Warcraft: The Beginning – Kritik an den Kritiken

FIlmumsetzungen von Spielen taugen nichts, zumindest wenn man Kritikern glaubt. Dass das nicht immer gerechtfertigt ist, sollte klar sein.

Dem Großteil derjenigen, die sich viel mit Videospielen beschäftigen, fallen zu dem Stichwort „Filmadaptionen“ von ebendiesen vermutlich auf Anhieb einige Negativbeispiele ein. Positivbeispiele sind in dieser Sparte so spärlich gesät, dass in Diskussionen zu diesem Thema (übertreibender Weise) von einem „Fluch“ gesprochen wird – es soll wohl einfach nicht sein. Mit dieser Einstellung vorprogrammiert scheinen auch einige Kritiker größerer (Gaming)-Magazine zur neuesten Spiel-Verfilmung ins Kino gegangen zu sein. Die Rede ist von Blizzards Warcraft: The Beginning – beziehungsweise dessen Kritiken. Ich gehöre sicher nicht zu den Ersten, die in den Genuss dieses Filmes gekommen sind, schließlich kursieren schon einige Rezensionen dazu im Netz. Darum biete ich euch hier stattdessen eine Kritik über die Kritiken, deren Verfasser den Film offensichtlich mit verschlossenen Augen und Ohren angesehen haben.

Würde es sich bei Warcraft: The Beginning um die von einem Indie-Studio produzierte Filmadaption eines Sparten-Videospiels handeln, wären Rezensionen mit Überschriften wie von Kotaku („The Warcraft Movie Is Not Good“) oder Computer Bild Spiele („Warcraft-Filmkritik: Enttäuschung in Azeroth“) tödlich gewesen. Blizzard sei dank ist deren Fangemeinde jedoch so groß, dass es wohl kaum jemanden interessiert oder vom Kinobesuch abgehalten haben dürfte. Allgemein scheinen die Reaktionen englischsprachiger Kritiker nicht sonderlich gut auszufallen, während deutschsprachige sich eher im soliden „ist ganz nett“-Mittelfeld versammeln.

Doch was wird inhaltlich kritisiert, dass man den Film bereits in der Überschrift zerreißt? Bleiben wir der Übersichtlichkeit halber bei den Beispielen von Kotaku und Computer Bild. Beide verfassten diesen Artikel vom Standpunkt eines World of Warcraft-Veterans, der Bild-Ableger wagte noch eine Prognose für absolute Warcraft-Neulinge. Ich bilde hier das Mittelfeld, da ich zwar World of Warcraft per se nicht angefasst habe (und es auch nicht vorhabe), aber mich auch durchaus in Warcraft 3 vergnügt habe. Zur Analyse nehme ich beispielhaft drei Punkte heran, in denen beide Artikel sich überwiegend einig sind:

  • Der Film hat zu viele und zu oberflächliche Charaktere.

Fassen wir einmal zusammen. Unsere Hauptcharaktere sind Anduin Lothar (Kommandant des Königs), Durotan (Häuptling der Frostwölfe), Medivh (Wächter), Garona (Halborkin), Khadgar (ehemals Wächter-Lehrling), Gul’dan (der Bösewicht),  Llane Wrynn (der König) und eine Handvoll Nebencharaktere, deren Namen man sich nicht einmal merken muss, um sich ihrer Funktion bewusst zu sein.

© Legendary/Blizzard

Kennern der World of Warcraft-Lore werden zumindest einige dieser Namen aus der Lore bekannt sein, für mich waren sie überwiegend neu. Dennoch waren sie gut unterscheidbar und so inszeniert, dass ihre Positionen, Charakterzüge, Fähigkeiten und Handlungsmotivationen klar dargestellt waren. Es erfordert meiner Meinung nach nur eine durchschnittliche Konzentrations- und Aufnahmefähigkeit, um die Charaktere nachvollziehen zu können. Was die Oberflächlichkeit angeht, stimme ich jedoch tendenziell zu. Der Film bringt ein paar mehr oder minder tiefgreifende Momente, in denen die Charaktere ihre schwere Vergangenheit preisgeben – mehr aber auch nicht. Insbesondere der König bekommt recht wenig Farbe ab, weshalb er die gesamte Handlung über nur als „ganz netter Typ“ ankommt. Grundsätzlich haben die Charaktere in diesem Film eher funktionellen als individualistischen Ursprung, was auch der Lore-basierten, sehr Videospiel-typischen Erzählweise geschuldet ist.

