Test – Resident Evil 7 VR

Ein Ritt in die Hölle Louisianas!

Liebe Leser, entschuldigt bitte die Verspätung des VR-Tests zu Resident Evil 7, aber nachdem ich knapp 10 Stunden „Urlaub“ auf der Farm der Bakers verbracht habe, brauchte ich erstmal ärztliche Betreuung und eine Kur, um mich zu erholen. Wahnsinn, war das ein Ritt.

Wer den Original Test vom Kollegen Lucas Rau noch nicht gelesen hat, der klicke bitte hier. Ich werde mich in meinem Test ausschließlich auf die VR-Erfahrung mit Resident Evil 7 beschränken. Da ich zu den wenigen Menschen gehöre, die auch dauerhaft kein Problem mit „Motion Sickness“ haben, konnte ich das gesamte Spiel ohne die Brille abzusetzen durchzocken. Als Setup diente die PlayStation 4 Pro mit PlayStation VR. Hier nun meine Erfahrung damit!


Der Beginn des Wahnsinns

Nachdem ich zum ersten mal die Demo Beginning Hour zu Resident Evil 7 mit PlayStation VR gespielt hatte, war für mich klar, dass ich das Spiel unbedingt in der Virtual Reality spielen muss. Gesagt, getan, nicht eine Minute bereut (abgesehen von Schweiß-, Stress- und Panikattacken). Nachdem die Demo schon eine fantastische VR-Erfahrung lieferte, konnte das Spiel, komplett mit PlayStation VR spielbar, gar nicht übel werden. Und Capcom hat mich nicht enttäuscht.

Man erkennt an jeder Ecke, ja sogar am Charakter Ethan selbst, das Capcom versucht hat, das Spiel komplett VR-fähig zu machen. Ab dem ersten Moment, in dem man mit der PlayStation VR in die Welt von Resident Evil 7 abtaucht, geht es nur noch um eins: Ich will meine eigene Haut retten, denn wer ist Ethan? Für 10, vielleicht auch 15 Minuten zum Start des Spiels gelang es mir, mich von der Immersion zu entkoppeln. Mir kann ja schließlich nichts passieren, sitze ich doch im heimischen Sessel. Dann trifft man recht schnell auf Ethans Freundin und schon ist es anscheinend doch mein körperliches Wohl, das in Gefahr schwebt.

Emotionsloser Ethan

Ethan selbst bleibt von Beginn des Spiels an ein ziemlich blasser Charakter, zumindest sagt das jeder, mit dem ich bisher über das Spiel gesprochen habe. So reagiert er zu Beginn nicht mal, als (ACHTUNG SPOILER!) Ethan seine mutierte Freundin mit der Axt verprügelt. Ist das auf dem heimischen TV noch ein ziemlich gefühlskalter Akt, bei dem der Protagonist seine Tat nicht so wirklich kommentiert, wird in so einem Moment in Virtual Reality klar, warum Ethan so wirkt. Ich BIN Ethan. Ich BIN in diesem Moment angeekelt, sowohl von mir selbst, als auch von der widerlichen Blutlache, die auf dem Boden vor mir liegt. Und auch wenn ich den Schmerz, der mir durch allerlei Monstrositäten und der Familie Baker selbst angetan wird, nicht wirklich spüre, so bin ich doch eine ganze Ecke näher dran, diesen zumindest im Ansatz durch den visuellen Eindruck zu empfinden. Überhaupt ist es Wahnsinn, wie stark die Immersion wirkt. Mehr als einmal habe ich den Wunsch verspürt, mir Kopfhörer und VR-Brille vom Kopf zu reißen, nur um nicht weiter malträtiert zu werden. Selbst wenn nichts passiert ist und ich nur durch die Gänge des Hauses geschlichen bin! Die Ego-Perspektive wurde wahrscheinlich auch nur gewählt, um diesen Effekt im VR zu verstärken… Nach circa einer halben Stunde völliger Immersion habe ich nur noch geflucht. Geflucht und versucht, den Ausgang zu finden.

Sie sieht doch so nett aus….

