The Return of the Adventures – Teil 1

Kommt mit durch eine Reise durch die Zeit, hin zu alten Point-and-Click Adventures!

„Früher war alles besser“ hört man in jeder Generation die älteren Semester sagen. Manchmal scheint dies sogar zu stimmen, erinnern wir uns nur an die Point-and-Click-Adventures der 80er und 90er Jahre. Aktuell erlebt das Genre durch Spieleschmieden wie Daedalic sein Revival, aber seien wir ehrlich „früher war alles besser“ und so gut die neuen Adventures teilweise auch sein mögen, an die alten Klassiker kommen sie nicht heran. An die liebevoll handgezeichneten Grafiken, die tollen Geschichten und die knackigen Rätsel. Erinnern wir uns nun zurück an eine Zeit ohne Komplettlösungen aus dem Internet und die Freude, mit Figuren wie Guybrush Ulysses Threepwood die Karibik unsicher gemacht zu haben.

Ein kurzer Ausflug durch die Zeit

Womit fing die Ära der Point-and-Click-Adventures eigentlich an? Das erste Adventure mit grafischer Oberfläche war das 1980 erschienene Mystery House von On-line Systems, welche später besser bekannt waren als Sierra On-Line, mittlerweile Sierra Entertainment. Dieses Spiel wies allerdings noch nicht die uns später bekannte Steuerung mit der Maus auf, dennoch gilt es als Meilenstein der Spielgeschichte, war es doch das erste Spiel welches nicht nur ein reines Textadventure war.

In den Jahren danach entwickelte sich dieses Spielkonzept immer weiter, der erste Teil der King’s Quest-Reihe kam 1984 auf den Markt und 1985 erschien dann das erste komplett ohne Tastatur spielbare Adventure Déjà Vu: A Nightmare Comes True von ICOM Simulations. Das wohl bekannteste Spiel, das die Ära der Point-and-Click-Adventures einläutete war Maniac Mansion von Lucasfilm Games (heute besser bekannt als LucasArts), welches 1987 erschien.
Somit startet nun unsere kleine Reise durch einige Adventures der 80er und 90er Jahre!

Chewy – Esc from F5

Chewy – ESC from F5

Beginnen wir mit einem vermutlich nicht ganz so bekanntem Titel, Chewy – Esc from F5 von Blue Byte. Blue Byte verbindet man eher mit Spielen wie Die Siedler oder der Anno-Reihe, allerdings brachten sie 1995 ein Point-and-Click-Adventure heraus, welches sich nicht hinter den bekannten, großen Spielen verstecken muss. Hauptcharakter ist der titelgebende Held Chewy, ein 1,20m großer, pinker Außerirdischer.

Gestatten, Chewy.

Die zugrunde liegende Geschichte ist eigentlich schnell erzählt. Chewy und sein Kumpel Flint sind auf der Suche nach dem „roten Glump“. Auf dieser werden die Beiden während einer Weltraumschlacht mit den Borx, kleine grüne Aliens, getrennt. Clint gerät in ein Wurmloch und landet auf der Erde, Chewy wird gefangen genommen und findet sich auf dem Raumschiff F5 wieder. Natürlich ist das Ziel unseres Helden nun, seinen Freund wieder zu finden und dafür muss er erst einmal von F5 entkommen, daher auch der namensgebende Titel.
Was nun im ersten Moment recht banal und unspektakulär klingen mag, entpuppt sich bei näherer Betrachtung doch als spaßiges Unterfangen. Das Spiel geizt nicht mit schrägem Humor und Anspielungen auf das Sci-Fi-Genre. So treffen wir beispielsweise einen Nimoyaner in einer Folterkammer, der doch sehr an einen Vulkanier aus Star Trek erinnert und nicht von uns gerettet werden will, da sein Captain sicherlich schon auf dem Weg sei.

Der Nimoyaner. Der Name leitet sich von Leonard Nimoy ab, der in der ersten Star Trek-Serie den Vulkanier Spock spielte.

Generell nimmt das Spiel sich und auch alle großen Filme zur damaligen Zeit nicht sonderlich ernst. An jeder Ecke lauern Anspielungen und Witze über bekannte Filme und Serienhelden.

Die Rätsel waren an keiner Stelle zu schwer und ließen sich meistens durch Bemerkungen Chewys oder Dialoge mit anderen Personen lösen. Natürlich kann es passieren das man an einer Stelle nicht weiter kommt, im großen und Ganzen war dieses Spiel jedoch gut schaffbar.