  • Der Film hat zu viele Handlungsstränge und ist schwer verständlich.

Da ich mir sehr sicher bin, während des Films nicht geschlafen zu haben, komme ich Summa Summarum auf eine ähnliche Anzahl Handlungsstränge wie Hauptcharaktere; ohne zu weit vorzugreifen: das beinhaltet nicht nur die beiden großen (Durotan und Lothar), sondern auch mehrere kleine, sehr übersichtliche – und alle werden am Ende mehr oder weniger eindeutig mit einem kleinen Touch von Cliffhänger aufgelöst. Man muss sich schließlich die Option auf eine (oder mehrere) Fortsetzungen freihalten. Lange Rede, kurzer Sinn: mit durchschnittlicher Konzentration… ihr wisst schon. Wen bereits die Anzahl der Charaktere verwirrt, wird hier erst recht seine Schwierigkeiten haben. Als schwer nachvollziehbar definiere ich meine wöchentliche Linguistik-Lektüre – was Warcraft: The Beginning angeht, sollte man stattdessen froh sein, dass man keinen linearen Hollywood-Kitsch vorgesetzt bekommt.

© Legendary/Blizzard

  • Der Film ist humorlos und nimmt sich zu ernst.

In beiden Kritiken wurde der für Blizzard typische, dezent eingeworfene Humor vermisst. Blizzard-Universen sind – bekannterweise – überwiegend sehr düster. Kaum eine Geschichte geht gut aus. Dennoch ist irgendwo noch immer Platz für einen witzigen One-Liner oder absurde Handlungen. Meiner Ansicht nach mangelt es auch dem Film daran nicht. Während ich die vorherigen beiden Argumenten noch halbwegs nachvollziehen und teils befürworten konnte, ist mir dieser Kritikpunkt völlig fremd. Was den Einsatz von Witzen und Pointen angeht, hat Regisseur Duncan Jones den Nerv von Blizzards Humor absolut getroffen. Seien es Lore-basierte Eastereggs während Kamerafahrten, wenig dramatische Unterbrechungen emotionaler Szenen oder ein wenig Slapstick, um Kampfszenen aufzulockern. Ohne zu viel an Spoilern preisgeben zu wollen: Schafszauber („Er wirkt nur bei den geistig Schwachen.“). Spätestens ab diesem Punkt war ich von Jones Detailtreue überzeugt.

Alles in Allem ist der Film tatsächlich recht vollgepackt und wirkt dadurch etwas zu kurz für die Fülle an Inhalten. Die landschaftliche Darstellung Azeroths ist großartig, wenn auch diese teils zu kurz gekommen ist, um mehr an Lore unterzubringen. Man muss etwas mitdenken, um mit der Menge an Inhalt mithalten zu können. In diesem Fall sollte es aber auch kompletten Neulingen nicht schwer fallen, den Film zu verstehen und Gefallen daran zu finden. Wenn man nicht mit einer negativen Grundeinstellung (Filmadaption eines Videospiels – das kann nichts werden!) oder der Erwartung eines Hollywood-Streifes im Stile von 300 an den Film herangeht, ist mit Warcraft: The Beginning durchaus amüsante und packende Unterhaltung garantiert. Mit gratis Nostalgie-Effekt für World of Warcraft-Liebhaber.

© Legendary/Blizzard

 

Original Artikel: kotaku, Computer Bild Spiele

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Kommentare
Rend 31. Mai 2016 um 19:57 Uhr

*Achtung, enthält Spoiler*

Ronja, sind sie sicher, dass ihnen die Namen nichts sagen? Sie hatten Warcraft III gespielt, richtig? Medivh ist im Intro, er bringt sogar die Handlung des Spiels ins Rollen, indem er den jungen Häuptling Thrall warnt und ihm sagt, er soll die Horde übers Meer auf den unbekannten Kontinent Kalimdor führen. Sie haben für den Film sogar 1:1 seine Robe mit dem Kragen aus Federn übernommen. Allerdings bin ich mir nicht mehr sicher, warum er trotz seines Ablebens nochmal in Erscheinung trat, Warcraft III ist leider auch zu lange her, ich nehme an das war so eine „Gandalf der Graue/Gandalf der Weisse“ Geschichte, und das „Licht“ hat ihn einfach nochmal zurückgeholt, damit er die Völker in Warcraft III warnt.

