Das Filmstudio Lionsgate geht interessante Wege mit den Videospieladaptionen ihres Filmreportoires. Statt generischen Big Budget Adaptionen holt man sich nun bekannte Indie Studios in Boot, die der Vorlage einen ganz eigenen Stempel aufdrücken. So wird aus dem Keanu Reeves Actionkracher “John Wick Hex”, ein rundenbasiertes Spiel zwischen Taktik und Choreografie.

Etwas traditioneller geht es mit Blair Witch zu, dessen Vorlage “The Blair Witch Project”, das allseits bekannte Horrorphänomen das quasi eigenständig das “Found Footage Horror” popularisiert hat, zum Guten wie zum Schlechten. Hier wurde Bloober Team beauftragt, das polnische Indie Studio das mit der Layers of Fear Serie für Aufmerksamkeit sorgte und auch in Observer einem Cyberpunk Krimi eine kräftige Horror-Infusion gab. Ganz so ausgefallen wie bei John Wick wird es nicht, Blair und Bloober bleiben beim First Person Horror allein in den endlosen Wäldern Marylands. Dennoch haben die Entwickler aber genug Freiheiten, um etwas eigenes zu schaffen.

Blair Witch (das Spiel) beginnt im September 1996, etwa zwei Jahre nach den Ereignissen des ersten Films, erzählt jedoch eine eigenständige Geschichte. Ein kleiner Junge verschwindet spurlos in den selben Wäldern um Burkittsville und in der Rolle des ehemaligen Polizisten Ellis nimmt man, etwas verspätet, an der Suchaktion teil. Unterstützt wird Ellis dabei von seinem treuen Vierbeiner Bullet, der sowohl mit Spürnase als auch einem etwas anderen Verhältnis zu Übernatürlichen Ereignissen, die Ellis bald heimsuchen und ihn mit seiner Vergangenheit konfrontieren. Und Waldmonstern.

Selbstverständlich spielt auch ein unterdurchschnittlicher 90er-Camcorder eine wichtige Rolle im Spiel, aber im Vergleich zu den Filmen (wir vergessen mal wohlwollend Blair Witch 2: Book of Shadows) oder der konzeptuell nicht unähnlichen “Found Footage”-esken Horror Reihe Outlast ist es mehr ein Hilfsmittel und weniger DAS zentrale Element. 
Aber wenngleich man scheinbar eine Taschenlampe dem vorhanden, aber vergleichsweise weniger effizientem Nachtsichtmodus der Kamera vorzieht, so hilft diese verborgene Spuren aufzuzeigen und mit Hilfe von gefundenen Kassetten sogar die Spielwelt zu verändern. So öffnet sich wie von Zauberhand zum Beispiel eine verschlossene Tür, wenn man das gefundene Videomaterial an der Stelle anhält, wo die Türe offen stand.

Aber es ist eben nur eines von vielen Elementen des Spiels.

Ein anderes ist Bullet, ein guter Hund, der Ellis treu zu Seite steht, solange man sich ein bisschen um Ihn kümmert. Im Gegenzug hilft der Schäferhund dem Spieler dafür den richtigen Weg zu finden, und vor Gefahren zu warten wie die Monster, die im Wald lauern.