Die Technik dahinter

Wo wir gerade bei Kopfhörern waren: Der Sound ist großartig. Ich habe mich nicht nur einmal gefragt, ob ich nicht gerade tatsächlich im Haus der Bakers festhänge. Der 3D-Sound funktioniert grandios! Man hört über sich die Dielen knarzen, Jack Baker aus dem Esszimmer nach mir rufen oder unter sich das platschen, wenn man in eine Pfütze oder andere eklige Dinge tritt. Bei der Grafik sei gesagt, das sie bei genauem Hinsehen etwas verschwommen wirkt, aber insgesamt sind mir im Gegensatz zu Titeln wie The Assembly sehr viel weniger Treppchenbildungen aufgefallen. Mir gefiel es und meiner Meinung nach ist Resident Evil 7 aktuell der Titel in VR mit der besten realistischen Grafik. Selbst die Schrift ist in den meisten Teilen (Ladebildschirm ist eine Ausnahme) durchgängig scharf. Das größte Manko ist mir bei den Charakteren aufgefallen, denn hier wirken Haare und Wimpern sehr viel unrealistischer als auf dem flachen Fernseher. Leider habe ich während meines VR-Runs keine Screenshots gemacht, daher nutze ich Screenshots aus dem normalen Spielverlauf. Im Vergleich ist die Grafik in VR in jedem Fall schlechter als in 2D. Schade ist auch, das die Ladezeiten aus der Hölle zu sein scheinen, denn wie Kollege Lucas schon beschrieb: Sie sind verdammt lang.

Ein weiterer Punkt, an dem man die Anpassung des Spiels an VR erkennt und wie viel Entwicklungszeit in diesen Faktor geflossen ist, zeigt sich in den Maßnahmen zur Eindämmung der „Motion Sickness“. An vielen Stellen, in denen man selbst passiv bewegt werden würde, hat man kurze Ausblendungen eingebaut, sodass man die Bewegungsgeschwindigkeit senkt. Auswirkungen auf das Angstgefühl hat das keine, ich fühlte mich, als würden mir aus Schock oder Panik heraus kurz die Lichter ausgehen. Auch die gesamte Spielgeschwindigkeit, die ja doch eher langsam ist, sollte wenig „Motion Sickness“ erzeugen. Sogar spontanes Umdrehen und Sprinten lösten bei mir keine Übelkeit aus – aber wie eingangs erwähnt: Ich habe allgemein recht wenig Probleme mit VR. Überaus begeistert war ich von den Zielmechanismen – So funktioniert zielen und schießen per Head-Tracking und nach kurzer Eingewöhnung geht das sehr viel präziser und intuitiver als mit dem rechten Stick. Das gleiche gilt für die Nahkampfwaffen. Sogar um die Ecke lehnen oder durch die Tür lugen geht durch das Head-Tracking!

Das Zielen mit den Waffen funktioniert hervorragend!

Weitere technische Feinheiten: Ihr könnt (leider nicht nahtlos) zwischen VR und 2D wechseln, dafür müsst ihr lediglich zurück ins Hauptmenü und den Modus ändern. Außerdem gibt es die Option, Drehungen nach links und rechts in 30°- oder 45°-Schritten und als fließende Bewegung wie in jedem anderen Spiel durchzuführen. Weiterhin könnt ihr mit einem Knopfdruck die aktuelle Blickrichtung als neue Laufrichtung festlegen.

Plant euren Arztbesuch frühzeitig

Im Gegensatz zu Lucas hat mich die Abwesenheit der Zombies kein bisschen gestört, erinnerten mich die generischen Monstrositäten doch an Resident Evil Revelations, das schon ein Schritt zurück zu den Wurzeln vom Franchise war. Allerdings, und das betone ich hier, würde ich euch gerade wegen den Bakers und den Monstrositäten empfehlen, die VR-Variante des Spiels nur zu spielen, wenn ihr entweder in der Lage seid, euch der Immersion zu entziehen oder allgemein kein Problem mit Horror Spielen habt. Ich habe mir zu Testzwecken kurzzeitig für eine Session einen Pulsmesser angezogen und immer mal wieder nach stressigen Momenten drauf geschaut – bei keinem anderen Spiel ist mein Puls bisher so zwischen Spitzenwerten und Ruhepuls hin und her gesprungen. Vielleicht sollte ein Hinweis für Herzkranke auf der Packung stehen.

Fazit

Mein Gott - was ein widerliches Herrenhaus. Was ein Trip. Nie war ich so nah daran, das Spiel einfach zu beenden. Nicht, weil es so schlecht wäre, ganz im Gegenteil. Ich wurde großartig unterhalten und habe mich fast durchgehend so gefühlt, als würde ich wirklich auf dieser gottverlassenen Farm nach einem Ausweg suchen. Ich empfehle das Spiel jedem, mit VR durchzuspielen, der keine Motion Sickness empfindet oder Herzprobleme hat. Falls Sony ein Beispiel brauchte, um zu zeigen, was VR wirklich kann - Capcom hat es Ihnen geliefert. Bitte mehr davon!
Positiv
  • Beste Grafik für PSVR bisher
  • 3D-Sound
  • Mittendrin-Gefühl
  • Kampfsystem
  • "Panikattacken"
Negativ
  • Grafik leider nicht so gut wie auf dem TV
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