Jedenfalls kam er wie gesagt in Warcraft III vor, in geläuterter Form, auch wenn ihn niemand mehr als den Wächter erkannte, da die Geschehnisse von Warcraft I bzw. jetzt dem Film schon 20 Jahre zurück lagen.

Guldan hatte auch einen Auftritt in Warcraft III. Oder sagen wir besser, sein Schädel… Der Schädel des Guldan war ein mächtiges Artefakt, was man mit Illidan erobern musste. Er nutzte die dämonische Energie in dem Schädel, um sich selbst mächtiger zu machen.

Und man sah Guldan glaube ich noch einmal lebendig in einem Flashback, in der Erweiterung Warcraft III The Frozen Throne.

Naja aber ansonsten sagen einem die Namen wahrscheinlich wirklich nichts, wenn man nur Warcraft III kennt, da Warcraft I/Film und Warcraft II wie gesagt knapp 20 Jahre davor spielten (mehr oder weniger, ich entnehme die Zahl einfach mal aus daraus, dass Thrall in Warcraft III erwachsen ist).

Nicht namentlich genannt im Film, aber vorhanden, war glaube ich noch der aus Warcraft III bekannte Grom Hellscream/Höllschrei (ich mag immer noch nicht die eingedeutschten Namen). Bin mir zumindest sicher, ihn gesehen zu haben, war auf jedenfall der einzige mit einem fancy Pferdeschwanz.

Also ich muss für mich persönlich sagen, und das als jemand, der Warcraft früher geliebt hat, aber mittlerweile nicht mehr ausstehen kann (wohl gemerkt das aktuelle, also das, was sie mit fragwürdigen Story Entscheidungen in World of Warcraft draus gemacht haben): Der Film war nah an einer perfekten Umsetzung, so wie ich es mir gewünscht habe. Vor allem ausgezeichnete Entscheidung, Warcraft I zu verfilmen. Einen World of Warcraft Film hätte niemand verstanden, hätte ich auch nicht sehen wollen.

Probleme ergeben sich allerdings daraus, dass man einen ganzen Krieg in einen Film gequetscht hat.

Und das hat sich leider auch auf die Charaktere übertragen.

Wurde überhaupt erklärt warum Medivh böse ist? Nicht im geringsten, oder? Dafür war überhaupt kein Platz. Wer mit der Story vertraut ist, der weiss, dass es noch eine Fraktion im Warcraft Universum gibt, die über allen anderen steht, die Dämonen. Und deren Anführer ist Sargeras, ein fast gottgleiches Wesen, das aber vor Ewigkeiten gebannt wurde von Medivhs Mutter, die dafür allerdings einen Teil seiner Essenz in sich aufnehmen musste. Ergo ist Medivh also seit seiner Geburt verflucht kann man sagen, und teilt sich seinen Körper zusammen mit dem größten Dämon des Warcraft Universums.

Im Film sieht man nur, wie Medivh in grüne Pampe steigt, und böse wird. Tja, da fehlt dann eben was fürs bessere Verständnis.

Für mich und meine Freunde ist dann zwar klar „Oh, cool, sie haben die Besessenheit durch Sargeras mit drin, Medivh hat sogar eine Teilverwandlung zu Sargeras“. Andere sehen eben nur einen seltsam schizophrenen Zauberer, weil einfach Background Informationen fehlen.

