Test – Yomawari: Night Alone

Angst vor Horrorclowns an Halloween? Hier könnt ihr euch auf dem Sofa gruseln!

Mit den Entwicklern von Nippon Ichi Software verbinden wahrscheinlich die meisten Spieler Strategie-Rollenspiele wie die Disgaea-Reihe oder Dungeon Crawler wie The Guided Fate Paradox und The Witch and the Hundred Knight, doch 2014 zeigten sie mit htoL#NiQ: The Firefly Diary, dass sie auch anders können. Nun, genau rechtzeitig zur Halloween-Zeit, erscheint in Europa und Nordamerika mit Yomawari: Night Alone eine weitere neue IP aus dem Survival Horror-Bereich.  

Im Vergleich zu anderen prominenten Vertretern des Genres geht es bei Yomawari jedoch nicht darum als gestandener Recke Zombiehorden niederzuschießen, sondern man spielt stattdessen ein kleines Mädchen, das sich nicht zur Wehr setzen kann. Wir werden auch sogleich ins Geschehen geworfen, denn die Story ist minimal gehalten und wird vor allem durch die Mimik und Gestik der Charaktere statt durch Text oder Sprachausgabe erzählt.
Auf dem Nachhauseweg kommt es, für mich völlig überraschend, zu einem Unfall, bei dem wir unseren Hund Poro aus den Augen verlieren. Der erste Schockmoment ist bereits Teil des Tutorials und hat mich völlig überrumpelt. Man darf halt ein Buch nicht nach seinem Einband, beziehungsweise ein Spiel nach seiner niedlichen Optik beurteilen, denn in
Yomawari lauern Geister und andere Gruselgestalten an jeder Ecke und es geht wie beispielsweise bei Corpse Party durchaus blutig zur Sache.
Die Leine hinter sich herschleifend, kehrt das Mädchen nach Hause zurück, wo sie ihrer Schwester von Poro erzählt. Diese versichert ihm zurückzubringen, doch als auch sie nicht zurückkehrt, macht sich das Mädchen mit ihrer Taschenlampe “bewaffnet” selbst auf die Suche nach beiden.

Bereits von Anfang an steht es uns frei einen großen Teil der Kleinstadt, in dem das Spiel angesiedelt ist, zu erkunden. Die Story wird häppchenweise erzählt und jedes der sieben Kapitel, die kaum länger als 20 Minuten sind, hat einen anderen Handlungsort. Wir erkunden Wälder und Friedhöfe, aber auch Schulen oder ein Einkaufszentrum, welches wohl kurz vor dem Abriss steht. Von den flackernden Laternen bis hin zu Kreaturen, die plötzlich aus dem Nichts erscheinen, gibt es zahlreiche Gruselmomente auf unserer Reise.
Wer mitgerechnet hat, merkt, dass die Spieldauer auch mit Pro- und Epilog sich für die reine Story bei etwa drei bis vier Stunden einpendelt. Es gibt jedoch auch noch optionale Orte und viele kleine Fundstücke, die mit knappen Ein-Satz-Beschreibungen teilweise bestimmte Umstände im Spiel näher beleuchten, anstatt nur blöde Collectibles zu sein, die man in das Spiel gepackt hat, um das Spiel zu strecken.
Wer Angst hat, etwas zu verpassen: keine Sorge, das Spiel lässt einem nach dem Durchspielen dort weitermachen, wo man aufgehört hat. Eine Sache, die mir unverständlich blieb, ist das Speichersystem des Spiels. Zumindest die Vita-Version erlaubt lediglich einen einzigen unveränderlichen Spielstand, sodass man, wenn man die Story von vorne spielen will, sämtliche Spieldaten vom System löschen muss.

