Top 10 – Visual Novels/ Japanische Adventures Teil 2

Nachdem ich euch letzte Woche meine Plätze 10 und 9 vorgestellt hab, gesellen sich nun die Plätze 8 und 7 hinzu.

Platz 8 – Snatcher

Entwickler: Konami
Publisher: Konami
Plattform: Sega Mega CD
VNDB.org

Bei Snatcher handelt es sich um Mastermind Hideo Kojimas zweites Spiel, bei dem er nicht nur die Planung als auch die Position des leitenden Entwicklers übernahm, sondern auch das Skript selbst geschrieben hat.

Das Spielprinzip ist sehr schlicht gehalten. Ihr spielt aus der Sicht des Protagonisten Gillian Seed, wobei euch über ein Menü Befehle wie „Reden“, „Fragen“, „Bewegen“ et cetera zur Verfügung stehen. Dementsprechend erkundet ihr die Spielwelt, analysiert Gegenstände und folgt der Geschichte.

Mitte der 90er kam es zu einer Katastrophe durch eine biologische Waffe, die rund die Hälfte der Weltbevölkerung auslöschte. Etliche Jahre später erschienen die Snatcher, humanoide Roboter, welche die Körper ihrer Opfer übernehmen und sich als diese ausgaben. Die Spielhandlung setzt 50 Jahre später in Neo Kobe (Japan) ein und dreht sich um den an Amnesie leidenden J.U.N.K.E.R (Japanese Undercover Neuro Kinetic Elimination Ranger) Gillian Seed, welcher der obengenannten Anti-Snatcher Einheit beitritt und versucht, mehr über seine Vergangenheit sowie seine Verbindung zu den Snatchern herauszufinden.

Auch halbnackte Frauen sind bei Snatcher nichts unübliches.

 

Kurzreview: 

Snatcher besitzt aufgrund des CD Mediums, welches damals nicht üblich war, gute vorgerenderte Videos, sogenannte FMVs (Full Motion Videos), einen außerordentlich tollen Soundtrack und eine ausgezeichnete englische Synchronisation. Im Vergleich zu den damals gängigen FMV Adventures wie Dragon’s Lair oder etwas später auch die Tex Murphy Adventures mutet Snatcher eher wie eines der frühen Point & Click Adventures an.

Neo Kobe bietet euch die verschiedensten Schauplätze, gepackt in ein interessantes – wenn auch für damalige Verhältnisse eher typisches – Zukunftssetting. Etliche schräge Charaktere und der lustige Metal Gear Mk. II, eine offensichtliche Anspielung an Kojimas erstes großes Werk, runden das Spiel ab.

Erstaunlich ist der recht hohe Grad an Gewalt in einigen Szenen. Nicht selten sieht man kopflose Leichen oder ähnliches.

Was Snatcher aber am meisten ausmacht, ist die außergewöhnlich gute Geschichte, die durch brilliant geschriebene Charaktere und eine superbe Charakterentwicklung getragen wird. Viele unerwartete Mysterien und Wendungen bereichern die Story enorm und führen zu einem recht langen Ende, in dem glücklicherweise alles erklärt und aufgelöst wird.

Merkt man beim vorigen Titel von Kojima, Metal Gear, schon die Liebe zu Filmen, war dies bei Snatcher auch nicht anders. Bezüge zu SciFi-Filmen wie Terminator, Die Körperfresser kommen oder Blade Runner zeichnen sich bei Snatcher deutlich ab.

Einziger Wermutstropfen, wobei das Spiel aber keine Schuld trifft, ist der sehr hohe Preis. Da eine englische Fassung nur für Segas Mega CD erschien, braucht ihr neben dem Mega Drive noch das anschließbare Mega CD2 sowie natürlich Snatcher selbst. Alles in allem kann euch das bis zu 400 Euro kosten, wenn man nach den aktuellen Preisen in entsprechenden Internetauktionshäusern geht.

 

Platz 7 – Ghost Trick

Entwickler. Capcom
Publisher: Capcom
Plattform: Nintendo DS, iOS

2010 erschien für den Nintendo DS mit Ghost Trick ein japanisches Adventure vom Ace Attorney Schöper Shu Takumi, das im Vergleich zu seinen Vorgängerspielen doch recht anders ist und den Fokus mehr auf Gameplay als auf Visual Novel legt.

Ihr steuert den zu Beginn des Spiels verstorbenen Sissel in Form seines Geistes, dem jegliche Erinnerungen an sein Leben fehlen. Auf einem Schrottplatz werdet ihr in eurer Geisterform Zeuge eines Mordes an der jungen Detektivin Lynne. Mit Hilfe eurer übernatürlichen Fähigkeiten gelingt es euch aber Lynne zu retten. Sissel kann nämlich in Leichen schlüpfen und somit in der Zeit zurückzureisen – genau vier Minuten bevor das Individuum stirbt. Damit hat er die Möglichkeit, die Schicksale einiger Personen zu ändern.

Da sich Sissel als Geist nicht wirklich fortbewegen kann und auch keine lebenden Personen übernehmen kann, ist die Fortbewegung nur über bestimmte Gegenstände möglich. So findet ein Schauplatzwechsel zum Beispiel rein über die Telefonleitung statt, wenn gerade ein Gespräch geführt wird.

Keine Angst Lynne! Sissel wird dich retten.

 

Kurzreview:

Ghost Trick ist ein schönes Puzzle-Adventure mit einer wunderbaren, wendungsreichen Geschichte, abgedrehten Charakteren und sehr gutem und innovativem Gameplay. Auch die Sounduntermalung ist – wie bei japanischen Spielen häufig – exzellent. Die per Hand animierten Charaktermodelle sind fabelhaft und zeigen die Liebe zum Detail.

Ich muss allerdings anmerken, dass das Spiel zum Teil sehr auf dem „Trial and Error“-Prinzip basiert und es so zu einigen Frustmomenten kommen kann, wenn man mal nicht weiter kommt. Gerade zum Ende hin sind einige der Puzzle doch etwas schwieriger. Man muss sich also nicht schämen, gelegentlich mal in einer Komplettlösung nachzuschauen.

Alles in allem ist Ghost Trick: Phantom Detective ein weiterer Hit des renommierten Entwicklerteams um die Ace Attorney Reihe. Generell kann man mit Visual Novels bei Capcom nicht viel falsch machen.

Falls ihr keinen Nintendo DS oder etwaige Nachfolgemodelle besitzt, habt ihr die Möglichkeit, das Spiel auch auf eurem iPad, iPhone oder iPod Touch zu spielen. Dabei sind die ersten beiden Kapitel sogar kostenlos. Auch das ganze Spiel kostet euch lediglich 10 Euro, was den Preis aber definitiv wert ist.

 

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Schlagwörter:visual novel