Oder andere Charaktere, die farblos erscheinen, obwohl extrem wichtig. Orgrim Schicksalshammer. Wer Warcraft II kennt, der kennt ihn als den nächsten Kriegshäuptling der Horde, denjenigen der gegen Guldan vorgehen wird, und der ein sprichwörtlich schicksalshaftes Duell mit Anduin Lothar haben wird gegen Ende des Krieges, und der Jahre später als Einsiedler in den Bergen einen jungen Thrall trainieren und ihm den Kriegshammer vermachen wird, den Thrall auch in den Spielen stets trägt. Und nach dem auch die Hauptstadt der Horde, Orgrimmar, benannt wird.
Für alle anderen ist er einfach nur ein Typ mit Glatze und Kriegshammer, der erst seinen Freund verrät aber dann doch einen Sinneswandel zum Guten hat.
Ich könnte noch die ganze Zeit weiter machen. Die Draenei am Anfang. Wird auch alles nicht erklärt. Man sieht einfach nur ein paar Typen in Käfigen. Dass die das andere Volk auf Draenor gewesen sind, was dort gelebt hat, und von den Orks niedergemacht wurden, nachdem Guldan an die Macht kam, das geht auch alles unter.
Das sind alles so Dinge, die fehlen einem komplett an den Charakteren und dem Hintergrund. Für mich sind da zwar ständig Leute zu sehen, die extrem hohe Bedeutung haben. Aber für jeden anderen plätscheren die Charaktere wahrscheinlich einfach vor sich hin. Bei der Geschwindigkeit, mit der durch das Warcraft I Material gepeitscht wurde (und werden musste), war das wahrscheinlich gar nicht anders möglich. Sonst wäre der Film doppelt so lang geworden.

    Ronja Stobrawe 1. Juni 2016 um 12:17 Uhr

    Erst einmal vielen Dank für deinen sehr ausführlichen Kommentar!

    Wenn ich mich richtig entsinne, hatte ich geschrieben, sie würden mir
    „überwiegend“ nichts sagen. Medivh gehört unter anderem zu denen, die
    mir in Erinnerung geblieben sind. Mittlerweile ist es aber einige Jahre
    her, dass ich das Spiel wirklich gespielt habe – demnach waren mir auch
    genauere Charakterhintergründe nicht mehr ganz klar.

    Du hast eine sehr treffende Sichtweise auf die Problematik der
    Farblosigkeit der Charaktere geworfen. Zum Thema Medivh wurde kein
    wirklicher Grund zum Wandel genannt, nur etwas in die Richtung „Ich war
    schwach und konnte das Fel nicht kontrollieren“. Letztendlich sind
    solche Details aber auch schwer unterzubringen, wenn man nicht aus
    diesem einen Film bereits einen Dreiteiler machen möchte. Darum stellt
    sich aus Sicht des Regisseurs vermutlich die Frage: müssen die Leute –
    insbesondere Neulinge – das denn wirklich wissen, um die Handlung des
    Films zu verstehen?

    Ich hätte noch so viel an Meinung schreiben können, was schlicht und
    einfach den Rahmen komplett gesprengt hätte. Der Kernpunkt des Artikels
    ist, diese absurden Polarisierungen bezüglich des Films aufs Korn zu
    nehmen, da ich ihn alles in Allem gut fand und der Meinung bin, dass
    genannte Punkte teils ziemlich blödsinnig sind.

    Ronja Stobrawe 31. Mai 2016 um 20:21 Uhr

    Erst einmal vielen Dank für deinen sehr ausführlichen Kommentar!
    Wenn ich mich richtig entsinne, hatte ich geschrieben, sie würden mir „überwiegend“ nichts sagen. Medivh gehört unter anderem zu denen, die mir in Erinnerung geblieben sind. Mittlerweile ist es aber einige Jahre her, dass ich das Spiel wirklich gespielt habe – demnach waren mir auch genauere Charakterhintergründe nicht mehr ganz klar.

    Du hast eine sehr treffende Sichtweise auf die Problematik der Farblosigkeit der Charaktere geworfen. Zum Thema Medivh wurde kein wirklicher Grund zum Wandel genannt, nur etwas in die Richtung „Ich war schwach und konnte das Fel nicht kontrollieren“. Letztendlich sind solche Details aber auch schwer unterzubringen, wenn man nicht aus diesem einen Film bereits einen Dreiteiler machen möchte. Darum stellt sich aus Sicht des Regisseurs vermutlich die Frage: müssen die Leute – insbesondere Neulinge – das denn wirklich wissen, um die Handlung des Films zu verstehen?

    Ich hätte noch so viel an Meinung schreiben können, was schlicht und einfach den Rahmen komplett gesprengt hätte. Der Kernpunkt des Artikels ist, diese absurden Polarisierungen bezüglich des Films aufs Korn zu nehmen, da ich ihn alles in Allem gut fand und der Meinung bin, dass genannte Punkte teils ziemlich blödsinnig sind.

Schlagwörter:kino