Wir selbst sterben nach dem bloßem Kontakt mit einem Gegner, doch dank der zahlreichen Checkpoints, die zum Teleport dienen, kommt hier wenig Frust auf. Aber Achtung: es gibt bei Yomawari auch Gegner, die nur im Schein der Taschenlampe sichtbar werden. So gab es ein paar Mal einen “Was hat mich jetzt eigentlich getötet?”-Moment.
Fast jeder Gegnertyp hat eine Besonderheit, die es herauszufinden gilt. In einigen Fällen kann man ihnen entkommen, indem man sich einige Zeit in einem Busch versteckt oder sie mit Steinchen auf eine falsche Fährte lockt. Versteckt sich das Mädchen, wird ihre Umgebung komplett schwarz und Monster erscheinen nur noch als rote Wolke und je näher sie sind, desto schneller schlägt das Herz des Mädchen. Stress wie dieser ist ein wichtiger Aspekt des Spiels und färbt auch auf dem Spieler ab.
In der Nähe von Gegnern sinkt auch die Ausdauer des Mädchens stark und oftmals müssen wir an sicheren Orten einen Zwischenstopp einlegen, um wieder zu Atem zu kommen. Viele Schockmomente des Spiels bekamen ihre Wirkung vor allem dadurch, dass man als Spieler eine Verbindung zu dem Mädchen aufbaut. Ihre Angst wird unsere Angst und wir sind jedes Mal erleichtert, wenn sie es sicher nach Hause geschafft hat.
Das Spiel fährt ein wahres Potpourri an Gegnern auf, von solchen, die sich nur bewegen wenn wir wegschauen über riesige Spinnen und Tausendfüßler bis hin zu Händen, die aus einem Gulli nach uns greifen, wenn wir zu nahe kommen, und auch wenn vieles davon Klischee ist, dann liegt es doch am cleveren Gamedesign und der Präsentation, dass selbst vielen Veteranen ein Schauer über den Rücken läuft.

Wie bereits eingangs erwähnt, hebt sich Yomawari vor allem durch die Protagonistin und die eher kindliche Optik ab. Öffnen wir das Menü oder die Karte, dann sehen wir Gekrakel einer Grundschülerin und auch die Gestaltung der Umgebungen und Charaktere täuschen über den Horror, der einen erwartet, hinweg.
Das Spiel bietet einige Momente mit besonderer emotionaler Schwere, die einem durch die fröhlichen Farben noch härter treffen, und es gibt viele Momente, die mich an die
Silent Hill-Serie erinnerten.
Das größte Lob für die Präsentation geht an den Soundtrack, beziehungsweise dessen fast vollständiges Fehlen. Die Musik in dem Spiel tritt sehr in den Hintergrund und was bleibt, ist Ambiente. Ob es nun das Matschen der Schuhe auf durchweichten Boden oder das Brummen von Neon-Reklame ist, wir nehmen die Atmosphäre der Kleinstadt auch akustisch auf. Teilweise hören wir aber auch schon aus der Entfernung das Stöhnen der Gegner und andere Geräusche, die einem einen Schauer über den Rücken jagen. An den genau richtigen Momenten wird das Spiel jedoch auch von einem Thema begleitet, das eher melodramatisch als treibend ist – ebenfalls eine Gemeinsamkeit mit der
Silent Hill-Reihe.

Yomawari: Night Alone gibt es ab 19,99 Euro als Download bei Steam und für PlayStation Vita, sowie für 39,99 Euro im Einzelhandel im Paket mit htoL#NiQ: The Firefly Diary, ebenfalls für die Vita. Von den Screenshots her überzeugt natürlich die PC-Version mit höherer Auflösung, aber ich persönlich möchte die Spielerfahrung mit einer Vita und Kopfhörern im Dunkeln nicht missen.

Fazit

Alles in allem ist Yomawari: Night Alone ein perfekter Titel für ein oder zwei kalte, dunkle Winterabende. Sowohl Fans des Genres als auch interessierte Neulinge können sich hier ordentlich gruseln. Trotz niedlicher Optik werden überraschend ernste und erwachsene Themen behandelt, was sich auch in einem gewissen Grad von Brutalität widerspiegelt.
Somit ist es sicher kein Titel für schwache Nerven, aber alles in allem ein wirklich durchdachtes und toll designtes Spiel.
Wer dachte, dass Nippon Ichi Software nur Strategie-Rollenspiele und Dungeon Crawler können, wird hier eines besseren belehrt. Kleine Abzüge gibt es jedoch für die Spieldauer, ich habe aber in dem Preissegment auch schon deutlich kürzere und deutlich schlechtere Titel gespielt.
Positiv
  • Abwechslungsreiche Umgebungen und Gegner
  • Tolle Präsentation
  • Reichlich Gruselstimmung
  • Direkter Start ins Geschehen
Negativ
  • Nur ein Spielstand möglich (getestet auf PS Vita)
  • Story ist schnell vorbei
Ähnliche Beiträge
Kommentare
Schlagwörter:yomawari