einen Kampfstil hat werden die Kämpfe schnell langweilig und wenig abwechslungsreich. Ein sehr gutes Feature, welches bereits im originalen Yakuza 2 vorhanden war, ist dass Waffen, die im Kampf aufgehoben werden, eingesteckt werden können und man sie nach dem Kampf im Inventar behält. So haben clevere Spieler eigentlich jederzeit den Zugriff ihren Kampf mit ein paar Waffen aufzufrischen. Durch das Abschließen bestimmter Nebenmissionen schaltet ihr zudem Verbündete frei. Kämpft ihr nun in einem bestimmten Teil der Stadt könnt ihr besondere Heat Actions aktivieren. Voraussetzung ist, dass ihr den Skill mit Erfahrungspunkten erstanden habt und je nachdem um welchen Verbündeten es geht, an den richtigen Orten seid. Eine gewisse Abwechslung ist also trotz des einzelnen Kampfstils dennoch vorhanden.

Das Fähigkeitenfenster wurde aus Yakuza 6 übernommen. Die Fähigkeit Substory Finder ist bereits zu Beginn erlernbar und zeigt euch Nebenmissionen auf der Karte an. Äußerst hilfreich!

Aber was wären die Yakuza-Titel ohne die absurden und komischen Minispiele und Substories. Kiwami 2 übertrifft sich dabei selbst. So finden wir nun das Toylet-Spiel. Das in Pissoirs angebrachte Spiel misst dabei die Strahlstärke des Urins und spiegelt dies in Minispielen wieder. In einem gilt es beispielsweise den Rock einer jungen Dame hochwehen zu lassen. Je stärker der Strahl ist, desto höher geht der Rock. Man würde denken, dass es nicht absurder geht, aber der Live-Cam Chat aus Yakuza 6 hat uns da eines besseren belehrt. Und natürlich hat auch Kiwami 2 ähnliches auf Lager, nämlich Photosessions mit Models. Während wir Photos der hübschen Damen machen, die wieder mit realen Videosequenzen im Spiel auftauchen, müssen wir immer wieder Fragen beantworten. Je nachdem wie wir uns anstellen, steigt ein Herzmeter. Bestehen wir das Shooting, schalten wir ein neues Shooting frei, bis wir schließlich beim Bikinishooting ankommen. Natürlich gibt es neben dem doch eher perversen Spiel auch wieder vollständige Arcade-Titel zu erleben. So beispielsweise Virtua Fighter 2.1 und Virtual-On Cyber Troopers aus dem Jahre 1995. Sind die Spiele euch aufgrund der durchaus veralteten Graphik zu anstrengend, gibt es weiterhin die Möglichkeit sich im Batting Cage, beim Darts oder Golf die Zeit zu vertreiben. In der Golf Bingo Challenge müsst ihr in verschiedenen Schwierigkeitsstufen eine Reihe aus Zahlen treffen, um schließlich ein Bingo und Punkte zu bekommen. Hohe Punktzahlen belohnen euch mit Items und neuen Herausforderungen. Wer etwas mehr Strategie bevorzugt kann sich auf eine Runde Blackjack, Poker, Shogi oder Mahjong einlassen.

Wer jedoch seine Management-Fähigkeiten unter Beweis stellen will, fängt beim Cabaret-Club Four Shine an und hilft diesem in einem nationalen Wettbewerb. Dafür müsst ihr zu Beginn natürlich euren Mädchen erstmal den korrekten Umgang mit den Kunden beibringe. Jede Frau bietet verschiedene Werte in den Bereichen Sexy, Elegant, Cute und Funny. Der Spieler muss schauen, welchen Typ die Kunden bevorzugen und im Micromanagement die richtigen Mädchen an die Tische bringen. Bekannt ist das Minispiel, das fast wie eine eigene Simulation funktioniert, bereits aus Yakuza 0 und konnte auch dort schon überzeugen.

Eins der besten Minispiele in Yakuza Kiwami 2 ist der Club-Manager.

Ein weiterer Rückkehrer ist zudem der Clan Creator. Dieses mal ist unser Clan die Crew von Majima Construction. Nach seinem Austritt aus dem Tojo Clan versucht sich Majima als Bauherr und werkelt mit seinem Team an den Kamurocho Hills, welches übrigens in Yakuza 4 betretbar ist. Natürlich bleiben dabei rivalisierende Bauunternehmer nicht aus. Deren Handlanger und die Bosse selbst werden dann in Echtzeitstrategie-Manier bekämpft. Wem der Modus zusagt, kann hier ohne Probleme mehrere Stunden Gameplay-Spaß erhalten. Gänzlich neu ist der Modus „Truth of Goro Majima„, welcher nach dem Abschließen von Kapitel 5 über das Hauptmenü angewählt werden kann und Majimas Leben zwischen Teil 1 und 2 beleuchtet. Dort steuert ihr den Mad Dog of Shimano durch seine eigene kleine Geschichte. Im Gegensatz zur Hauptstory bietet der Modus allerdings keinerlei Substories oder Nebenmissonen. Des Weiteren ist es auch nicht möglich Majimas Kampfstil auszubauen, lediglich ein paar Heat Actions und Majimas Standardangriffe sind verfügbar. Dennoch ist diese kleine Ergänzung eine nette Geste der Entwickler, ist Majima doch einer der beliebstesten Charaktere des Franchise.

Fazit

Wenig überraschend überzeugt Yakuza Kiwami 2, wie auch alle Vorgänger, als herausragendes, cineastisches Gangster-Drama mit einer Menge Gewalt. Die Story des zweiten Teils gehört nicht umsonst zu den besten des Franchise. Die gestraffte Handlung ist spannend, bietet einen hervorragenden Gegenspieler und eine Menge politischer Intrigen, die schließlich in einem herausragenden Finale münden. Des Weiteren taucht das erste Mal eine stark dargestellte Frau, die Polizistin Kaoru Sayama aus Osaka, in der sonst Männer-geprägten Yakuza-Welt auf. Umso verwunderlicher ist es eigentlich, dass nach Yakuza 2 nur wenig starke weibliche Charaktere ihren Weg in die Reihe gefunden haben. Die wichtigsten Neuerungen aus Teil 6, wie die verbesserte Karte, das Setzen von Wegmarkierungen, die Möglichkeit jederzeit speichern zu können, fließende Übergänge zu den Kämpfen und das Betreten der Gebäude ohne von Ladebildschirmen gestört zu werden, wurden übernommen und machen Kiwami 2 modern. Aufgelockert durch humorvolle Substories und absurde Minispiele, in Kombination mit der neuen Engine, zaubert Sega erneut einen grandiosen Teil der Reihe auf die PlayStation 4. Nun fehlen nur noch die Teile 3 bis 5 und die gesamten Hauptteile der Yakuza-Saga finden sich auf Sonys Hit-Konsole wieder.

Positiv
  • Starke Haupthandlung und grandiose Charaktere
  • Hervorragend umgesetzes Remake in der Dragon Engine
  • Eigener Spielmodus für Goro Majima
Negativ
  • Bereiche und Minispiele aus dem Original fehlen
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Schlagwörter:yakuza