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ZDFinfo: Themenabend zur Gamescom Eröffnung

Viel ist jedoch nicht zu erwarten. (Achtung, Kommentar!)

Jan Markus Mäuer · 3. August 2017

Hier ist etwas, was Sinn macht: ZDFinfo, der Spartensender des öffentlich rechtlichen Zweiten Deutschen Fernsehens, der sich auf Dokumentationen spezialisiert hat, macht zum öffentlichen Start der Gamescom am 23. August einen Themenabend über Videospiele.

Hier ist etwas das keinen Sinn macht: Das Programm.

Es beginnt okay-ish… vermutlich, mit ZDF History: Von Pong zu Pokémon – Die Geschichte der Videospiele eine „historische Reise durch 45 Jahre Videospiele“. Länge etwa 45 Minuten. Ein Jahr pro Minute. Okay.

Der Aufhänger wird dann um 20:15 folgen, mit der Erstausstrahlung von „Was spielt Deutschland? Moorhühner, Siedler und Planer“, einer Dokumentation über Spielkultur und Industrie aus deutscher Sicht mit Stay Forever-Podcaster Christian Schmidt (cool), Rapper Smudo von den „Fantastischen Vier“ und Frank Ziemlinski, Erfinder des Moorhuhn-Spiels. Dieses wird als „einer der größten Erfolge deutscher Computerspielgeschichte“ beschrieben, aber im selben Pressetext heißt es dann, dass das ganze „ein Millionen-Erfolg war, der Ziemlinski kurzzeitig zu einem reichen Mann macht – bevor die Blase des Neuen Marktes die Erfolgsgeschichte abrupt beendet und Ziemlinski um 30 Millionen Mark ärmer ist.“ Einer der größten Erfolge also. Ich seh schon. Mir würden ja Erfolgsgeschichten aus Deutschland einfallen, die nicht in einem großen Crash endeten. Oder ein glücklicher Unfall aus einem Werbespiel für eine US Whiskey-Marke ist. Aber ich arbeite dort nicht bei der Rechercheabteilung.

Die Dokumentation stammt von Christian Schiffer, von dem an diesem Abend auch die Wiederholung seines letzten dreiteiligen Videospiel-bezogenen Projektes Killerspiele!. Da greifen mal wieder die Vorurteile gegen die Öffentlich-Rechtlichen voll durch. Über zwei Stunden des sechsstündigen Themenabends gehen für das ebenso altbackene wie zu Tode getretene Lieblingsthema drauf. Mag sein, dass es von einigen Blickwinkeln vielleicht noch heute ein wertiges Thema ist, aber in einem Themenabend zur Gamescom wären vielleicht etwas versöhnlichere oder für die Industrie kritischere oder relevantere Punkte ein Gewinn.

Zusätzlich wird auch eine 45 minütige Dokumentation über Kim Dotcom gezeigt, dem bekannten Raubkopie-Entrepreneur. Mangels Material hat der Programmchef hier wohl lose Assoziationen spielen lassen: Kim Dotcom hat Computerdinge gemacht, Videospiele sind ein Computerding, es gibt Raubkopien von Computerspielen. Passt schon.

Abgerundet wird das ganze durch Die Nintendo Story, (anders als die anderen Dokumentationen nur 30 Minuten lang – vermutlich viel zu viel Zeit wenn man 45 Jahre Videospiele in 45 Minuten abarbeiten kann) und Atari: Game Over – Das größte Geheimnis der Spiele-Industrie, den Netflix-Abonnenten eventuell schon gesehen haben, der aber tatsächlich ganz gut ist. Weniger wegen der Rahmengeschichte um die verschwundenen E.T.-Module, die unverkauft in der Wüste vergraben wurden, sondern eher wegen der interessanten Geschichte drumherum um Ataris Aufstieg und Fall, gespickt mit unterhaltsamen Anekdoten über das Chaos innerhalb einer der ersten großen Entwickler und Publisher. Interessanterweise wird hier jedoch die Sendedauer ebenfalls mit 45 Minuten angegeben, obwohl der Film etwa 70 Minuten Länge hat. Also sind die guten oder die schlechten Parts vielleicht rausgeschnitten.

Nicht überraschend, aber sehr schade, wirkt der ganze Themenabend schon vorab eher wie Murks. Dabei hätte man zumindest noch ein paar Interessante Dokumentationen wie Indie Game: The Movie oder The King Of Kong importieren können, oder eben selber ansprechenden ideenreichen Content produzieren, wie ZDF es eine Zeit lang mit Pixelmacher getan hat, einem überraschend exzellentem Magazin mit einer Reihe von gut recherchierten Themen und hochkarätigen Interviews.

Aber aus Mainstream-medialer Sicht scheint man weiterhin nicht sehr viel Interesse an Videospielen zu haben, wenn sie nicht gerade potenziell gefährlich sind oder nostalgische Erinnerungen an „Ich hab mal diesen Super Mario gespielt“ hervorrufen.

Keine sehr löbliche Widmung an die überaus Erfolgreiche und einflussreiche Gamescom.

Quellen: gameswirtschaft.de, ZDF Presseportal