Persönlich etwas enttäuschend empfand ich immer das Ende, verspricht es doch eine Fortsetzung, die nie kam. Aber nichtsdestotrotz war und ist es ein solides und gutes Adventure, das mehr als einmal auf meinen Computer lief und das jeder, der die alten Adventures mag, gespielt haben sollte.

Discworld I + II

Ein weiteres kleines Juwel war die Discworld-Reihe. Basierend auf den Scheibenwelt-Romanen von Terry Pratchett steuern wir den Magier Rincewind in zwei Teilen über besagte Welt. Hierbei erschienen insgesamt drei Spiele, Discworld (1995), Discworld II – Vermutlich vermisst (1996) und Discworld Noir (1999). Der dritte Teil wird im folgenden jedoch nicht behandelt, der Versuch diesen zu spielen scheiterte daran, dass er damals für mich einfach nicht zu bekommen war. Aber nichtsdestotrotz sind allein die ersten beiden Teile einen Blick Wert.

Wer es bisher verpasst hat, die Romane zu lesen oder eines der Adventures zu spielen: Was ist die Scheibenwelt? Die Scheibenwelt ist eine Welt, die auf dem Rücken der vier Weltenelefanten getragen wird, welche wiederum auf dem Panzer der Sternenschildkröte Groß A’Tuin stehen, die durchs Multiversum reist.

Groß A’Tuin

Klingt bizarr? Ist es wohl auch, jedoch sind die Geschichten mit einem recht eigensinnigem Humor gespickt, der reale und fiktive Ereignisse aus unserer Welt in vielfältiger Weise parodiert und doch sein eigenes, kleines Fantasy Universum schafft. Die Spiele boten nur einen kleinen Auszug und ich müsste lügen, würde ich sagen, ich hätte zum Zeitpunkt des ersten Spielens eines der Bücher gelesen. Viele Jahre und etliche Bücher später machte das erneute Rätsel lösen jedoch umso mehr Spaß und vieles erschloss sich leichter.

Zurück zu den Spielen. Veröffentlicht wurden sie von Psygnosis. Der erste Teil orientiert sich an den Romanen rund um Hauptmann Samuel Mumm, statt ihm steuert man hier jedoch den Zauberer Rincewind. Dieser ist ein leicht trotteliger Zauberer, der unfreiwillig zum Helden wird (und eigentlich lieber weg laufen möchte). Die Zauberer der Scheibenwelt leben in der Unsichtbaren Universität in Ankh-Morpork, der größten und ältesten Stadt dieser Welt. Begleitet wird er von Truhe, einer – nunja – Truhe aus intelligentem Birnbaumholz. Sie folgt ihm überall hin und fungiert in den Spielen als Inventar.

Unsere erste Aufgabe ist es, Truhe zu wecken.

Eine Gruppe von Verschwörern ruft einen Drachen herbei. Unsere Aufgabe ist es nun, diesen wieder los zu werden. Mit dabei: Zeitreisen, Gold, ein unfreiwilliger Held und natürlich schuppige Widersacher.

Discworld II – Vermutlich vermisst

Der zweite Teil handelt von Gevatter TOD. In Großbuchstaben. Dieser hat die Nase voll von seinem Job und fährt in den Urlaub. Die Folge: Niemand stirbt. Das können die Zauberer der Unsichtbaren Universität natürlich nicht auf sich beruhen lassen und schicken abermals Rincewind los, TOD zu suchen und ihn davon zu überzeugen, bitte seinen Job wieder zu erledigen.

TOD macht Urlaub

Was gar nicht so einfach ist, genießt dieser sein neues Dasein viel zu sehr. In den Romanen waren mir die Geschichten rund um den Sensenmann immer die liebsten und so verhält es sich auch bei den Spielen. Beide sind gut, aber persönlich fand ich den zweiten Teil ein wenig besser.

Abseits der Geschichte sind eines der wichtigsten Elemente eines Point-and-Click-Adventures natürlich die Rätsel. Diese orientieren sich oft an der etwas wirren Scheibenwelt-Logik und sind infolge dessen nicht immer einfach. Wer nun also ein herausforderndes Adventure sucht mit einer ordentlichen Portion Humor und liebevollen Charakteren, dem seien diese Spiele sehr ans Herz gelegt. Ich habe viele spaßige Stunden mit Rincewind auf der Scheibenwelt verbracht!

Dies war nun die erste kleine Reise in die Vergangenheit, hin zu echten Perlen der Spielgeschichte. In den nächsten Artikeln stelle ich euch unter anderem Simon the Sorccerer, The Legend of Kyrandia und Torins Passage vor.

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Kommentare
Sebastian Fox 19. Februar 2017 um 17:32 Uhr

Wann kommt Teil 2 🙂 ?

Schlagwörter:adventures , chewy , discworld