Blair Witch Fans wundern sich wahrscheinlich, das ich vom zweiten Mal von Monstern rede, wo die Filme doch mehr von unsichtbaren und unheimlichen Einflüssen und Ereignissen leben. Ja, hier bricht das Spiel ein wenig mit dem vom Film bekannten (sieht man mal einigen Momenten von 2016er Fortsetzung ab, die ebenfalls Blair Witch hieß). Und auch Bloober Team bricht ein wenig damit, wie zum Beispiel bei Layers of Fear auf solche Antagonisten zu verzichten.
Doch die Entwickler tun dies nicht des Spektakel wegens: Scheinbar erhielt das Studio mit den vorherigen Titeln häufig Feedback, das ohne eine konkrete Bedrohung für den Spieler nicht die richtige Spannung für ein Horrorspiel aufkommt. Und so hat die weiterhin als unsichtbare und allgegenwärtige Bedrohung wahrgenommene Hexe von Blair nun Schergen, die den bekannten Ast-Figuren der Filme ähneln und versteckt hinter Bäumen und Gestrüpp auf den Spieler lauern. Ähnlich wie in zum Beispiel Alan Wake kämpft man mit Hilfe seiner Taschenlampe gegen diese lichtscheuen Gegner. Anders jedoch als in Remedys Titel kann man die sinistren Wesen hier jedoch nur vorübergehend verjagen, bevor sie dann erneut zuschlagen. 
Inwieweit das funktioniert, war von dem was wir spielen konnten noch nichts genaues zu sagen. Die in unterschiedliche Segmente quer aus dem Spiel aufgeteilte Demo präsentierte die erste Konfrontation mit den Monstern, die sich zwar schockierend gut direkt im eigenen Blickfeld vor dem dicht bewaldeten Hintergrund verstecken können, aber zunächst noch mit Hilfe von Bullet recht einfach zu verjagen waren.

Später wurden die Antagonisten jedoch bedrohlicher, als es in das bekannte “Hexenhaus” der Hexe von Blair ging. Da man sich zu dem Zeitpunkt nicht mehr ganz auf die Realität verlassen kann, ist der Trip in das ominöse Haus weitaus umfangreicher als es von der klapprigen Bruchbude den Anschein macht. Tatsächlich soll man möglicherweise bis zu einer vollen Stunde in diesem Gruselhaus verbringen, wie die Entwickler andeuteten. Und da dummerweise der bekannte Trick mit der Taschenlampe hier nicht mehr funktioniert, war hier umso mehr Vorsicht geboten.

Doch, auch wenn das aus den Filmen bekannte Haus sehr atmosphärisch und klaustrophobisch in Szene gesetzt wurde, ist der weitläufige Wald das wahre Highlight, was die Szenerien aus Blair Witch angeht. Lange Zeit kämpften Videospiele, Wälder realistisch darzustellen, doch Bloober Team zeigt hier eines der bisher glaubwürdigsten Forstgebiete, dicht bewachsen und natürlich. Teilweise mit sehr hübschen Panoramen, wie zum Beispiel einem seicht plätschernden Bach, meist jedoch eher Unheimlich, mit Baumstümpfen und Geäst das in der Dunkelheit oft ein bisschen zu sehr wie eine lebendige Gestalt aussieht.

Zuletzt sei noch gesagt, dass die Entwickler angedeuteten, das Blair Witch einige dynamische Elemente in Gameplay und Geschichte hat, die vom Spieler abhängen. Genaueres wollte man nicht sagen, aber ein angeführtes Beispiel war eine der bekannten Ast-Figuren, die wir in der Demo zerstörten, um an ein Foto zu kommen, dass darin eingewickelt war. Dies zu tun kann jedoch im vollständigen Spiel Konsequenzen haben.

Welche das genau sind, werden wir schon bald erfahren können. Bereits am 30. August wird Blair Witch für PC und Xbox One erscheinen. Wer einen Game Pass für Xbox oder Windows besitzt, kann das Spiel direkt ab Release ohne Zusatzkosten spielen.

Alles in allem scheint Bloober Team mit Blair Witch im Minimum einen soliden Horror-Titel zu bieten. Zwar rückt das, was man aus der Vorlage kennt, teilweise etwas in den Hintergrund, aber dafür kann das Spiel mit einer Eigenständigkeit aufwarten, die man nicht unbedingt aus solchen Adaptionen kennt. Da scheint es eher eine Frage, ob die diversen erwarteten und unerwarteten Elemente des Spiels sich im Gesamtprodukt voll entfalten können. Man darf gespannt sein.

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